Stefan Mantel – Beruf und Familie in Balance bringen

Erfolgreiche Führungskraft sein und für die Familie da sein

Warum Dir das bisher nicht gelungen ist und wie es Dir in Zukunft gelingen kann

Stell Dir einmal folgendes vor: Du hast Dich entschlossen, ein Haus zu bauen.

Erstes Szenario: Wenn Du genügend Geld hast, ist das überhaupt kein Problem. Du kannst einfach sagen, was Du haben möchtest. Dein Wille geschehe.

Zweites Szenario: Falls Du nicht so viel Geld hast, aber richtig viel Zeit (und wir gehen einmal davon aus, dass Du die entsprechenden handwerklichen Fähigkeiten hast), dann ist das Ganze wiederum kein Problem. Dann wird das Haus eben erst in fünf oder sieben Jahren fertig sein.

Drittes Szenario: Es ist weder viel Geld vorhanden noch hast Du wirklich viel Zeit, aber es ist Dir auch gar nicht so wichtig, wie das Haus nachher aussieht. Hauptsache, Du bist Hausbesitzer – auch wenn es nachher nur ein Gartenhaus ist 😉 Wiederum kein Problem!

Vielleicht kennst Du dieses Beispiel aus einem anderen Zusammenhang: dem Projektmanagement. Dort heißt das Ganze Zieldreieck und es geht im Regelfall um das Verhältnis von Qualität, Kosten und Zeit.

Geh’ bitte gedanklich nochmal in die Situation, in der Du das Haus bauen möchtest.

Du bist im Gespräch mit einem Architekten und sagst zu ihm: „Ich möchte gerne eine große Villa in bester Lage in Hamburg bauen. Es soll nicht allzu lange dauern bis sie fertiggestellt ist. Kostenmäßig soll sie sich im sechsstelligen Bereich bewegen. Wie bekommen wir das unter einen Hut?“ Nachdem der Architekt  geschluckt hat und wieder sprechen kann wird er antworten: „Gar nicht!“

Und er wird fragen, was Du denn genau möchtest.

Viele Führungskräfte verhalten sie aber genau so wie der Bauherr im Beispiel, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Wir möchten ganz viel Zeit mit unseren Kinder verbringen und auf alle Fälle Kariere machen. Und Zeit mit meiner Frau und auch für meinen Sport ist mir schon wichtig. Das sind aus meiner Sicht leere Phrasen, die Dich und Deine Familie keinen Schritt weiterbringen.

Solltest Du schon einmal ein Haus gebaut haben, dann weißt Du, dass im Vorfeld absolut klar sein muss(!), wie viel Geld zur Verfügung steht, welche Größe, welchen Standard und welche Qualität das Haus haben und in welcher Zeit es fertiggestellt sein soll.

Es gilt also erst einmal die einzelnen Fixpunkte zu genau definieren, um dann zu schauen, wie man sie „unter einen Hut bekommt.“

Wie bekommst du alles unter einen Hut?

Die Frage, die häufig in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt wird ist genau diese: „Wie bekomme ich das alles unter einen Hut?“

Das ist aber aus meiner Sicht erst die zweite Frage.

Die erste (und viel wichtigere) lautet: „Was soll überhaupt in meinen Hut?“ oder „Was ist mir so wichtig, dass es auf alle Fälle in meinem Hut Platz finden muss, damit ich mit meinem Leben wirklich zufrieden bin – und zwar jetzt und in der Retrospektive am Ende meines Lebens?

Ich bin in meinen Beratungen und Coachings immer wieder überrascht, dass die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte diese Frage gar nicht konkret beantworten kann. Es verhält sich allerdings wie beim Hausbau: Bevor nicht klar ist, welche ganz konkreten Fixpunkte mir wirklich wichtig sind, macht es keinen Sinn sich über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Gedanken zu machen. Es ist schließlich überhaupt nicht klar ist, was vereinbart werden soll.

Wie kannst Du Klarheit bekommen? It’s simple, but not easy!

Du brauchst Dir lediglich die richtigen Fragen zu stellen (die allerdings häufig gar nicht so leicht zu beantworten sind, da sie ziemlich ins Eingemachte gehen)

Damit Du Beruf und Familie vereinbaren kannst, ist es wichtig, dass Du Dir über Deine Vaterrolle klar wirst.

Wichtig Fragen zu Deiner Vaterrolle könnten sein:

  • Was für ein Vater möchte ich konkret sein?
  • Was erwarte ich von mir in meiner Rolle als Vater in dieser Familie?
  • Welche Erwartungen haben/hatten meine Eltern an mich in dieser Rolle?
  • Was erwartet meine Frau von mir?
  • Welche Erwartungen und Wünsche haben meine Kinder an mich als Vater?

Und das waren lediglich ein paar Fragen, um Klarheit in Deine Vaterrolle zu bekommen.

Diese Fragen kannst Du Dir für sämtliche Rollen und Bereiche Deines Lebens stellen:

  • Deine Rolle als Führungskraft
  • Deine Rolle (Ehe)partner
  • den Bereich Freundschaften/Vereine
  • Deine Gesundheit
  • die Zeit für Dich

… um nur einige zu nennen1) Zum Thema Rolle kannst Du auch diesen Blogbeitrag “Führen durch Rollenklarheit” nachlesen oder die Podcastfolge “Führungsstark durch Rollenklarheit.

Löse dich von alten Glaubenssätzen

Während der Beschäftigung mit diesen Fragen, wirst Du auf viele Glaubenssätze stoßen wie z.B. „Ich bin nur ein guter Vater, wenn ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringe.“

Lass mich Dir hierzu ein kurzes Beispiel aus einer meiner Beratungen erzählen:

Mir gegenüber sitzt Thorsten, 42 Jahre. Er hat das Gefühl, dass er zwar beruflich erfolgreich ist (guter Posten im mittleren Management, angemessenes Gehalt), aber ein schlechter Vater. Auf die Frage, was denn einen guten Vater aus seiner Sicht ausmache, antwortet er: Ein guter Vater verbringt viel Zeit mit seinen Kindern. (Du merkst: viel Zeit ist sehr unkonkret und ein Vater mit diesem Glaubenssatz hat gar keine andere Chance als sich schlecht zu fühlen.) Nachdem wir herausgearbeitet haben, wie viel Zeit das konkret aus seiner Sicht sein muss, wurde deutlich, dass er es anders machen wollte als sein eigener Vater, der eigentlich dauerhaft abwesend war. Darunter hatte er als Kind gelitten.

Aus diesem Grund hatte er „gutes Vatersein“ mit „viel Zeit haben“ verknüpft. Im weiteren Prozess löste sich dieser Glaubenssatz „Ich bin nur ein guter Vater, wenn ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringe.“ auf und Thorsten konnte differenzierter sehen, was ihm wirklich wichtig war im Kontakt zu seinen Kids. So ging es ihm vor allem darum, z.B. an wichtigen Ereignissen Fußballspiel, Schulkonzert, usw. teilnehmen zu können und für seine Kinder (die 10 und 14 Jahre alt waren) bei Problemen jederzeit ansprechbar zu sein. Heilig waren ihm außerdem das Wochenende und der Urlaub.

Hier ist bei Thorsten für seine Vaterrolle Klarheit entstanden.

Und erst, wenn in allen Bereichen und Rollen Deines Lebens absolute Klarheit herrscht, gilt es den zweiten Schritt zu gehen: Dann kannst Du konkret überlegen, wie Du das alles unter einen Hut bekommst und Familie und Beruf in Einklang bringst.

Was braucht es also zunächst als erfolgreiche Führungskraft, um für die Familie da zu sein?

  1. Klarheit für mich: Die Leitfrage hier lautet wie oben beschrieben „Was ist mir wichtig?“
  2. In Kommunikation treten: Ich habe es oben bereits angedeutet. Wenn Du maximal klar bist, dann gilt es herauszufinden, was die anderen von Dir erwarten, z.B. Deine Frau und Deine Kinder. Wenn Du jetzt sagst: „Das weiß ich doch!“, dann würde ich gerne widersprechen. Meiner Erfahrung nach sind wir Menschen ganz schlecht im Gedankenlesen und die Führungskräfte, die ganz klar benennen können, was z.B. ihre Frau von Ihnen erwartet, haben explizit mit ihrer Frau darüber gesprochen.

Damit ist die Reise noch lange nicht zu Ende (ehrlich gesagt: sie hat erst angefangen) …

… aber nun hast Du eine realistische Chance, dass am Ende der Reise ein beruflicher Erfolg steht, der nicht auf Kosten Deiner Rolle als Vater und (Ehe-)Partner geht.

Stefan Mantel ist Berater, Coach und Trainer für Führungskräfte. Er unterstützt sie dabei, beruflich erfolgreich und trotzdem pünktlich zum Abendbrot zu Hause zu sein und gut zwischen Führungskraft- und Vatersein umschalten zu können. Er lebt und arbeitet in Berlin. www.stefanmantel.com

 

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Anmerkungen und Nachweise   [ + ]

1. Zum Thema Rolle kannst Du auch diesen Blogbeitrag “Führen durch Rollenklarheit” nachlesen oder die Podcastfolge “Führungsstark durch Rollenklarheit

DMF 02 – Führungsstark durch Rollenklarheit

Wie siehst du deine Rolle?

Einen wichtigen Ansatzpunkt für dich als junge Führungskraft, die vom ersten Tag an gut durchstarten möchte, ist die Klarheit über die eigene Rolle.

Unter einer Rolle verstehen wir Erwartungen, die an den Inhaber einer Position gerichtet werden. In dem Moment, wo du als Führungskraft eingesetzt bist, haben deine Mitarbeiter auch bestimmte Erwartungen an dich. Sie leiten diese Erwartungen in erster Linie aus ihrer Sichtweise ab, wie jemand der als Führungskraft auftritt sein sollte.

Natürlich haben nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Rollenerwartungen. Auch deine Vorgesetzten, Kunden, Lieferanten, andere Abteilungen usw. richten an die Position die du bekleidest, bestimmte Erwartungen. Und da du der Inhaber dieser Position bist auch an dich.

Rollengestaltung

Nun könntest du dir vornehmen, alle diese Erwartungen zu erfüllen. Wenn du das allerdings so durchziehst, wirst du bald bemerken, dass es Rollenerwartungen gibt, die du gar nicht erfüllen möchtest oder die in sich widersprüchlich sind etc. Am Ende des Tages würdest du auch als eine Führungskraft enden, die keine klare Linie verfolgt und wenig durchsetzungsstark ist.

Rollendefinition

Ein guter erster Schritt ist einmal für dich zu definieren, was du persönlich mit der Rolle als Führungskraft verbindest. Hier fließen deine Werte, deine Überzeugungen, deine Ziele etc. ein. Es ist manchmal gar nicht so einfach, die eigene Rolle für einen selbst zu definieren. Es hilft oft, sich mit einem guten Freund oder einer guten Freundin darüber auszutauschen. Du solltest allerdings nicht den Fehler machen, deine eigene Rollendefinition nur von der Stellenbeschreibung abzuleiten. Deine Aufgaben sind naturgemäß nur ein Teil deiner Rolle. Hier geht es vielmehr darum, für dich klar zu bekommen, wie du diese Rolle ausführen möchtest und welches persönliche Gepräge du dieser Rolle geben möchtest.

Rollenerwartungen

Ein nächster Schritt ist, dass du dir über die unterschiedlichen Rollenerwartungen klar wirst. Erwartungen sind dabei

  • Hoffnungen und Wünsche anderer an dich
  • Informationen über den Blickwinkel, die Sichtweisen des Umfelds
    • zeigen dir, was vielleicht fehlt
    • sind Hinweise, woran du gemessen wirst
    • können widersprüchlich sein

Rollengestaltung

In einer idealen Welt sind deine eigene Rollendefinition und die Rollenerwartungen ident. Man spricht von Rollenstimmigkeit. Tatsächlich gibt es jedoch häufig:

  • Rollenunklarheit – die Erwartungen sind nicht geklärt
  • Rollenwiderspruch – mehrere Umfeldgruppen setzen in dich widersprechende Erwartungen
  • Rollenüberlastung – zu viele und zu hohe Erwartungen werden an dich gestellt
  • Rollenkonfusion – du hast zu viele unterschiedliche Rollen (Führungskraft, Projektleiter, Fachexperte) und das führt zu Konfusion

Rollenlandkarte

Ich empfehle dir, eine Rollenlandkarte zu erstellen. Damit gewinnst du Übersicht und hast einen Ausgangspunkt zum Handeln. Dazu solltest du dir die Umfeldgruppen mit denen du es in deiner Führung zu tun hast einmal notieren und formulieren, welche Erwartungen die einzelnen Gruppen an dich stellen. Auf dieser Landkarte, auf der du erkennen kannst, welche Umfeldgruppen auf dich wie Einfluss nehmen. Daraus lassen sich dann schon sehr weit reichende Schlüsse ziehen.

Du kannst Widersprüche entdecken, du wirst sehen wo es Unterstützung für dich gibt, du kannst auch erkennen wo unrealistische Erwartungen an dich gestellt werden etc. Mit dieser Landkarte „bewaffnet“ ist der nächste logische Schritt die eigene Rolle zu schärfen und sich zu positionieren.

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Führen durch Rollenklarheit

Bin ich eine gute Führungskraft?

Wenn Du neu die Position einer Führungskraft übernommen hast, ist es nur natürlich dass du dich fragst ob dein Plan, dein Konzept bzw. deine Vorstellungen von Führung auch die richtigen sind. Damit zeigst du bereits, dass du Führen als etwas verstehst, das mit großer Verantwortung verbunden ist. Du hast beispielsweise Verantwortung für die Unternehmensziele, für die Mitarbeiter, für das Klima im Unternehmen, für den Umgang mit den Kunden etc. Unser Blogartikel will auf einige Basisfähigkeiten einer Führungskraft eingehen.

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