Wage den Sprung und setze um mit dem Rubikon-Modell

von | 19:20

Das Rubikon-Modell der Handlungsphasen

„Alea jacta est!“ – „Der Würfel ist gefallen!“

Wer kennt diesen Ausspruch nicht.

Angeblich soll ihn Julius Cäsar geäußert haben, als er 49 v. Chr. mit etwa 5000 Mann den Rubikon überschritten hatte, um seiner Entmachtung zuvor zu kommen. Da diese Tat einer Kriegserklärung gegen Rom gleichkam, war Cäsar wohl bewusst, dass es danach kein Zurück mehr gab. Nun – Cäsar war erfolgreich und herrschte noch weitere 5 Jahre lang1)vgl. Wikipedia; Gaius Julius Cäsar.

Die Redewendung: „Er hat den Rubikon überschritten“ ist heute im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden. Damit möchte man ausdrücken, dass sich jemand für eine unwiderrufliche, riskante Handlung entschieden hat. Wer den Rubikon überschritten hat weiß, dass es ab diesem Zeitpunkt kein Zurück mehr gibt2)vgl. Wikipedia; Rubikon.

Der Motivationspsychologe Heinz Heckhausen hat gemeinsam mit Peter M. Gollwitzer das „Rubikonmodell der Handlungsphasen“ entwickelt, das untersucht, wie aus Absichten Taten werden.

Die Kenntnis des Rubikon-Modells und die Umsetzung der daraus ableitbaren Schlussfolgerungen hilft, Absichten umzusetzen. Aufschieben – Prokrastination – kann damit in vielen Fällen verhindert werden.

Die 4 Phasen im Rubikon-Modell

Stell dir einmal vor, du möchtest etwas für deine Fitness tun. Es stört dich, dass du einfach zu viel Gewicht hast. Auch dein Arzt hat bei der letzten Untersuchung gemeint, jetzt sei es wirklich hoch an der Zeit, etwas zu unternehmen.

Also, du merkst, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Du hast also den Wunsch nach Verbesserung deiner Fitness. Vielleicht hast du auch eine starke Vision, wie gut du dich fühlen wirst, wenn du erst einmal regelmäßig Sport getrieben hast.

Auf dem Weg vom Wunsch zur Zielrealisierung durchläuft man vier Phasen:

  • Abwägen
  • Planen
  • Handeln
  • Bewerten

In jeder dieser Phasen sind unterschiedliche psychologische und neuronale Prozesse wirksam.

Rubikonmodell

Übersicht über das Rubikonmodell

Phase des Abwägens

In Gedanken sammelst du nun einige Ideen, was du alles tun könntest: joggen, schwimmen, Rad fahren, wandern, Fitnessstudio besuchen, Gymnastik, Yoga usw. Auf dieser Stufe werden also eine große Anzahl von Wünschen und Anliegen produziert. Diese sind mit den Basismotiven: Beziehung, Leistung, Durchsetzung verbunden.

So ist zu erwarten, dass ein leistungsmotivierter Mensch wahrscheinlich mehr Ideen produziert, die in Richtung eigener Verbesserung gehen oder Konkurrenzaspekte beinhalten. In unserem Beispiel motiviert eine leistungsorientierte Person vielleicht die Vorstellung, in einen Laufclub einzutreten, der auch Wettbewerbe anbietet.

Beziehungsmotivierte Menschen produzieren eher Wünsche und Anliegen, die Begegnung mit anderen Zulassen. In unserem Beispiel ist das vielleicht das Wandern mit der Partnerin, bei der man sich austauschen kann.

Durchsetzungsmotivierte Menschen werden bevorzugt eine Tätigkeit wählen, bei der sie für etwas Verantwortung übernehmen oder anderen etwas beibringen können. Vielleicht organisieren diese Menschen eine Klettertour, die sie führen können.

Wie man auswählt

Die große Menge an Ideen können natürlich nicht alle realisiert werden. Es kommt zu einer Phase des Abwägens und Auswählens. Das geschieht in mehreren Richtungen.

  • Ist das Ziel für mich überhaupt wünschbar?
  • Habe ich die notwendigen Mittel (Ressourcen)?
  • Ist mein Wunsch, meine Idee überhaupt realisierbar?

Mit anderen Worten ist die Attraktivität eines Vorhabens von den Faktoren abhängig:

  • Bedeutung und Wünschbarkeit des Zieles für mich (Valenz) [V]
  • Erwartung, dass meine Bemühungen einen Beitrag zum angestrebten Ziel leisten [E]

Diese Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie von Vroom hilft, die Voraussetzungen aufzuklären, die gegeben sein müssen, damit ein Individuum überhaupt ein Ziel weiter verfolgt. Die Entscheidung für ein Ziel ist damit das Produkt von Valenz und Erwartung. Also Entscheidung=V*E

In unserem Beispiel werden also die Ideen mit den eigenen Motiven und auch mit der Erwartung der Zielerreichung abgeglichen. Dabei spielen Vorerfahrungen eine wichtige Rolle. Wenn jemand z.B. schon früher regelmäßig gejoggt hat, aber das Körpergewicht gleichgeblieben ist, wird er die Erwartung an diese Tätigkeit niedrig ansetzen und sie daher aus den Überlegungen ausscheiden.

Über den Rubikon gehen

Damit du allerdings wirklich ins Tun kommst genügt es nicht, über alle möglichen Ideen zu grübeln oder sich eine Menge an Alternativen auszumalen. Tatsächlich liegt in der Abwägephase auch eine gewisse Gefahr: sich in Träumen und Ideen zu verlieren. Wer zu einer Idee oder Vorstellung ergänzende Informationen benötigt, der bekommt sie einfach via Smartphone oder Laptop in Sekunden geliefert. Was Bill Gates 1995 noch als Vision formuliert hat, nämlich „information at your fingertips3)vgl. Comdex Keynote von Bill Gates“ zu erhalten, ist heute schon längst Realität.

Wenn aber einmal der Zugang immer neuer Information leicht gegeben ist, steigt die Tendenz des Abdriftens in immer neue Ideen und Möglichkeitsräume exponentiell.Ich kenne viele hochmotivierte und begabte Menschen, die vor Ideen sprühen, aber nur wenig davon realisieren – gerade weil sie sich nicht fokussieren können, sondern nur mit dem Aufnehmen beschäftigt sind.

Alles kommt darauf an, dass Wünsche und Träume in konkrete Ziele umgewandelt werden. Das bezeichnet man als das Überschreiten des Rubikons. Ein klares Ziel beendet das Abwägen.

Was geschieht psychologisch bei diesem Vorgang?

Während in der Abwägephase unser Selbstsystem extrem aktiv wird, ruft ein klares Ziel die exekutiven Zentren in unserem Gehirn auf. Der Organismus wird auf „Go“ gestellt und die Realisierung kann in Angriff genommen werden. Ein verbindliches Ziel erwirbt einen starken Verbindlichkeitscharakter, und man fühlt sich verpflichtet, das Ziel auch tatsächlich anzustreben.

Wenn du einmal aufmerksam dich selbst beobachtest, dann kannst du in vielen Alltagssituationen diesen Prozess wahrnehmen. Bevor du dich zu einer Aktivität entschließt, gibt es eine mehr oder weniger deutlich fühlbare Abwägephase.

Phase der Planung

Es wird dir nicht unbekannt sein, dass für viele Ziele und Vorhaben, die du anstrebst, längere Planung notwendig ist. Wahrscheinlich verhält es sich mit der Mehrzahl der Vorhaben so, dass das Vorhaben nicht spontan umgesetzt werden kann, sondern die Mittel und Wege klug bedacht werden müssen. Mit anderen Worten: bevor du dein neu gebildetes Ziel in Angriff nehmen kannst, musst du dir überlegen, welche Handlungen zum Ziel führen. Auch die Reihenfolge der Handlungen ist oftmals entscheidend für die Zielerreichung.

In der Planungsphase wird vor allem der präfrontale Cortex – das Hirngebiet, das für die Aufrechterhaltung von Absichten zuständig ist – besonders aktiv. Diesen Teil bezeichnet man auch als Absichtsgedächtnis. Seine Aufgabe ist es, Vorhaben und Intentionen zu speichern – und zwar so lange, bis es eine Gelegenheit gibt, das Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Beispielsweise wenn du in einer Diskussion mit dem Team bist und deine Meinung kundtun möchtest, eine andere Person jedoch am Wort ist. Im Allgemeinen wirst du nicht einfach unterbrechen, sondern warten, bis eine Gesprächspause entsteht, in der du dann das Wort ergreifen kannst. Dies ist ein einfaches Beispiel dafür, wie eine Absicht in eine Handlung übergeführt wird.

Phase der Handlung

Wenn ein Plan umgesetzt werden soll bedeutet das für dich:

  • Handlungsoptionen zu erkennen
  • Hartnäckig das Ziel zu verfolgen
  • Auftretende Schwierigkeiten zu bewältigen

Ein gut ausgebildetes Absichtsgedächtnis hilft dir dabei. Es unterstützt dich beim hartnäckigen Dranbleiben und bei der Bewältigung von Rückschlägen.

Allerdings ist in der Handlungsphase auch noch ein anderes System in unserem Gehirn aktiv: die intuitive Verhaltenssteuerung. Dieses System stellt dir Handlungsroutinen bereit, um rasch und zuverlässig handeln zu können. Studien von Julius Kuhl haben gezeigt, dass dieses System besonders gut arbeitet, wenn man in einer positiven Stimmung ist.

Um also möglichst erfolgreich und zielstrebig zu handeln, ist es wichtig, dass Absichtsgedächtnis und intuitive Verhaltenssteuerung gut miteinander kooperieren. Typischerweise ist das Planen einer Handlung selten mit positiven Emotionen verknüpft. Es herrscht meist eine sachliche, nüchterne Stimmung vor. Das ist auch leicht nachvollziehbar:  wenn dein Ziel, dein Traum, dein Wunsch deutlich vor dir steht, dann möchtest du bestimmt gleich loslegen, Stellst du nun fest, dass es noch viele Schritte braucht, um zum Ziel zu kommen, kann das dir auch schon einmal die Lust nehmen. Alles kommt darauf an, die Planungsphase als „notwendiges Übel“ zu betrachten und im entscheidenden Moment positive Emotionen wie Freude oder Begeisterung aufzurufen, damit du wirklich loslegen kannst4)Zu den genannten Hirnsystemen lese auch den Beitrag: „Die Geheimnisse deiner Psyche – entschlüsselt.

Phase der Bewertung

In dieser Phase steht die Auswertung im Vordergrund. Die Ergebnisse werden mit den am Anfang gesteckten Zielen verglichen. Typische Fragen in dieser Phase sind:

  • Wie gut wurde das Ziel erreicht?
  • Sind die erhofften positiven Konsequenzen meines Handelns auch wirklich eingetroffen?
  • Ist die Absicht, die das Handeln notwendig machte, zur Gänze erledigt?
  • Wenn das Ziel nicht erreicht wurde: müssen andere Mittel zur Zielerreichung eingesetzt werden oder wird das Ziel zur Gänze fallen gelassen?

Handlungskreislauf Rubikon

Handlungskreislauf

Das Zusammenspiel der einzelnen Phasen siehst du in dieser Übersicht:

Tipps – so zündest du den Umsetzungsturbo

  • Gönne dir Zeit zur Entwicklung deiner Ideen!
  • Ideen gedeihen in einer ruhigen und entspannten Umgebung.
  • Entwickle Ideen in Kommunikation mit anderen
  • Nutze auch kreative Zugänge um deine Kreativität anzuzapfen
  • Lasse dich von anderen inspirieren
  • Versuche nicht, sofort die „richtige“ Idee zu finden.
  • Bewerte deine Ideen nach deinem Engagement. Wofür brennst du?
  • Wenn du die Idee gefunden hast, dann verpflichte dich dazu.
  • Schreibe dir dein Vorhaben auf.
  • Mache dir einen Plan.
  • Widerstehe der Versuchung, zu viel zu planen. Eine ungefähre Richtung ist manchmal sinnvoller als zu viel Zeit in die Details zu investieren.
  • Fange einfach an!
  • Belohne dich, wenn du Teilschritte bzw. Meilensteine erreicht hast.
  • Verstehe Misserfolge als wertvolle Feedback um noch besser zu werden.
  • Suche den Austausch mit anderen oder investiere in einen Coach.

Wie geht es weiter?

Es gibt ein wissenschaftliches Testverfahren, mit dem du deine Stärken und Schwächen in der Handlungssteuerung im Detail herausfinden kannst. Dazu machst du einen einfachen Onlinetest, der an der Universität Osnabrück entwickelt wurde. Der Test dauert ca. 20 Minuten. Du erhältst ein detailliertes Testergbenis mit konkreten Ansatzpunkten zur Verbesserung. Dazu gibt es ein 45-minütiges Rückmeldegespräch per Skype.

Du kannst diesen Test gleich hier buchen!

Gerne kannst du auch in den Kommentaren deine Fragen posten – ich beantworte sie gerne!

Anmerkungen und Nachweise   [ + ]

1. vgl. Wikipedia; Gaius Julius Cäsar
2. vgl. Wikipedia; Rubikon
3. vgl. Comdex Keynote von Bill Gates
4. Zu den genannten Hirnsystemen lese auch den Beitrag: „Die Geheimnisse deiner Psyche – entschlüsselt
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