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Bringe Ordnung in dein Leben – werde produktiv!

Bringe Ordnung in dein Leben – werde produktiv!

Warum dir Ordnung hilft, wirklich produktiv zu sein

“Ordnung ist das halbe Leben”

Viele Menschen zucken bei diesem Spruch zusammen. Klingt er doch nach Ödnis und Freudlosigkeit.

Als Kind habe ich diesen Spruch auch oft gehört. Und es hat lange gebraucht, bis ich ihn verstanden habe.

Was ich lange nicht verstand:  mit Ordnung ist weniger ein starres Prinzip gemeint, nach dem Sachen geordnet sind. Viel mehr kommt es darauf an, eine Umgebung zu schaffen, in der sinn-volles Arbeiten möglich ist. Und die Betonung liegt auf dem Wort “Sinn”: wer in einem Chaos lebt, der verliert die Übersicht und verliert nach und nach die Kontrolle. Dabei sollte es so sein, dass das was für einen wesentlich ist, auf einen Blick erkennbar ist und nicht unter einem Berg von Irrelevanz verschwindet!

Das Schlüsselwort heißt: Fokussierung.

Unsere Umwelt bombardiert uns täglich mit so vielen Reizen, dass unser Gehirn eine ganze Menge zu tun hat, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Denn genau das tut das Gehirn: es entscheidet, ob ein Input der hereinkommt, unsere Aufmerksamkeit braucht oder nicht. Du kannst dir leicht vorstellen, dass man dem Gehirn seine Arbeit sehr erschwert, wenn man es zulässt, dass andauernd irrelevante Information hereinkommt.

Mit anderen Worten: geistige Produktivität entsteht da, wo nur wenige Dinge deine Aufmerksamkeit beanspruchen. Reduziere konsequent Ablenkungen.

Steuere deine Aufmerksamkeit!

Ordnung durch Fokussierung

Ordnung hilft dir, den Fokus zu finden!

Ablenkungen entstehen grob gesagt aus zwei Quellen:

  • Aus dir selbst heraus. Du bist innerlich abgelenkt. Es beschäftigen dich Gedanken, Sorgen, wichtige Vorhaben etc.
  • Von außen. Du wirst durch externe Reize (Objekte) abgelenkt. Das sind alle Arten von Störquellen, die dich aus deiner Konzentration herausreißen (Emails, Telefonate, Kollegen, Unordnung etc.).

Innerliche Ablenkungen zu unterbinden ist etwas komplexer. Daher fange einfach einmal damit an, die äußeren Ablenker zu eliminieren und mehr Ordnung in dein Umfeld zu bringen[1]vgl. das interessante Interview mit Tiki Küstenmacher in der Zeit “Wider das Chaos in der Seele“.. In einem späteren Beitrag widme ich mich den inneren Ablenkern – du kannst jedoch hier bereits wertvolle Hinweise zu diesem Thema erhalten.

Ordnung in die Emails bringen

Jetzt ist die beste Gelegenheit, die Handhabung der Emails einer gründlichen Revision zu unterziehen. Das Ziel muss sein, eine leere Inbox zu haben. Wenn du eine Inbox hast, die mit hunderten Emails vollgestopft ist, führt das nur zur Ablenkung bzw. latenter Beunruhigung.

Um deine Inbox zu leeren, musst du dir ein Schema zurechtlegen, mit dem du Informationen beurteilst. Dieses Schema gilt nicht nur für Emails, sondern auch für jede andere Information, die dich erreicht.

Emails können sein:

  1. Unnütz – das sind Informationen, die keine Relevanz besitzen. Diese werden gelöscht
  2. Referenz – das sind Informationen, die du später einmal brauchst. Diese werden abgelegt (z.B. in einem Projekt oder in einen Ordner). Ich empfehle dir, diese Emails nicht in Ordnern anzulegen, sondern zu kategorisieren. Jedes gute Emailprogramm kann das. Überlege dir also sinnvolle Kategorien (z.B. Projekte, Finanzen, Angebote, Kunden etc.)
  3. Aufgaben – die Email erfordert eine Aktion. Wenn du diese Aktion gleich erledigen kannst, dann erledige sie. Ist die Aufgabe umfangreicher, dann erstelle eine Aufgabe (das ist in Outlook ganz einfach mit ziehen bei gedrückter rechter Maustaste möglich).
  4. Aufgabe mit Ressource – die Email kann prinzipiell erledigt werden; allerdings ist eine Ressource notwendig (z.B. brauchst du die Auskunft eines Kollegen, der aber im Moment nicht anwesend ist).

Gehe nun mit deinen Emails wie folgt vor:

  1. Lege dir einen Ordner “Erledigt” an. In diesen Ordner kommen alle Emails (außer den gelöschten), mit denen du etwas getan hast.
  2. Gehe nun die Emails durch und entscheide sofort: löschen – referenzieren – Aufgabe erledigen – Aufgabe erstellen.
  3. Nachdem du die Email entsprechend bearbeitet hast, verschiebst du sie in den Ordner “Erledigt”.

Wenn du diese Prozedur durchgeführt hast, sind nur die Emails in der Inbox, für deren Erledigung du eine zusätzliche Ressource benötigst.

Ordnung durch sinnvollen Email-Workflow

So organisierst du dir deine Emails…

Am Ende das Arbeitstages ist deine Inbox leer. Sollten sich noch Emails darin befinden, dann mache daraus eine Aufgabe.

Hast du es bis hierher geschafft?

Großartig!

Ordnung in dein Umfeld bringen

Mache dir klar, dass dein Arbeitsumfeld einen erheblichen Einfluss auf deine Produktivität hat. Wenn du einen Schreibtisch hast, der übersät ist mit Papieren, Ordnern, Büchern, Artikeln usw. dann sieht das zwar nach viel Arbeit aus – lenkt dich jedoch im Grunde ab!

Du brauchst ein aufgeräumtes Umfeld um konzentriert tätig zu sein!

Unterstütze also dein Gehirn dabei, sich auf eine Sache zu fokussieren, indem du Ablenkungen unterbindest.

Wie gehst du nun dabei vor?

Aufräumen

Ich weiß – aufräumen ist nicht besonders verlockend. Bereits in Kindertagen war es eine Tätigkeit, deren Sinn man selten eingesehen hat und das mit viel Abwehr verbunden war. Klar, aus der Perspektive eines Kindes macht aufräumen überhaupt keinen Sinn, Das Lego im Zimmer, die Autos und die Puppen liegen nicht “zufällig” herum, sondern sind Bestandteil einer Spielwelt.

Nun ist das Büro allerdings kein Kinderzimmer, sondern ein Ort der Produktivität. Und die stellt sich nun mal nicht gut ein, wenn das Gehirn keine Struktur erkennen kann, sondern sich in einem Chaos stets neu zurechtfinden muss,

Chaos statt Ordnung - Image by © David Pollack/CORBIS

Wer soll sich in diesem Chaos zurechtfinden?

Ich höre allerdings schon das Argument. “Aber ich finde mich in meinen Bergen von Papieren immer gut zurecht. Ich finde auf Anhieb, was ich suche!” Diesen Satz bezweifle ich vehement. In meinen Seminaren und Coachings gestehen mir diese “Bürokünstler” immer wieder, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist. Denn wenn diese Künstler dann einmal ein Papier nicht “auf Anhieb” finden, dann geht die Sucherei erst recht wieder los….

Also: mach Ordnung!

Im Grunde sind die Prinzipien wieder gleich wie oben bei den Emails beschrieben. Auch die Papiere, Dokumente, Bücher etc. sind Informationen. Diese kannst du wieder bewerten nach:

  1. Unnütz – Wegschmeißen oder verschenken.
  2. Ablage Referenz – diese Informationen werden irgendwann benötigt und finden Platz in einer besonderen Ablage.
  3. Ablage Projekte – diese Informationen werden Projekten zugeordnet.
  4. Delegieren – diese Informationen werden anderen zugeleitet.
  5. Aufgaben dringend – eine Ablage, für Aufgaben, die innerhalb von 1-2 Tagen zu erledigen sind.
  6. Aufgaben allgemein – lege diese Schriftstücke in eine andere Ablage. Ideal sind Wiedervorlagemappen. Dadurch kannst du gleich eine Vorsortierung nach Datum bewerkstelligen.
  7. Lektüre – alles, was du lesen möchtest.
  8. Technik/IT – Betriebsanleitungen, Handbücher, Workarounds etc.

Und nun lege los!

Räume ALLE Papiere, Dokumente, Gegenstände von deinen Tischen ab. Du hast richtig gehört! Alles kommt auf den Boden. Und nun beseitige dieses Chaos, indem du alles in die oben genannten 8 Kategorien vorsortierst. Dann gehst du an die Feinarbeit, indem du alle Informationen entsprechend sortierst.

Ablageplan

Natürlich kann ich dir keinen Ablageplan erstellen. Dazu müsste ich dein Arbeitsumfeld kennen. Mache dir aber bewusst: Ablage ist kein Selbstzweck, sondern eine Hilfe, um etwas finden!

Um etwas finden zu können, brauchst du eine Struktur.

So eine Struktur könnte wie folgt aussehen:

  1. Laufende Projekte
  2. Abgeschlossene Projekte (Archiv)
  3. Mitarbeiter (delegieren)
  4. Kunden
  5. Verwaltung
  6. Finanzen
  7. Besprechungen
  8. Reiseunterlagen

Nimm einmal diese Struktur als Ausgangspunkt und passe dann an. Du kannst diese Begriffe noch durch Unterbegriffe weiter aufgliedern. So könnte man die Finanzen in: Rechnungen – Bank -Steuer unterteilen. Aber: mache es dir nicht zu kompliziert!

Nur wenige Ordner – besser: Mappensysteme

Viele machen den Fehler, dass sie versuchen, ihre Ablage mit Ordnern zu organisieren. Solche Ordner solltest du nur für Informationen einsetzen, die du nicht oft benötigst. Ein gutes Beispiel ist sind Steuerunterlagen. Diese werden in einem Ordner gesammelt – verbunden mit der Hoffnung, dass man den Ordner nicht mehr braucht (sonst hat man eine Steuerprüfung ;-)).

Ich empfehle dir. mit Mappensystemen zu arbeiten. Die Firma Classei zum Beispiel bietet ganz einfach zu handhabende Systeme an. Das Prinzip ist einfach: jede Information kommt in eine Mappe. Diese Mappe wird mit einem Reiter beschriftet und in eine Plastikbox eingestellt. So hast du jede Information bereits kategorisiert und im Zugriff und es herrscht Ordnung!

Ordnung mit Orgamappen

Systeme mit Orgamappen sind die beste Art, Ordnung zu schaffen

Ordnung in die PC-Ablage bringen

Die PC-Ablage sollte prinzipiell wie die Papierablage organisiert sein. Allerdings rate ich dir, dass du dich von dem Denken befreist, Informationen am PC dadurch zu finden, indem du in Ordner hineinschaust. Jedes Betriebssystem ist in der Lage, nach Informationen zu suchen. Also: lass den Computer die Arbeit tun! Dazu musst du dich vielleicht mit den Suchmöglichkeiten vertraut machen. Eine wertvolle Zeitinvestition!

Du kannst dir das Leben noch leichter machen, indem du dir angewöhnst, Dateien mit einer Kategorie zu versehen. Das Programm “Tabbles” beispielsweise gestattet es dir, virtuelle Ordner zu erstellen und Dateien dort abzulegen. Das ist besonders praktisch, wenn man dieselbe Information mehrmals benötigt. So stelle ich mir zum Beispiel meine Dateien für meine Seminare aus einem Dokumentenpool zusammen. Bequem mit “Drag and Drop”, Einfacher geht es nicht! Die Mehrfachablage von Dateien gehört der Vergangenheit an.

Auch Emails lassen sich in Outlook kategorisieren und dann mittels Suchfunktion bequem wieder auffinden. Also brauchst du in Outlook eigentlich gar nicht mehr so viele Ordner.

Ordnung im weiteren Umfeld

Wenn du bis hierher Ordnung gemacht hast, dann hast du einen gewaltigen Schritt getan. Nun kannst du noch daran gehen, auch die anderen Orte zu ordnen, wo sich Dinge und Informationen ansammeln. Beispiele: Bücher, Zeitschriften, CD’s, Notizbücher usw. Alles das kannst du kritisch durchgehen und dich fragen: ist das noch notwendig? Ist es für etwas nützlich? Wenn nicht: dann trenne dich davon! Das schafft Platz für Neues! Wer sich mit dem wegwerfen (oder weggeben) schwer tut, der kann die Methode der 3 Kisten anwenden:

  • Kiste 1 für alle Sachen, die du  wegwerfen willst
  • Kiste 2 für alle Sachen, die du behalten willst
  • Kiste 3 für alle Sachen, die weder in Kiste 1 noch in Kiste 2 passen – vielleicht brauchbar.
    Verschließe nach der Ordnungsaktion diese Kiste, schreibe das heutige Datum darauf und deponiere sie an einem anderen Ort. Lege eine Zeit fest, in der du für diese Kiste noch  Zugriff haben möchtest (zum Beispiel ein halbes Jahr). Wenn du in diesem Zeitraum die Kiste nicht geöffnet hast, dann wirf sie am festgesetzten Datum weg.

Zur Ordnung im weiteren Umfeld gehören auch Social Media, Newsletter, Abos, Mitgliedschaften, Onlinespiele usw. Was davon benötigst du wirklich? Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit willst du diesen Aktivitäten wirklich schenken? Was ist dein Gewinn? Bringt es dich wirklich weiter oder sind es nur schlechte Gewohnheiten, Zerstreuungen und Ablenker?

Letzten Endes kommt es darauf an, dass du in Kontakt mit dir selbst bist und bleibst.

Dazu verhelfen dir: Fokussierung, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Ordnung? Schreibe das doch gleich in die Kommentare – so können alle profitieren!

Mach doch was Du willst! Mit diesen Tipps Dein Leben erfolgreich gestalten...

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Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1vgl. das interessante Interview mit Tiki Küstenmacher in der Zeit “Wider das Chaos in der Seele“.

Komplexität meistern mit dem Cynefin-Framework

Komplexität meistern mit dem Cynefin-Framework

Das Cynefin-Framework

Das Cynefin-Framework kann eine Hilfe sein, um der Komplexitätsfalle zu entgehen. In diese gerät man leicht, wenn man als Manager oder Mangerin auf “biegen und brechen” versucht, komplexe Situationen in den Griff zu bekommen. Und dass es heute in Unternehemen herausfordernd zugeht, ist eine Binsenweisheit.

Meine These: die komplexen Herausforderungen in denen Führungskräfte stehen, fordern bis an die Grenze des individuell Möglichen.

Dass Manager ihre Tätigkeit zunehmend als schwierig und belastend einstufen ist nicht überraschend. So zeigt der Hernstein Management Report 2017 auf, dass 37% der Manager ein häufiges Stressgefühl erleben[1]https://www.hernstein.at/newsroom/management-insights/burn-out-ausgeglichene-work-life-balance-und-resilienz-als-antwort/. Jede 4. Führungskraft schließt für sich selbst die Gefahr eines Burn-Outs nicht aus.

Das Cynefin-Framework bietet die Möglichkeit, Situationen im Management besser einzuordnen und das eigene Verhalten darauf abzustimmen.

Mehr Ruhe und Übersicht kommt dadurch in das Management.

Komplexität durch Digitalisierung

Die drastischen Veränderungen durch die Digitalisierung haben neue Möglichkeiten der weltweiten Zusammenarbeit ermöglicht. Produktion rund um die Uhr, in nahezu allen Erdteilen und über unterschiedliche Kulturen hinweg ist heute zunehmend die Regel. Ein solches weltumspannendes Unternehmen ähnelt kaum mehr einem Betrieb im 20. Jahrhundert, der einige wenige Standorte hatte und wo der „Generaldirektor“ noch alles regelte.

Heute ähneln Unternehmen weit mehr sich selbst steuernden Organismen, die als schwer durchschaubare, komplexe Gebilde erscheinen. Das liegt zu einem erheblichen Teil an dem hohen Grad an Vernetztheit und den damit einhergehenden unvorhersehbaren Wechselwirkungen. Für MitarbeiterInnen und Führungskräfte ist die Sinnhaftigkeit vieler Unternehmensprozesse und Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar.

Unsicherheit und Ängste entstehen, die durch die lockeren Bindungen, die in modernen Unternehmen herrschen, kaum noch aufgefangen werden können.

Übrigens gibt es das Gefühl an zunehmender Verunsicherung (VUCA-Welt[2]https://www.heisetraining.at/entscheidungen-treffen-in-der-vuca-welt/) auch für Einzelunternehmer. Vielleicht wiegt für diese das Gefühl der Verunsicherung noch schwerer, wenn der Austausch mit ähnlich empfindenden „Leidensgenossen“ fehlt.

Wie kannst du nun in einer komplexen Welt als Führungskraft bestmöglich agieren?

Dazu gibt das Cynefin Modell einige Ansatzpunkte.

Das Cynefin-Framework

Das Modell wurde von Dave Snowden [*1954] entwickelt. Das Wort „Cynefin“ kommt aus dem walisischen und kann mit „Lebensraum“ oder „Platz“ übersetzen[3]zur Bedeutung siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Cynefin-Framework . Daher ist der Aspekt des Wohnens bzw. des Ortes in dem man sich aufhält wichtig, um den Ansatz zu verstehen.

Im Cynefin-Framework gibt es vier Zustände, die ein System annehmen kann:

  • Einfach
  • Kompliziert
  • Komplex
  • Chaotisch

Einfache Systeme

Einfach ist ein System dann, wenn ein eindeutiger Ursache-Wirkungszusammenhang besteht. Wir nehmen ein Ereignis wahr und können fragen: „Was ist die Ursache dafür?“
Ein Beispiel: Du schaltest eine elektrische Lampe ein – aber der Raum bleibt dunkel. Nun wirst du kaum nach einer übernatürlichen Erklärung suchen, sondern davon ausgehen, dass die Glühbirne ihren Geist aufgegeben hat. Also flugs eine neue Birne reingeschraubt und die Sache ist geritzt.

Solche Vorgangsweisen – also zuerst einmal zu versuchen die Glühbirne zu tauschen – sind bewährte Methoden oder „Best Practice“-Modelle.  Sie funktionieren nach dem Prinzip, das Problem zu beobachten, akkurat zu beschreiben und dann zu kategorisieren.  Dann wird man auf das Problem antworten.

Das funktioniert deshalb, weil wir für eine Vielzahl an Problemen bereits genug Wissen haben, wie die Lösung auszusehen hat. Wir müssen also für einfache Probleme nicht immer wieder bei Null anfangen, sondern können uns auf bewährte Vorgangsweisen verlassen. Man bezeichnet das auch als Best Practice. Bewährte Vorgangsweisen zur Problemlösung können in Checklisten und Handbüchern zusammengefasst werden.

Als Führungskraft wirst du danach trachten, Best practice Lösungen für bekannte Probleme zu sammeln und als verbindliche Standards deinen Mitarbeitenden zur Verfügung zu stellen.

Komplizierte Systeme

Kompliziert sind Systeme dann, wenn es mehrere Ursachen geben kann. Auch in komplizierten Systemen gibt es Ursache-Wirkungszusammenhänge – jedoch sind diese nicht auf den ersten Blick erkennbar. Hier steht auch an erster Stelle das Problem zu beobachten. In diesen Erkenntnisprozess fließt jedoch bereits ein, dass es sich nicht um ein „einfaches“ Problem handelt, sondern um eine komplizierte Angelegenheit. Hier ist es notwendig, zu analysieren und dann aus den vielen möglichen Strategien mit jener zu antworten, die am meisten Erfolg verspricht. Das nennt man auch Good Practice. Ein Beispiel ist das Auto: wenn eine Fehlfunktion vorliegt, kann der durchschnittliche Autofahrer meist keine Lösung finden. Er muss sich an eine Werkstätte wenden, bei der das Problem analysiert und die beste Lösung gefunden wird.

Komplizierte Kontexte sind die Domäne von Experten oder Fachleuten. Sie wissen über viele mögliche Ursache-Wirkungsbeziehungen Bescheid und verfügen über Methoden, diese darzustellen. Als Führungskraft tust du gut daran, für komplizierte Probleme Experten und Fachleute mit Analysen zu beauftragen. Daraus wird ein Maßnahmenplan entwickelt, der dann umgesetzt wird. Wichtig ist jedoch zu akzeptieren, dass es keine „Best Practice“ Lösung geben wird. Eine taugliche, praktikable und gute Lösung muss ausreichend sein.

Komplexe Systeme

Komplex sind Systeme dann, wenn Ursache-Wirkungs-Beziehungen nur im Nachhinein beurteilt werden können. Der Grund liegt darin, dass in komplexen Systemen eine Vielzahl von Systemelementen miteinander interagieren. Das System ist sehr dynamisch. Eine kleine Änderung kann eine große Wirkung entfalten. Welche Wirkungen das genau sind, kann nur sehr bedingt vorhergesagt werden. Einmal gefundene Problemlösungen für ein spezifisches Problem können daher nur schlecht auf einen anderen Fall übertragen werden. Daher sind komplexe Systeme auch nur bedingt steuerbar – aber trotzdem kann das Management steuernden Einfluss nehmen. Ein wichtiges Merkmal komplexer Systeme ist, dass es beschreibbare Muster gibt.

So ist das Verhalten von Menschen in einem Team ein schönes Beispiel für ein komplexes System. Die Interaktionen in diesem Team sind zwar nicht mit Sicherheit vorhersehbar, jedoch kannst du von außen beobachten, wie die Teammitglieder miteinander umgehen. Also etwa wer am meisten spricht, wie Problemen gelöst werden, wie das Stressverhalten ist etc.

Komplexität im Management

Die meisten Situationen im Management sind komplexer Natur. Schlechte Quartalszahlen, eine Veränderung im Management, Preisentwicklung, Verkäufe von Unternehmensteilen, Fusionen etc. sind Ereignisse, die mit Veränderung, Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit einhergehen. Keine gute Idee ist es, Komplexität reduzieren zu wollen. Ein komplexes System kannst du im Unterschied zu komplizierten Systeme nicht in seine „Einzelteile“ zerlegen. Es ist mehr als die Summe seiner Teile. Alle Teile interagieren in einer besonderen Art und Weise. Einfach etwas wegzulassen führt nicht zur Beherrschbarkeit des Systemes, sondern zu neuen unvorhersehbaren Reaktionen.

Die besondere Art und Weise des Umgangs miteinander ist ein bestimmtes Antwortmuster, das sichtbar wird. Man spricht im Cynefin-Framework auch von „emergentem Wissen“. Damit wird ausgedrückt, dass das System eine adäquate Antwort gibt, wenn es „getestet“ wird. Daher ist es notwendig in komplexen System die Schritte: probierenbeobachtenreagieren immer wieder zu durchlaufen. Die Idee ist, dass sich durch dieses Management-Verhalten eine adäquate Antwort auf die Problemstellung finden wird.

Überflüssig zu erwähnen, dass probierendes Managen natürlich eine hohe Sensibilität für die Situation im Hier-und-Jetzt erfordert. Was sich in diesem probierenden Prozess bewährt, wird beibehalten – unpassende Lösungsansätze ausgeschieden. Durch diesen Prozess verändert sich das System jedoch auch und strukturiert sich neu.

Chaotische Systeme

Chaotische Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass es gar keine Ursache-Wirkung-Beziehungen mehr gibt. Nehmen wir als Beispiel eine Naturkatastrophe. Eine Lawine ist abgegangen – viele Menschen wurden verschüttet. Das Ereignis berührt viele Ebenen: Wie gewinnt man ein zutreffendes Gesamtbild? Welches Ausmaß hat das Ereignis? Wie viele Personen sind verschüttet und wo? Wie können Hilfskräfte herangeführt werden? Sind noch weitere Lawinenabgänge zu erwarten? Wer gestaltet die Informationspolitik?…

Was in dieser chaotischen Situation fehlt, ist Ordnung. Hier gilt die Devise: handelnbeobachtenreagieren. Notwendige Verfahren und Prozesse können hilfreich sein – allerdings bleibt es eine offene Frage, ob die eingesetzten Verfahren zum Erfolg führen.

Wofür das Cynefin-Framework nutzen?

Das Cynefin-Framework kannst du als Diagnoseinstrument benutzen. Finde bei aktuellen Problemen heraus, um welche Cynefin-Domäne es sich handelt.

Das Cynefin-Framework ist auch gut geeignet, um dich selbst einzuschätzen. In welcher Domäne fühlst du dich besonders wohl?

Versuche auch, das Cynefin-Framework als Prozess zu verstehen. Systeme sind nicht statisch. Und aus komplexen Systemen entstehen in vielen Fällen komplizierte Teilsysteme, die dann wieder gut zu managen sind.

Wenn du als Führungskraft Erfolg haben willst kommt es darauf an, dass du lernst, mit Komplexität umzugehen. Das bedeutet in erster Linie eine Änderung der Haltung. Komplexität wirst du niemals beherrschen können – du bist eingeladen, dich zu öffnen und Komplexität zuzulassen. Eine Portion Mut und Risikobereitschaft gehört dazu, um experimentierend mit Komplexität umzugehen. Schließlich eröffnet dir eine gesunde Neugier, Selbstvertrauen und Gelassenheit die Chance, auf komplexe Fragen hilfreiche Antworten zu finden.

Hier als Podcast-Episode nachhören

Komplexität meistern mit Cynefin

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

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Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt

Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt

Entscheidungen und Führung gehören zusammen

Klaus ist Leiter eines kleinen Unternehmens, das eine innovative App entwickelt hat. Das Team arbeitet ausgezeichnet zusammen. Mehrere Interessenten haben sich schon gemeldet, um das kleine Unternehmen zu kaufen. Die angebotene Summe ist für Klaus sehr verlockend – aber er wäre dann auf einen Schlag sein Unternehmen los. Soll Klaus sein Unternehmen, auf das er so stolz ist, aufgeben? Und was wird sein Team dazu sagen? Die wären mit einem Schlag ihre Arbeitsplätze los….

Manuela ist eine der Vorstandsdirektorinnen in einem Logistikunternehmen. Die Konkurrenz ist hart – besonders durch ausländische Dienstleister, die den Wettbewerb verschärfen. Nun steht sie vor der Frage, ob das Unternehmen vermehrt in die Entwicklung von All-In-One-Lösungen investieren soll. Dazu müssten erhebliche Geldmittel investiert werden, um Lösungen zu entwickeln. Im letzten Strategiemeeting wurden die Chancen als durchwachsen eingestuft, da man die weitere Entwicklung auf dem Logistiksektor schwer abschätzen kann. Wie soll sie sich entscheiden?

Diese und viele ähnliche Fälle zeigen einen wichtigen Aspekt von Führung: Entscheidungen treffen.

Entscheidungen als Grundphänomen des Mensch-Seins

Entscheidungen zu treffen ist jedoch nicht nur eine Domäne von Führungskräften. Tatsächlich ist unsere ganze menschliche Existenz auf Entscheidungen gegründet. Das liegt daran, dass wir als Menschen prinzipiell “in die Freiheit gestellt” sind, wie dies Martin Heidegger ausdrückt[1]Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1979 (1927).. Zwar ist nicht all unser Handeln immer und in jedem Augenblick frei – jedoch zeigt sich unsere Freiheit gerade dann, wenn wir vor Entscheidungen gestellt sind.

Soll ich diese oder jene Berufsausbildung machen?

Ist es für mich sinnvoll, ein Haus im Grünen zu erwerben?

Ist es wichtiger, einen Abend mit der Familie zu verbringen oder soll ich besser an meinem Projekt arbeiten?

Diese Fragen mögen alle recht banal sein – sie können jedoch erhebliche Konsequenzen haben: für mich persönlich und für andere. Gerade die Frage der Konsequenzen einer Entscheidung machen ja Entscheidungen oftmals schwer.

Entscheidungsfalle: “richtige” Entscheidungen finden

Was geschieht eigentlich genau bei Entscheidungen?

Gehe einmal in Gedanken in eine Entscheidungssituation. Wenn du versuchst zu beschreiben, wie der Prozess der Entscheidung abläuft, wirst du bemerken, dass du bei vielen Entscheidungen zunächst einmal in Gedanken die Zukunft vorweg nimmst. Martin Heidegger drückt die so aus, dass wir als Menschen auf Zukunft bezogen sind und in diese Zukunft gewissermaßen “vorlaufen”. In diesem gedanklichen Vorlaufen werden Möglichkeiten des Sein-Könnens erschlossen und dann gewählt.

Indem man als Mensch diese Wahl trifft, entscheidet man sich für eine mögliche Zukunft. Erst indem man diese Zukunft dann lebt, stellt sich heraus, ob die Wahl die “richtige” war.

Wir würden als Menschen natürlich allzu gerne wissen, was nach dieser Entscheidung kommt. Wir suchen nach einer Gewissheit für unsere Entscheidung, die wir eigentlich nur finden können, indem wir die Zukunft wagen.

Wenn wir Entscheidungsprozesse von der psychologischen Seite her betrachten, dann zeigt es sich, dass sich Menschen sehr darin unterscheiden, wie “wagemutig” sie sind.

Management-Entscheidungen der “alten Schule”

Die oben angedeuteten Grundprozesse finden sich auch in Entscheidungssituationen wieder, die wir in der Führung antreffen. Entscheidungen im Management werden vielfach (noch) von Menschen getroffen. Und wie Entscheidungen dann getroffen werden ist eng mit der eigenen Persönlichkeit verknüpft.

Nehmen wir einmal eine Führungskraft, die eher risikoscheu ist. Was zeichnet diese Herangehensweise an Entscheidungsprobleme aus?

  • Lange Problemanalyse
  • Einbeziehen möglichst vieler Meinungen
  • Suche nach ähnlichen Situationen in der Vergangenheit
  • Denken in Szenarios
  • Vermeiden von Fehlern
  • Suche nach der richtigen Entscheidung

Ein großer Vorteil dieser Methode ist die Tiefe der Analyse. Viele Aspekte und Gesichtspunkte der Situation kommen auf den Tisch. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und die Entscheidung letztlich gar nicht getroffen wird. Oder die Möglichkeiten sind so zahlreich, dass man dann in einen richtigen Lähmungszustand verfällt, der durch die Entscheidung für “irgendetwas” beendet wird.

Der Grund dafür ist, dass diese Methode stark mit der analytischen Gehirnhälfte arbeitet. Dieser Teil unseres Gehirns arbeite sequentiell und hat nur ausschnitthaften Zugang zu Erfahrungen. Zusammenhänge und komplexe Vernetzungen werden nicht erkannt. Im Extremfall wird das Problem zwar analysiert, aber gar nicht in der Tiefe durchdrungen. Viele Führungskräfte die so vorgehen merken das auch und haben das Gefühl, noch nicht alles “richtig verstanden” zu haben.

Daraus kann aber ein fataler Teufelskreis entstehen: wer meint, noch nicht alles “richtig” verstanden hat versucht vielleicht, das Problem noch tiefer zu durchdringen. Die linke Gehirnhälfte arbeitet quasi auf Hochtouren – kann jedoch das Gewünschte nicht liefern.

Überfordert in der VUCA-Welt

Der Begriff VUCA ist ein Akronym für die Begriffe[2]vgl.”Was bedeutet VUCA” von Melanie Vogel;

  • VOLATILITÄT (Volatility) – Veränderungen treten heute in einer ungewohnten Heftigkeit und Dynamik auf. Veränderungen geschehen plötzlich und sind oftmals radikal.
  • UNSICHERHEIT (Uncertainty) – Veränderungen und die Auswirkungen sind kaum berechenbar. Man fühlt sich überrumpelt. Weil die Prozesse oft schwer zu verstehen sind, wächst das Gefühl der Unsicherheit.
  • KOMPLEXITÄT (Complexity) – Es gibt immer weniger einfache Systeme. Globaler Handel, Industrie, Geldpolitik usw. sind vielfältig ineinander verflochten. Einzelne Entscheidungen können ungeahnte Wirkungen entfalten. Auch das individuelle Leben wird mehr und mehr Teil eines komplexen Gesamtzusammenhangs.
  • AMBIGUITÄT (Ambiguity) – Es gibt keine einfachen Ursache-Wirkungszusammenhänge mehr. Die Realität erscheint verwirrend, schwer zu durchschauen, oftmals mehrdeutig und unverständlich. Missdeutungen und Fehlinterpretationen nehmen zu.

Diese Begriffe[3]siehe auch WIKIPEDIA: Vuca verdeutlichen aus meiner Sicht sehr klar, warum ein Zugang mit dem analytischen Denken allein nicht ausreichend sein kann, um Entscheidungen zu treffen. Komplexe Systeme lassen sich nur zu einem sehr geringen Teil analysieren.

VUCA

Aspekte der VUCA-Welt

Aber was dann? Müssen wir vor der Komplexität resignieren? Ist es dann gar nicht möglich, zu Entscheidungen zu kommen, weil ein Manager das Ganze sowieso nicht durchblickt?

Entscheidungen mit gefühltem Wissen

Wir wollen nicht gleich das Kind mit dem Bad ausschütten. In der westlichen Welt haben wir uns vielleicht in den letzten Jahrhunderten zu sehr auf das rationale, analytische Wissen verlassen. Es geht uns offenbar wie dem Schüler in Goethes Faust, der voll stolz verkündet: “wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.” Zwar haben wir es “bis an die Sterne weit” gebracht, aber das analytische, rationale Wissen ist nur eine Komponente. Es taugt nicht recht, um Komplexität zu verstehen.

Damit das gelänge, müsste der analytische Verstand in der Lage sein, mehrere Aspekte gleichzeitig auf dem Schirm zu haben und eine Vielzahl an Informationen simultan zu verrechnen. Dazu wird jedoch ein anderes System gebraucht – das Selbst.

Fähigkeiten des Selbst-Systems

Kurz zusammengefasst hat das Selbst (oder Extensionsgedächtnis) folgende Fähigkeiten und Eigenschaften[4]vgl. Julius Kuhl; Motivation und Persönlichkeit, Hogrefe, 2001.:

  • Das Selbst ist ein ausgedehntes Netzwerk – vergleichbar mit einer riesigen Bibliothek oder einem Museum (Wissenslandkarte).
  • Erfahrungen, Emotionen, Werthaltungen, Motive… sind im Selbst auf eine einzigartige Weise organisiert.  Das ist im wesentlichen das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.
  • Alles das, was wir täglich erleben und für uns wichtig ist, wird im Selbst gespeichert, mit früheren Episoden verknüpft und Bestandteil unserer Persönlichkeit (episodisches Gedächtnis).
  • Als Netzwerk ist das Selbst in der Lage, auch mit unvollständiger Information zurecht zu kommen.
  • Das Selbst arbeitet ganzheitlich und stellt uns gefühltes Wissen zur Verfügung.
  • Das Selbst arbeitet am besten in entspannter, gelassener Stimmungslage. Zwar kann das Selbst Stress bis zu einem gewissen Grad gut regulieren – ab einer bestimmten Menge an Stress verliert das Selbst jedoch diese Fähigkeit. Man hat das Gefühl, nicht mehr recht “bei sich” zu sein.
  • Das Extensionsgedächtnis kann mehrere Informationen gleichzeitig (parallel) verarbeiten. Gerade in komplexen Situationen benötigen wir das Selbst, um bestmögliche Entscheidungen zu treffen.
  • Das Selbst hat eine Hintergrundaufmerksamkeit und spielt uns nützliches Wissen dann ein, wenn es gerade gebraucht wird.

Konsequenz

Aus allen diesen Funktionsmerkmalen zeigt sich, dass das Selbst als einziges psychisches System in der Lage ist, die momentane Situation mit dem eigenen Wissen, Erfahrungen, Werten, Motiven und Emotionen in Einklang zu bringen. Das Ergebnis dieses Abgleichs ist jedoch mehr ein gefühltes Wissen, eine Ahnung oder das sprichwörtliche “Bauchgefühl[5]Gerd Gigerenzer; Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Goldmann, 2008.”.

Auf diese innere Stimme – die meist recht leise spricht – zu hören, kann gerade in Entscheidungssituationen von Vorteil sein. Der analytische Verstand besitzt diese Integrationsleistung nicht – er soll sie auch nicht haben, denn seine Stärken liegen in der konsequenten Verfolgung eines einmal gefassten Entschlusses. Insofern ist es für Entscheidungsprozesse unabdingbar, dass Verstand und Selbst gut zusammenarbeiten. Nur so kann man die Komplexität hinreichend meistern [6]Mehr Hintergrundinformationen gibt es hier: “Die Geheimnisse deiner Psyche entschlüsselt!.

Hilfe für Klaus und Manuela

Wie können wir den beiden oben beschriebenen Führungskräften bei ihrer Entscheidung helfen? Wie können sie eine “gute Entscheidung” treffen?

Die Antwort ist einfach: das Selbst nutzen!

Hierzu gibt es 5 Wege, die ich auch mit Klienten im Coaching beschreite:

  1. Entschleunigung und Druck rausnehmen.  Kein Zeitdruck und sich beruhigen. Nur dann kommt man zu sich Selbst.
  2. Perspektive und Standort wechseln. Das Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln anschauen.
  3. Optionen erweitern. Hier gilt der Satz von Julius Kuhl: “Ab 3 beginnt die Unendlichkeit”. Solange man noch in der Entweder-Oder-Logik steckt, hat man noch nicht alle Möglichkeiten entdeckt. Andere Menschen einzuladen sich an der Suche nach Optionen zu beteiligen kann eine Hilfe sein. Aber auch Anregungen aus der Kunst können Wege zum Selbst öffnen (hör dir dazu auch die Podcastepisode 21 an, in der Monika Herbstrith-Lappe unter dem Stichwort “Werde der Regisseur deines Erfolgs” über Verbindungen von Theaterkunst mit Führungskunst spricht.
  4. Die Wertigkeit der Optionen erfühlen. Hier geht es darum, mit dem Körper zu erleben, wie sich die Optionen anfühlen.
  5. Der gefühlten Entscheidung vertrauen und dann umsetzen.

Entscheidungen aus dem gefühlten Selbst getroffen zu haben ist eine Erfahrung, die das eigene Leben ungemein bereichern kann. Wir sollten daher “Entscheidungsprobleme” als willkommene Gelegenheiten zu persönlichem Selbst-Wachstum verstehen – so verzwickt sie auch im ersten Moment sein können.

Denn das Selbst ist unser weiser Ratgeber – und wer auf diese Stimme hört, bekommt den guten Rat zum Nulltarif!

Liebe Leserin/lieber Leser jetzt interessiert mich deine Meinung:

  • Wie gehst du vor, wenn du schwierige Entscheidungen zu treffen hast?
  • Wie sind deine Erfahrungen mit dem Bauchgefühl?

Ich freue mich, wenn du gleich jetzt einen Kommentar verfasst!

Hier als Podcast-Episode nachhören

Wie du als Führungskraft gute Entscheidungen triffst

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Interview mit Dr. Artinger zum Thema "Entscheidungen"

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

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Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1979 (1927).
2vgl.”Was bedeutet VUCA” von Melanie Vogel
3siehe auch WIKIPEDIA: Vuca
4vgl. Julius Kuhl; Motivation und Persönlichkeit, Hogrefe, 2001.
5Gerd Gigerenzer; Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Goldmann, 2008.
6Mehr Hintergrundinformationen gibt es hier: “Die Geheimnisse deiner Psyche entschlüsselt!

Reif für die Insel? Entspannung tut not! So gelingt es…

Reif für die Insel? Entspannung tut not! So gelingt es…

Wer Höchstleistung bringen will, braucht Entspannung.

Endlich Zeit für Entspannung!

Endlich eine Auszeit!

Endlich frei sein!

So oder so ähnlich wirst du bestimmt schon gedacht haben, wenn der lang ersehnte Urlaub vor der Tür steht. Und in der Tat ist es für dich als Führungskraft oder UnternehmerIn entscheidend, längere Ruhephasen zu haben und für sich zu nutzen.

Doch gerade das Wort „Ruhephase“ löst bei dem einen oder anderen etwas aus: Unruhe!
Wer das ganze Jahr über gefordert ist, wer es gewohnt ist, sein Leben auf „Highspeed“ zu führen, dem kann ein zweiwöchiger Urlaub ganz schön Kopfzerbrechen bereiten. Tatsächlich: wenn du einmal die diversen Urlaubsaktivitäten kritisch betrachtest, wirst du feststellen, dass der “Highspeed-Modus” fortgesetzt wird. Nur mit anderen Mitteln sozusagen. So kann es dann kommen, dass man am Ende des Urlaubs irgendwie noch weniger erholt ist als vorher…

Falsches Entspannungskonzept

Dahinter steckt meines Erachtens zu einem guten Teil ein falsch verstandener Begriff von Entspannung. Oder um es genauer zu sagen: es geht vielen gar nicht um Entspannung, sondern um Ablenkung.

Das ist auch nur zu verständlich. Wenn man das ganze Jahr über mit allen möglichen Dingen beschäftigt ist, der möchte gerne in seinem Urlaub eine möglichst großen Abstand davon haben. Und: wer aus dem beruflichen Alltag größere und kleinere Sorgen in den Urlaub mitnimmt, der möchte eben vermeiden, dauernd daran erinnert zu werden. Ablenkungen werden an diversen Urlaubsdestinationen sonder Zahl geboten – also greift man zu.

Aber: was bewirken diese Ablenkungen? Wirst du dadurch wirklich entspannt?

In vielen Fällen bewirken die vielen Ablenkungen genau das Gegenteil. Man ist zwar den ganzen Tag über beschäftigt, aber trotzdem will sich oftmals die erhoffte Entspannung nicht einstellen.

Ablenkung bewirkt keine Entspannung sondern oftmals das Gegenteil…

Woran liegt das?

Was ist überhaupt Stress?

Stress ist ein beinahe naturgegebenes Phänomen, wenn man in einem Unternehmen Verantwortung trägt. Stress ist zunächst einmal eine komplexe Reaktion unseres Organismus auf Anforderungen von außen. Stresshormone werden ausgeschüttet und der Organismus schaltet einen Gang höher, um mit den Anforderungen zurecht zu kommen. So wird die Wahrnehmung geschärft, die Wachheit steigt, die Reaktionsgeschwindigkeit nimmt zu etc. Stress ist also genau das Gegenteil von Entspannung.

Bei mäßigem Stress ist es sogar so, dass man sich selbst besser spürt und das Gefühl hat, mehr bei sich zu sein. Auch das Flow-Gefühl setzt eine gewisse Portion Stress voraus. Mit diesem Eustress kommt der Körper gut zurecht. Voraussetzung ist allerdings, dass die Stresshormone auch gut abgeführt werden können. Dies gelingt durch ausreichend Bewegung, gute Ernährung und ausreichende Ruhephasen (Schlaf!) und bewusste Phasen von Entspannung.

Eine mäßige Form der Anspannung – gefolgt von Phasen der Entspannung – wirkt leistungsfördernd.

Allerdings: wer zu vielen Reizen ausgesetzt wird, erreicht rasch eine Situation, in der der Organismus mit dem Stress nicht mehr zurecht kommt. Das nennt man Distress.

Um Distress zu vermeiden, gilt es zuallererst, die Menge an Umweltreizen auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Daraus folgt, dass das Konzept Entspannung durch “Ablenkung” nicht so gut funktioniert. Wer im Urlaub alles daran setzt, möglichst viel zu erleben riskiert, aus dem Stressmodus gar nicht mehr herauszukommen und die Entspannung gar nicht mehr zu finden. Genauere Infos zum Thema Stress findest du auch im Artikel “Nutze deine Selbstführungskompetenzen gegen Stress

Der Hippocampus – die Stressregulationszentrale

Eine besondere Rolle bei der Stressbewätigung spielt eine Struktur im Gehirn: der Hippocampus. Diese Formation sieht einem Seepferdchen ähnlich (daher auch der Name). Der Hippocampus spielt eine besondere Rolle dabei, die Erlebnisse des Tages in unser Langzeitgedächtnis überzuführen und mit früheren Erfahrungen zu verbinden. Man nennt dieses Gedächtnis auch “episodisches Gedächtnis” und will damit aussagen, dass in diesem Gedächtnis deine Lebenserfahrungen, Gefühle, Werte, Einstellungen etc. in einem riesigen Netzwerk verbunden sind. Dieses Gedächtnis beinhaltet auch den Kern deiner Persönlichkeit – dein Selbst.

Der Hippocampus organisiert jedoch nicht nur unsere Erfahrungen, sondern er hilft dabei, deine Erfahrungen in bestimmten Situationen abzurufen. Das ist besonders wichtig, wenn du in eine Situation kommst, die dich beunruhigt (z.B. vor einem Vortrag). Der Hippocampus kann nun in dieser Situation Erfahrungen in dein Bewusstsein bringen, die dir helfen, dich zu beruhigen (z.B. wenn du dich an eine Episode erinnerst, in der du einen blendenden Vortrag gehalten hast, obwohl du aufgeregt warst).

Der Hippocampus funktioniert also in zwei Richtungen:

  • neue Erfahrungen aufzunehmen, zu organisieren und mit der eigenen Persönlichkeit zu verbinden und
  • das Selbst zu aktivieren, damit es die Ressourcen bereitstellt, die in der aktuellen Situation gebraucht werden

Stress reduziert die Hippocampus-Aktivität

Eine gewisse Portion an Stress ist also förderlich, um gute Leistung zu erbringen. Der sogenannte “Flow-Zustand” ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass eine leichter Stress besteht, der die Aktivität des Hippocampus anregt. Beim Stress werden Stresshormone (Cortisol) gebildet. Der Hippocampus besitzt nun Stressmelder, die vereinfacht gesagt, dafür zuständig sind, dass die Stresshormone aus dem Körper entfernt werden.

Wenn allerdings der Stress länger andauert leidet darunter die Hippocampusaktivität. Dadurch können nun die höheren Hirnprozesse nicht mehr so gut wirksam sein. Die herausfordernden Stresssituationen können dann nicht mehr so gut bewältigt werden. Das Verhalten wird dann weniger differenziert – Emotionen können weniger gut gemanagt werden.

Das System läuft heiß!

Zu allem Übel kommt noch: häufige Stresssituationen, die den Hippocampus übermäßig belasten, führen auch dazu, dass der Hippocampus geschädigt wird. Es genügt dann schon eine kleine Dosis und das System läuft heiß.

Kennzeichen guter Leistung

Es ist, so denke ich, ziemlich klar, dass Stressreduktion notwendig ist, um wirklich gute Leistung erbringen zu können. Was sind nun die Kennzeichen guter Leistung?

  • Selbstbestimmung – etwas aus sich selbst heraus zu tun
  • Selbstmotivation – die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen auf die positiven Dinge zu schauen
  • Frustrationstoleranz – auch bei Schwierigkeiten am Ball bleiben und nicht aufzugeben
  • Konzentrationsfähigkeit – sich mit einer Sache zu beschäftigen und Störungen von innen und außen zu unterbinden
  • Initiativkraft – die Aufgaben (auch wenn sie vielleicht mühsam sind) rasch anzupacken statt vor sich herzuschieben
  • Selbstberuhigung – die Fähigkeit, in einer akuten Stresssituation negative Gefühle wieder zu beseitigen
  • Misserfolgsbewältigung – nach einem Misserfolg nicht lange zu grübeln, sondern die Lehren daraus zu ziehen und zu neuen Taten aufzubrechen

Diese Kompetenzen sind Aspekte der Selbststeuerung (lies auch hier nach). Die Selbststeuerung ist notwendig, damit du in der Lage bist, dein Denken und Handeln auf ein bestimmtes Ziel zu fokussieren. Die Selbststeuerung ist vergleichbar mit einem Dirigenten, der das Orchester koordiniert. So ähnlich verhält es sich auch bei der menschlichen Persönlichkeit: alle Prozesse müssen ja koordiniert und gesteuert werden. Diese Fähigkeiten sind individuell verschieden. Heute sind wir in der Lage, diese Fähigkeiten zu messen und gezielte Programme zur Verbesserung anzubieten. Dazu biete ich spezielle Programme an.

Wer leisten will braucht sein Selbst

Wenn du einmal nachdenkst, wie du dich in einer Stresssituation verhältst, dann wird dir auffallen, dass du in vielen Stresssituationen das Gefühl hast, nicht ganz bei dir selbst zu sein. Vielleicht fühlst du dich:

  • fremdgesteuert
  • nicht bei dir
  • kopflos
  • wie ein Automat, der funktioniert
  • erschöpft
  • ….

All das sind Anzeichen dafür, dass dir der Selbstzugang abhanden gekommen ist. Wer aber sein Selbst los ist, der agiert nicht mehr aus dem ganzheitlichen Überblick, sondern versucht, irgendwie durchzukommen, indem das Nächstbeste in Angriff genommen wird.

Die beste Stressprophylaxe und die beste Erholung ist es, wieder mit dem Selbst in Kontakt zu kommen.

Was macht das Selbst aus?

Mit dem Selbst ist das so eine Sache: das, was du selbst bist, was deine Persönlichkeit ausmacht ist dir selbst ja nur in Teilen bewusst. Diese Erfahrung ist dir sicher sehr geläufig. Andere Menschen nehmen z.B. Eigenschaften an dir wahr, die du so noch nicht gekannt hast. Oder du machst eine wichtige Lebenserfahrung und schlagartig werden dir Aspekte von deiner Persönlichkeit bewusst, die du vorher noch nicht gekannt hast.

Um an sich selbst heranzukommen nützt es häufig wenig, sich zu analysieren. Viel besser ist es, zu fühlen und zu spüren, was man will und was einen als Person ausmacht. In der Psychologie sagt man auch, dass das Selbst in einem “impliziten Format” vorliegt. Das Selbst ist also irgendwie da und wirksam – aber in allen Facetten lässt es sich nicht beschreiben. Die Wirksamkeit des Selbst lässt sich daran zeigen, dass das Selbst eine Hintergrundaufmerksamkeit hat und prüft, inwieweit das, was du tust, mit dir übereinstimmt. Wenn der Selbstbezug durch Stress gelitten hat, dann kann es dieser Aufgabe nicht gut nachkommen und Entfremdungserlebnisse können die Folge sein.

Wie kannst du dein Selbst stärken?

Im Prinzip durch alles, was dich dir selbst näher bringt. Hier ein paar Anregungen (nicht nur für den Urlaub, sondern auch im Beruf)

  1. Durchforste deine To-Do-Liste und deine Projekte. Welches sind deine Herzensanliegen? Versuche diesen bewusst mehr Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken
  2. Suche dir einen Gesprächspartner, der dir nur zuhört – ohne dir Tipps zu geben. Jemanden, der für dich da ist (ein guter Freund, Bekannter, Coach).
  3. Achte auf Phasen der Ruhe und Besinnung, in der “nichts” geschieht. Keine störenden Ablenkungen, keine Beschäftigungen. Versuche dich selbst zu spüren. Schließe die Augen und schalte einmal bewusst einen Sinneskanal aus.
  4. Reflektiere deine Werthaltungen. Was ist dir wichtig? Wofür setzt du dich ein? Bewusste und Unbewusst wirksame Motivatoren und Werte lassen sich heute messen und analysieren!
  5. Lass deiner Kreativität freien Lauf! Nicht um “etwas” zu leisten, sondern sei neugierig, wie sich dein Selbst ausdrückt (Musik, Tanz, Malerei, Singen…)
  6. Beschäftige dich mit Kunst. Du kannst ein Museum besuchen und schauen, welches Kunstwerk dich anspricht. Was sagt das über dich aus?
  7. Erzähle anderen von früher. Solche “Dialogkreise” kannst du selbst anregen. Hier kommt es nur darauf an, dass jeder sich aussprechen kann – ohne Diskussion.
  8. Mache bewusst einen Blick in die Vergangenheit. Schaue dir Fotoalben, Bücher, Orte deiner Kindheit an. Das bringt dich zu dir selbst!
  9. Führe ein Tagebuch.
  10. Stelle dir vor, dein Leben ist zu Ende. Was würdest du über dich schreiben? Wie ist das Leben verlaufen? Was waren die Erfolge? Was ist offen geblieben?
  11. Entwirf eine Vision deines Lebens. Wo könnte es hingehen?

Es gibt noch viele weitere Fragestellungen, die dein Selbst stärken. Du merkst aber auch, dass ein bisschen “Selbstkonfrontation” auch dazugehört. Ohne den Blick auf den einen oder anderen “Stolperstein” ist kein Selbstwachstum möglich. Wenn du dein Selbst jedoch stärkst, hast du langfristig viel mehr davon, als wenn du dich bloß ablenkst und den nächsten Kick suchst um vorhandenen Stress zu reduzieren.

Wenn dich diese Fragen angesprochen haben, dann leg einfach los. Wenn du meine Unterstützung bei diesem Prozess brauchst – ich bin gerne für dich da. Mit einer wissenschaftlich fundierten Methode kannst du bei mir deine Persönlichkeit analysieren lassen. Gemeinsam entwickeln wir dann einen Plan, wie du mit gestärktem Selbst deine täglichen Herausforderungen bestmöglich meistern kannst.

In diesem Sinnen schönen (Rest-)Urlaub und frohes Schaffen!

Du kannst einen wissenschaftlich validen Online-Test machen, der dir zeigt, wie gut dein Selbstzugang schon entwickelt ist. Dazu erhältst du ein Stressprofil, das es dir ermöglicht zu entscheiden, welche Kompetenzen du noch entwickeln solltest.

Du erhältst von mir ein 45-minütiges Coaching. Ich zeige dir, wo du ansetzen kannst und entwickle mit dir einen Umsetzungsplan. So kannst du Schritt für Schritt deine Kompetenzen ausbauen.

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Ohne Entspannung keine Höchstleistung

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Täglich 1 Stunde mehr Freizeit!

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Wage den Sprung und setze um mit dem Rubikon-Modell

Wage den Sprung und setze um mit dem Rubikon-Modell

Das Rubikon-Modell der Handlungsphasen

“Alea jacta est!” – “Der Würfel ist gefallen!”

Wer kennt diesen Ausspruch nicht.

Angeblich soll ihn Julius Cäsar geäußert haben, als er 49 v. Chr. mit etwa 5000 Mann den Rubikon überschritten hatte, um seiner Entmachtung zuvor zu kommen. Da diese Tat einer Kriegserklärung gegen Rom gleichkam, war Cäsar wohl bewusst, dass es danach kein Zurück mehr gab. Nun – Cäsar war erfolgreich und herrschte noch weitere 5 Jahre lang[1]vgl. Wikipedia; Gaius Julius Cäsar.

Die Redewendung: “Er hat den Rubikon überschritten” ist heute im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden. Damit möchte man ausdrücken, dass sich jemand für eine unwiderrufliche, riskante Handlung entschieden hat. Wer den Rubikon überschritten hat weiß, dass es ab diesem Zeitpunkt kein Zurück mehr gibt[2]vgl. Wikipedia; Rubikon.

Der Motivationspsychologe Heinz Heckhausen hat gemeinsam mit Peter M. Gollwitzer das “Rubikonmodell der Handlungsphasen” entwickelt, das untersucht, wie aus Absichten Taten werden.

Die Kenntnis des Rubikon-Modells und die Umsetzung der daraus ableitbaren Schlussfolgerungen hilft, Absichten umzusetzen. Aufschieben – Prokrastination – kann damit in vielen Fällen verhindert werden.

Die 4 Phasen im Rubikon-Modell

Stell dir einmal vor, du möchtest etwas für deine Fitness tun. Es stört dich, dass du einfach zu viel Gewicht hast. Auch dein Arzt hat bei der letzten Untersuchung gemeint, jetzt sei es wirklich hoch an der Zeit, etwas zu unternehmen.

Also, du merkst, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Du hast also den Wunsch nach Verbesserung deiner Fitness. Vielleicht hast du auch eine starke Vision, wie gut du dich fühlen wirst, wenn du erst einmal regelmäßig Sport getrieben hast.

Auf dem Weg vom Wunsch zur Zielrealisierung durchläuft man vier Phasen:

  • Abwägen
  • Planen
  • Handeln
  • Bewerten

In jeder dieser Phasen sind unterschiedliche psychologische und neuronale Prozesse wirksam.

Rubikonmodell

Übersicht über das Rubikonmodell

Phase des Abwägens

In Gedanken sammelst du nun einige Ideen, was du alles tun könntest: joggen, schwimmen, Rad fahren, wandern, Fitnessstudio besuchen, Gymnastik, Yoga usw. Auf dieser Stufe werden also eine große Anzahl von Wünschen und Anliegen produziert. Diese sind mit den Basismotiven: Beziehung, Leistung, Durchsetzung verbunden.

So ist zu erwarten, dass ein leistungsmotivierter Mensch wahrscheinlich mehr Ideen produziert, die in Richtung eigener Verbesserung gehen oder Konkurrenzaspekte beinhalten. In unserem Beispiel motiviert eine leistungsorientierte Person vielleicht die Vorstellung, in einen Laufclub einzutreten, der auch Wettbewerbe anbietet.

Beziehungsmotivierte Menschen produzieren eher Wünsche und Anliegen, die Begegnung mit anderen Zulassen. In unserem Beispiel ist das vielleicht das Wandern mit der Partnerin, bei der man sich austauschen kann.

Durchsetzungsmotivierte Menschen werden bevorzugt eine Tätigkeit wählen, bei der sie für etwas Verantwortung übernehmen oder anderen etwas beibringen können. Vielleicht organisieren diese Menschen eine Klettertour, die sie führen können.

Wie man auswählt

Die große Menge an Ideen können natürlich nicht alle realisiert werden. Es kommt zu einer Phase des Abwägens und Auswählens. Das geschieht in mehreren Richtungen.

  • Ist das Ziel für mich überhaupt wünschbar?
  • Habe ich die notwendigen Mittel (Ressourcen)?
  • Ist mein Wunsch, meine Idee überhaupt realisierbar?

Mit anderen Worten ist die Attraktivität eines Vorhabens von den Faktoren abhängig:

  • Bedeutung und Wünschbarkeit des Zieles für mich (Valenz) [V]
  • Erwartung, dass meine Bemühungen einen Beitrag zum angestrebten Ziel leisten [E]

Diese Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie von Vroom hilft, die Voraussetzungen aufzuklären, die gegeben sein müssen, damit ein Individuum überhaupt ein Ziel weiter verfolgt. Die Entscheidung für ein Ziel ist damit das Produkt von Valenz und Erwartung. Also Entscheidung=V*E

In unserem Beispiel werden also die Ideen mit den eigenen Motiven und auch mit der Erwartung der Zielerreichung abgeglichen. Dabei spielen Vorerfahrungen eine wichtige Rolle. Wenn jemand z.B. schon früher regelmäßig gejoggt hat, aber das Körpergewicht gleichgeblieben ist, wird er die Erwartung an diese Tätigkeit niedrig ansetzen und sie daher aus den Überlegungen ausscheiden.

Über den Rubikon gehen

Damit du allerdings wirklich ins Tun kommst genügt es nicht, über alle möglichen Ideen zu grübeln oder sich eine Menge an Alternativen auszumalen. Tatsächlich liegt in der Abwägephase auch eine gewisse Gefahr: sich in Träumen und Ideen zu verlieren. Wer zu einer Idee oder Vorstellung ergänzende Informationen benötigt, der bekommt sie einfach via Smartphone oder Laptop in Sekunden geliefert. Was Bill Gates 1995 noch als Vision formuliert hat, nämlich “information at your fingertips[3]vgl. Comdex Keynote von Bill Gates” zu erhalten, ist heute schon längst Realität.

Wenn aber einmal der Zugang immer neuer Information leicht gegeben ist, steigt die Tendenz des Abdriftens in immer neue Ideen und Möglichkeitsräume exponentiell.Ich kenne viele hochmotivierte und begabte Menschen, die vor Ideen sprühen, aber nur wenig davon realisieren – gerade weil sie sich nicht fokussieren können, sondern nur mit dem Aufnehmen beschäftigt sind.

Alles kommt darauf an, dass Wünsche und Träume in konkrete Ziele umgewandelt werden. Das bezeichnet man als das Überschreiten des Rubikons. Ein klares Ziel beendet das Abwägen.

Was geschieht psychologisch bei diesem Vorgang?

Während in der Abwägephase unser Selbstsystem extrem aktiv wird, ruft ein klares Ziel die exekutiven Zentren in unserem Gehirn auf. Der Organismus wird auf “Go” gestellt und die Realisierung kann in Angriff genommen werden. Ein verbindliches Ziel erwirbt einen starken Verbindlichkeitscharakter, und man fühlt sich verpflichtet, das Ziel auch tatsächlich anzustreben.

Wenn du einmal aufmerksam dich selbst beobachtest, dann kannst du in vielen Alltagssituationen diesen Prozess wahrnehmen. Bevor du dich zu einer Aktivität entschließt, gibt es eine mehr oder weniger deutlich fühlbare Abwägephase.

Phase der Planung

Es wird dir nicht unbekannt sein, dass für viele Ziele und Vorhaben, die du anstrebst, längere Planung notwendig ist. Wahrscheinlich verhält es sich mit der Mehrzahl der Vorhaben so, dass das Vorhaben nicht spontan umgesetzt werden kann, sondern die Mittel und Wege klug bedacht werden müssen. Mit anderen Worten: bevor du dein neu gebildetes Ziel in Angriff nehmen kannst, musst du dir überlegen, welche Handlungen zum Ziel führen. Auch die Reihenfolge der Handlungen ist oftmals entscheidend für die Zielerreichung.

In der Planungsphase wird vor allem der präfrontale Cortex – das Hirngebiet, das für die Aufrechterhaltung von Absichten zuständig ist – besonders aktiv. Diesen Teil bezeichnet man auch als Absichtsgedächtnis. Seine Aufgabe ist es, Vorhaben und Intentionen zu speichern – und zwar so lange, bis es eine Gelegenheit gibt, das Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Beispielsweise wenn du in einer Diskussion mit dem Team bist und deine Meinung kundtun möchtest, eine andere Person jedoch am Wort ist. Im Allgemeinen wirst du nicht einfach unterbrechen, sondern warten, bis eine Gesprächspause entsteht, in der du dann das Wort ergreifen kannst. Dies ist ein einfaches Beispiel dafür, wie eine Absicht in eine Handlung übergeführt wird.

Phase der Handlung

Wenn ein Plan umgesetzt werden soll bedeutet das für dich:

  • Handlungsoptionen zu erkennen
  • Hartnäckig das Ziel zu verfolgen
  • Auftretende Schwierigkeiten zu bewältigen

Ein gut ausgebildetes Absichtsgedächtnis hilft dir dabei. Es unterstützt dich beim hartnäckigen Dranbleiben und bei der Bewältigung von Rückschlägen.

Allerdings ist in der Handlungsphase auch noch ein anderes System in unserem Gehirn aktiv: die intuitive Verhaltenssteuerung. Dieses System stellt dir Handlungsroutinen bereit, um rasch und zuverlässig handeln zu können. Studien von Julius Kuhl haben gezeigt, dass dieses System besonders gut arbeitet, wenn man in einer positiven Stimmung ist.

Um also möglichst erfolgreich und zielstrebig zu handeln, ist es wichtig, dass Absichtsgedächtnis und intuitive Verhaltenssteuerung gut miteinander kooperieren. Typischerweise ist das Planen einer Handlung selten mit positiven Emotionen verknüpft. Es herrscht meist eine sachliche, nüchterne Stimmung vor. Das ist auch leicht nachvollziehbar:  wenn dein Ziel, dein Traum, dein Wunsch deutlich vor dir steht, dann möchtest du bestimmt gleich loslegen, Stellst du nun fest, dass es noch viele Schritte braucht, um zum Ziel zu kommen, kann das dir auch schon einmal die Lust nehmen. Alles kommt darauf an, die Planungsphase als “notwendiges Übel” zu betrachten und im entscheidenden Moment positive Emotionen wie Freude oder Begeisterung aufzurufen, damit du wirklich loslegen kannst[4]Zu den genannten Hirnsystemen lese auch den Beitrag: “Die Geheimnisse deiner Psyche – entschlüsselt.

Phase der Bewertung

In dieser Phase steht die Auswertung im Vordergrund. Die Ergebnisse werden mit den am Anfang gesteckten Zielen verglichen. Typische Fragen in dieser Phase sind:

  • Wie gut wurde das Ziel erreicht?
  • Sind die erhofften positiven Konsequenzen meines Handelns auch wirklich eingetroffen?
  • Ist die Absicht, die das Handeln notwendig machte, zur Gänze erledigt?
  • Wenn das Ziel nicht erreicht wurde: müssen andere Mittel zur Zielerreichung eingesetzt werden oder wird das Ziel zur Gänze fallen gelassen?

Handlungskreislauf Rubikon

Handlungskreislauf

Das Zusammenspiel der einzelnen Phasen siehst du in dieser Übersicht:

Tipps – so zündest du den Umsetzungsturbo

  • Gönne dir Zeit zur Entwicklung deiner Ideen!
  • Ideen gedeihen in einer ruhigen und entspannten Umgebung.
  • Entwickle Ideen in Kommunikation mit anderen
  • Nutze auch kreative Zugänge um deine Kreativität anzuzapfen
  • Lasse dich von anderen inspirieren
  • Versuche nicht, sofort die “richtige” Idee zu finden.
  • Bewerte deine Ideen nach deinem Engagement. Wofür brennst du?
  • Wenn du die Idee gefunden hast, dann verpflichte dich dazu.
  • Schreibe dir dein Vorhaben auf.
  • Mache dir einen Plan.
  • Widerstehe der Versuchung, zu viel zu planen. Eine ungefähre Richtung ist manchmal sinnvoller als zu viel Zeit in die Details zu investieren.
  • Fange einfach an!
  • Belohne dich, wenn du Teilschritte bzw. Meilensteine erreicht hast.
  • Verstehe Misserfolge als wertvolle Feedback um noch besser zu werden.
  • Suche den Austausch mit anderen oder investiere in einen Coach.

Wie geht es weiter?

Es gibt ein wissenschaftliches Testverfahren, mit dem du deine Stärken und Schwächen in der Handlungssteuerung im Detail herausfinden kannst. Dazu machst du einen einfachen Onlinetest, der an der Universität Osnabrück entwickelt wurde. Der Test dauert ca. 20 Minuten. Du erhältst ein detailliertes Testergbenis mit konkreten Ansatzpunkten zur Verbesserung. Dazu gibt es ein 45-minütiges Rückmeldegespräch per Skype.

Du kannst diesen Test gleich hier buchen!

Gerne kannst du auch in den Kommentaren deine Fragen posten – ich beantworte sie gerne!

Blogpost als Podcastepisode anhören...

Das Rubikon-Modell: So setzt Du Deine Vorhaben um!

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

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Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1vgl. Wikipedia; Gaius Julius Cäsar
2vgl. Wikipedia; Rubikon
3vgl. Comdex Keynote von Bill Gates
4Zu den genannten Hirnsystemen lese auch den Beitrag: “Die Geheimnisse deiner Psyche – entschlüsselt

Führungserfolg durch Selbstführung

Führungserfolg durch Selbstführung

Wie macht Selbstführung erfolgreich?

Die Frage, was eine erfolgreiche Führungskraft ausmacht bzw. was eine gute Führungskraft ist, wird immer wieder gestellt.

Eine wesentliche Voraussetzung für den Führungserfolg ist die Selbstführung. Vielleicht stimmt der Satz von Peter Drucker, dass eine Führungskraft im Grunde nur eine Person führen muss: sich selbst.   (mehr …)

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Irrtümer im Management – SMART-Ziele

Irrtümer im Management – SMART-Ziele

SMART-Ziele sind wenig hilfreich

Hast du dich schon einmal gefragt, wie du Ziele formulieren sollst? Und ist dir dann sofort das Akronym SMART-Ziele eingefallen? Dann Willkommen im Club!

Keine andere Lehre hat sich im Management so sehr festgesetzt. SMART-ZIele scheinen der einzig richtige Weg zu sein. Wer SMART-Ziele formulieren kann, der hat schon gewonnen. Kaum einer fragt, woher diese Lehre eigentlich kommt, und ob sie überhaupt stimmt.

Ich meine: SMART-Ziele schaden mehr als sie nützen!

Lies weiter, damit du lernst, wie man bessere Ziele formuliert!

Die Behauptung, nur SMART-Ziele seien nützlich, ist falsch!

SMART ist eine Abkürzung für Kriterien, die angeblich Ziele so gut machen sollen, dass die Erreichbarkeit fast schon garantiert ist. Dass die Dingen icht so einfach liegen, erfährst du in diesem Beitrag.

Dabei steht SMART für das Akronym

S=Spezifisch, genau

M=Messbar

A=Attraktiv

R=Realistisch

T=Terminisiert

SMART-Ziele

Argumente pro SMART-Ziele

Ein allgemeines “Do-your-best”-Ziel wie: “Ich will, dass ihr heute euer Bestes gebt!” ist viel zu allgemein. Die Mitarbeiter wissen nicht konkret genug, was sie zu tun haben. Sollen konkret Kunden angerufen werden? Wird erwartet, dass ich mich besser auf den Kunden vorbereite? Soll ich mir Feedback einholen, um zu sehen, was ich besser machen kann? usw.

Da ist es besser, ein konkretes Ziel zu formulieren wie: “Bis zum Ende der Woche werde ich 4 konkrete Kundetermine vereinbart haben.” Man kann das noch mit Arbeitshilfen erweitern wie: “Um das Ziel zu erreichen nutze ich unsere Datenbank und führe 10 Kaltakquisetelefonate pro Tag.” Nach den Arbeitspsychologen Locke und Latham – die hinter dieser Theorie stecken – müssen die Ziele auch ein hohes Anspruchsniveau haben, damit sie Handlungen aktivieren.

In Organisationen ist das System des “Management by Objectives” weit verbreitet (leider oft in einer Karikatur von dem, was Peter Drucker[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Drucker einst damit gemeint hat). Das Führen über Ziele ist nur dann möglich, wenn Ziele einerseits klar formuliert sind anderseits auch messbar sind. Also kommt man um die möglichst präzise Zielbestimmung nicht herum.

Was gegen SMART-Ziele spricht

Komplexität

SMART-Ziele funktionieren besonders gut, wenn die Aufgaben einfach und klar strukturiert sind. Wenn also jemand seine Fitness verbessern möchte und sich vornimmt: “Ich gehe 3x die Woche für 30 Minuten joggen” dann mag dieses Ziel funktionieren. Oder der Student der sich vornimmt: “Ich lese täglich 20 Seiten vom Lehrbuch X”.

Wenn die Aufgabe allerdings komplexer wird, wenn die Strategien unklar sind um das Ziel zu erreichen oder man gar keine Idee hat, wie man das Ziel verwirklicht, kann man sich noch so viele SMART-Ziele setzen – man wird das Ergebnis nicht erreichen.

Ebenso gilt: wenn die Situation komplex ist und viele mögliche Handlungsalternativen von uns verlangt, wird man mit einem konkreten Ziel nicht weit kommen. Wenn beispielsweise eine Führungskraft die Kundenorientierung verbessern möchte und einem Mitarbeiter verordnet “Begrüße jeden Kunden freundlich und schaue ihm 3 Sekunden in die Augen” so führt diese SMART-Vereinbarung keineswegs zu mehr Leistung, sondern im Gegenteil zu Demotivation und Stress! Komplexe Situationen benötigen hohe Variabilität im Verhalten. Und die erreicht man eben nicht durch SMART-Vorschriften!

Hohe Identifikation

Ein Ziel wird nur dann verfolgt, wenn man auch dahinter steht. Viele Führungskräfte nehmen an, wer in Organisation beschäftigt ist, der ist schon voll entflammt für die Unternehmensziele. Allerdings ist das reines Wunschdenken! Überlege einmal selbst: wenn du deine Ziele betrachtest, wie würdest du sie bewerten?

  1. Ich nehme das Ziel eigentlich nicht ernst
  2. Es ist mir egal, ob ich das Ziel erreiche
  3. Ich fühle mich stark verpflichtet, das Ziel zu erreichen
  4. Es fällt mir schwer, das Ziel aufzugeben
  5. Ich setze mich voll für dieses Ziel ein

Erst ab Punkt 3 und höher ist die Zielerreichung wirklich intrinsisch motiviert. Die Attraktivität der Ziele ist tatsächlich der größte limitierende Faktor. Überlege einmal selbst: wenn du mit deinem Team ein Ziel festlegst, sind wirklich alle begeistert? Wenn du ehrlich bist, sind die üblichen Reaktionen bestenfalls eine Verpflichtung, “weil es denn sein muss”. Keine gute Umsetzungsvoraussetzung!

Zielkonflikte

Wir streben nur Ziele an, die mit anderen nicht in Konflikt stehen. Menschen haben meist ein gutes Gespür dafür, ob ein bewusstes Ziel ihnen möglicherweise schadet. Dieses intuitive Wissen kann meistens schwer in Worte gefasst werden, man hat aber “kein gutes Gefühl bei der Sache”. Wir wissen heute, dass dieser “implizite Gedächtnisspeicher” (das Selbst) der Ort ist, an dem unsere Erfahrungen, Werte, Gefühle etc. in einem Netzwerk organisiert sind. Das, was wir uns bewusst machen (z.B. ein SMART-Ziel) wird auf Kompatibilität mit dem Selbst geprüft. Bei Unstimmigkeiten des Ziels mit dem Selbst wird das bewusst angesteuerte Ziel oftmals fallen gelassen.

Selbst-Ziele die wie von selbst motivieren

Das Selbst (oder Extensionsgedächtnis), das oben bereits angesprochen wurde, wollen wir etwas genauer beleuchten. Wie entwickelt der Mensch überhaupt ein Selbst? Sehr einfach gesprochen: im Laufe seines ganzen Lebens durch Erfahrungen. Tagtäglich werden wir mit Situationen konfrontiert, die wir emotional bewerten. Situationen, die uns besonders berühren – eine Begegnung, ein Opernbesuch, das Lesen eines Buches, ein einschneidendes Erlebnis etc. – kann plötzlich etwas “in uns” zum Schwingen bringen. Wir fühlen uns “angesprochen” “berührt” und werden uns vielleicht diese Situation ein Leben lang merken. Die Erfahrung ist für uns zu einem Bestandteil unseres Lebens geworden! Eine Lebenserfahrung….

Das Selbst arbeitet jedoch auf eine sehr eigentümliche Art und Weise. Es ist nicht immer präsent, sondern hat eine Hintergrundaufmerksamkeit! So kann es durchaus passieren, dass das Selbst plötzlich durch eine Erfahrung angeregt wird und sich meldet. Meist in der Form eines Gefühls oder eines “Hinweises” im Sinne von: “Da war noch etwas!” Ein einfaches Beispiel ist, wenn man vorhat etwas zu besorgen, man jedoch gar nicht daran denkt und plötzlich beim Passieren eines Geschäfts schlagartig daran erinnert wird.

Diese intuitive Erkenntnis nennt man auch Bauchgefühl. Wer einen guten Zugang zum Selbst hat, der nutzt dieses Bauchgefühl.

Wer sich nun SMART-Ziele setzt, der benutzt einen Teil unseres Gehirns, den man Intentionsgedächtnis nennt. Dieses Informationsverarbeitungssystem arbeitet logisch, schrittweise und kann an einer Sache dran bleiben, ohn das Selbst zu bemühen.

Das Selbst kennt SMART- Ziele gar nicht. Ziele aus dem Selbst sind allgemeiner, lassen sich auch oftmals schwer in Sprache übertragen. Ziele aus dem Selbst beinhalten viele Aspekte, Erfahrungen, Gefühle, Rahmenbedingungen etc. Ein Ziel aus dem Selbst fühlt sich “stimmig” an. .Ziele, die mit unserem Selbst übereinstimmen benötigen auch keine äußeren Motivatoren. Wir verfolgen sie, von “selbst” und sind intrinsisch motiviert[2]vgl. Julius Kuhl, Motivation und Persönlichkeit, 2001.

Ziele aus dem Selbst

Ein Ziel, das aus dem Selbst gebildet wird, ist global. Nehmen wir noch einmal das Beispiel mit den Kaltakquisitionstelefonaten von vorhin. Für viele Mitarbeiter ist das Ziel “10 Akquisetelefonate täglich” eine schreckliche Vorstellung. Wenn du nun ein Verkaufsleiter bist, und du möchtest jedoch, dass dieses Ziel umgesetzt wird, dann hast du ein Problem. Du könntest mit Druck versuchen, das Ziel deinem Mitarbeiter zu verordnen. Jedoch kannst du dir leicht ausrechnen, dass die Identifikation mit dem Ziel nur gering sein wird. Und auch die Akquisetelefonate werden dann entsprechend verlaufen.

Was läuft da verkehrt?

Unser Gehirn ist so eingerichtet, dass es ein von außen herangetragenes Ziel zunächst einmal überprüft, ob es mit dem Selbst verträglich ist. Vielleicht hat der Mitarbeiter einen sehr hohen Ehrgeiz und möchte Situationen vermeiden, bei denen er negative Erlebnisse hat. Zudem könnten in seinem Selbst noch negative Erfahrungen abgespeichert sein. Eventuell kommt noch das Gefühl dazu, Kunden zu etwas zu drängen etc.

Es macht jetzt überhaupt keinen Sinn, es mit noch präziseren Zielformulierungen zu versuchen. Genauso wenig erfolgreich ist es, einen Vortrag zu halten, der irgendeine “Einstellungsänderung” bewirken soll (noch so ein Irrtum: zu glauben, man müsse nur das Denken ändern, und dann erfolgt das Verhalten automatisch).

Mottoziele

Viel überzeugender ist es, das Ziel so zu formulieren, dass es viele Handlungsoptionen ermöglicht.

Als Beispiel: “Offen und freudig lerne ich neue Menschen kennen” – “Ich erlaube mir auf meine Weise den Kontakt!”

Diese Mottoziele (entwickelt von Maja Storch[3]http://majastorch.de/) sind dadurch gekennzeichnet, dass sie das Selbst anregen und in der konkreten Situation unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten offen lassen.

Solche Mottoziele lassen sich recht einfach finden, indem man mit Bildern arbeitet und so eine Verbindung zum Selbst schafft.

Mottoziele adressieren an die Haltung. Wie der Mitarbeiter an die Sache herangeht ist entscheidend für seinen Erfolg! Einengende SMART-Ziele helfen gerade bei so komplexen Situationen wie Akquisitionstelefonaten wenig weiter. Natürlich bleibt man bei einem einmal gefundenen Mottoziel nicht stehen. Wenn das Mottoziel gut zum Selbst passt, eröffnen sich fast automatisch eine große Anzahl an Handlungsmöglichkeiten.

Ganz entscheidend ist das Bauchgefühl, dass einem sagt, ob das gewählte Mottoziel auch tatsächlich zum Selbst passt[4]vgl. Maja Storch, Motto-Ziele, S.M.A.R.T.-Ziele und Motivation, 2009 – in: Birgmeier, Bernd: Coachingwissen, 2009.

In meinen Coachings und Trainings arbeite ich systematisch mit Mottozielen: im Selbstmanagement, bei der Entwicklung von Konfliktfähigkeit, zur besseren Verhandlungsführung etc. Wenn Die Teilnehmenden einmal herausgefunden haben, wie sie sich selbst Mottoziele bilden können, ist diese Methode mit Gewinn in vielen Kontexten einsetzbar.

Die Erfahrungen sind so gut, dass ich heute getrost sage: vergesst SMART-Ziele![5]vgl. die Studie in Maja Storch, Motto-Ziele, S.M.A.R.T.-Ziele und Motivation, 2009. Hier wurde aufgezeigt, dass Motto-Ziele eine höhere Identifikation mit dem Ziel und einen höheren Umsetzungsgrad … Continue reading

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Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Drucker
2vgl. Julius Kuhl, Motivation und Persönlichkeit, 2001
3http://majastorch.de/
4vgl. Maja Storch, Motto-Ziele, S.M.A.R.T.-Ziele und Motivation, 2009 – in: Birgmeier, Bernd: Coachingwissen, 2009
5vgl. die Studie in Maja Storch, Motto-Ziele, S.M.A.R.T.-Ziele und Motivation, 2009. Hier wurde aufgezeigt, dass Motto-Ziele eine höhere Identifikation mit dem Ziel und einen höheren Umsetzungsgrad erreichen, als SMART-Ziele.
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