Blogheim.at LogoBlogheim.at Logo

Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt

Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt

Entscheidungen und Führung gehören zusammen

Klaus ist Leiter eines kleinen Unternehmens, das eine innovative App entwickelt hat. Das Team arbeitet ausgezeichnet zusammen. Mehrere Interessenten haben sich schon gemeldet, um das kleine Unternehmen zu kaufen. Die angebotene Summe ist für Klaus sehr verlockend – aber er wäre dann auf einen Schlag sein Unternehmen los. Soll Klaus sein Unternehmen, auf das er so stolz ist, aufgeben? Und was wird sein Team dazu sagen? Die wären mit einem Schlag ihre Arbeitsplätze los….

Manuela ist eine der Vorstandsdirektorinnen in einem Logistikunternehmen. Die Konkurrenz ist hart – besonders durch ausländische Dienstleister, die den Wettbewerb verschärfen. Nun steht sie vor der Frage, ob das Unternehmen vermehrt in die Entwicklung von All-In-One-Lösungen investieren soll. Dazu müssten erhebliche Geldmittel investiert werden, um Lösungen zu entwickeln. Im letzten Strategiemeeting wurden die Chancen als durchwachsen eingestuft, da man die weitere Entwicklung auf dem Logistiksektor schwer abschätzen kann. Wie soll sie sich entscheiden?

Diese und viele ähnliche Fälle zeigen einen wichtigen Aspekt von Führung: Entscheidungen treffen.

Entscheidungen als Grundphänomen des Mensch-Seins

Entscheidungen zu treffen ist jedoch nicht nur eine Domäne von Führungskräften. Tatsächlich ist unsere ganze menschliche Existenz auf Entscheidungen gegründet. Das liegt daran, dass wir als Menschen prinzipiell “in die Freiheit gestellt” sind, wie dies Martin Heidegger ausdrückt[1]Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1979 (1927).. Zwar ist nicht all unser Handeln immer und in jedem Augenblick frei – jedoch zeigt sich unsere Freiheit gerade dann, wenn wir vor Entscheidungen gestellt sind.

Soll ich diese oder jene Berufsausbildung machen?

Ist es für mich sinnvoll, ein Haus im Grünen zu erwerben?

Ist es wichtiger, einen Abend mit der Familie zu verbringen oder soll ich besser an meinem Projekt arbeiten?

Diese Fragen mögen alle recht banal sein – sie können jedoch erhebliche Konsequenzen haben: für mich persönlich und für andere. Gerade die Frage der Konsequenzen einer Entscheidung machen ja Entscheidungen oftmals schwer.

Entscheidungsfalle: “richtige” Entscheidungen finden

Was geschieht eigentlich genau bei Entscheidungen?

Gehe einmal in Gedanken in eine Entscheidungssituation. Wenn du versuchst zu beschreiben, wie der Prozess der Entscheidung abläuft, wirst du bemerken, dass du bei vielen Entscheidungen zunächst einmal in Gedanken die Zukunft vorweg nimmst. Martin Heidegger drückt die so aus, dass wir als Menschen auf Zukunft bezogen sind und in diese Zukunft gewissermaßen “vorlaufen”. In diesem gedanklichen Vorlaufen werden Möglichkeiten des Sein-Könnens erschlossen und dann gewählt.

Indem man als Mensch diese Wahl trifft, entscheidet man sich für eine mögliche Zukunft. Erst indem man diese Zukunft dann lebt, stellt sich heraus, ob die Wahl die “richtige” war.

Wir würden als Menschen natürlich allzu gerne wissen, was nach dieser Entscheidung kommt. Wir suchen nach einer Gewissheit für unsere Entscheidung, die wir eigentlich nur finden können, indem wir die Zukunft wagen.

Wenn wir Entscheidungsprozesse von der psychologischen Seite her betrachten, dann zeigt es sich, dass sich Menschen sehr darin unterscheiden, wie “wagemutig” sie sind.

Management-Entscheidungen der “alten Schule”

Die oben angedeuteten Grundprozesse finden sich auch in Entscheidungssituationen wieder, die wir in der Führung antreffen. Entscheidungen im Management werden vielfach (noch) von Menschen getroffen. Und wie Entscheidungen dann getroffen werden ist eng mit der eigenen Persönlichkeit verknüpft.

Nehmen wir einmal eine Führungskraft, die eher risikoscheu ist. Was zeichnet diese Herangehensweise an Entscheidungsprobleme aus?

  • Lange Problemanalyse
  • Einbeziehen möglichst vieler Meinungen
  • Suche nach ähnlichen Situationen in der Vergangenheit
  • Denken in Szenarios
  • Vermeiden von Fehlern
  • Suche nach der richtigen Entscheidung

Ein großer Vorteil dieser Methode ist die Tiefe der Analyse. Viele Aspekte und Gesichtspunkte der Situation kommen auf den Tisch. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und die Entscheidung letztlich gar nicht getroffen wird. Oder die Möglichkeiten sind so zahlreich, dass man dann in einen richtigen Lähmungszustand verfällt, der durch die Entscheidung für “irgendetwas” beendet wird.

Der Grund dafür ist, dass diese Methode stark mit der analytischen Gehirnhälfte arbeitet. Dieser Teil unseres Gehirns arbeite sequentiell und hat nur ausschnitthaften Zugang zu Erfahrungen. Zusammenhänge und komplexe Vernetzungen werden nicht erkannt. Im Extremfall wird das Problem zwar analysiert, aber gar nicht in der Tiefe durchdrungen. Viele Führungskräfte die so vorgehen merken das auch und haben das Gefühl, noch nicht alles “richtig verstanden” zu haben.

Daraus kann aber ein fataler Teufelskreis entstehen: wer meint, noch nicht alles “richtig” verstanden hat versucht vielleicht, das Problem noch tiefer zu durchdringen. Die linke Gehirnhälfte arbeitet quasi auf Hochtouren – kann jedoch das Gewünschte nicht liefern.

Überfordert in der VUCA-Welt

Der Begriff VUCA ist ein Akronym für die Begriffe[2]vgl.”Was bedeutet VUCA” von Melanie Vogel;

  • VOLATILITÄT (Volatility) – Veränderungen treten heute in einer ungewohnten Heftigkeit und Dynamik auf. Veränderungen geschehen plötzlich und sind oftmals radikal.
  • UNSICHERHEIT (Uncertainty) – Veränderungen und die Auswirkungen sind kaum berechenbar. Man fühlt sich überrumpelt. Weil die Prozesse oft schwer zu verstehen sind, wächst das Gefühl der Unsicherheit.
  • KOMPLEXITÄT (Complexity) – Es gibt immer weniger einfache Systeme. Globaler Handel, Industrie, Geldpolitik usw. sind vielfältig ineinander verflochten. Einzelne Entscheidungen können ungeahnte Wirkungen entfalten. Auch das individuelle Leben wird mehr und mehr Teil eines komplexen Gesamtzusammenhangs.
  • AMBIGUITÄT (Ambiguity) – Es gibt keine einfachen Ursache-Wirkungszusammenhänge mehr. Die Realität erscheint verwirrend, schwer zu durchschauen, oftmals mehrdeutig und unverständlich. Missdeutungen und Fehlinterpretationen nehmen zu.

Diese Begriffe[3]siehe auch WIKIPEDIA: Vuca verdeutlichen aus meiner Sicht sehr klar, warum ein Zugang mit dem analytischen Denken allein nicht ausreichend sein kann, um Entscheidungen zu treffen. Komplexe Systeme lassen sich nur zu einem sehr geringen Teil analysieren.

VUCA

Aspekte der VUCA-Welt

Aber was dann? Müssen wir vor der Komplexität resignieren? Ist es dann gar nicht möglich, zu Entscheidungen zu kommen, weil ein Manager das Ganze sowieso nicht durchblickt?

Entscheidungen mit gefühltem Wissen

Wir wollen nicht gleich das Kind mit dem Bad ausschütten. In der westlichen Welt haben wir uns vielleicht in den letzten Jahrhunderten zu sehr auf das rationale, analytische Wissen verlassen. Es geht uns offenbar wie dem Schüler in Goethes Faust, der voll stolz verkündet: “wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.” Zwar haben wir es “bis an die Sterne weit” gebracht, aber das analytische, rationale Wissen ist nur eine Komponente. Es taugt nicht recht, um Komplexität zu verstehen.

Damit das gelänge, müsste der analytische Verstand in der Lage sein, mehrere Aspekte gleichzeitig auf dem Schirm zu haben und eine Vielzahl an Informationen simultan zu verrechnen. Dazu wird jedoch ein anderes System gebraucht – das Selbst.

Fähigkeiten des Selbst-Systems

Kurz zusammengefasst hat das Selbst (oder Extensionsgedächtnis) folgende Fähigkeiten und Eigenschaften[4]vgl. Julius Kuhl; Motivation und Persönlichkeit, Hogrefe, 2001.:

  • Das Selbst ist ein ausgedehntes Netzwerk – vergleichbar mit einer riesigen Bibliothek oder einem Museum (Wissenslandkarte).
  • Erfahrungen, Emotionen, Werthaltungen, Motive… sind im Selbst auf eine einzigartige Weise organisiert.  Das ist im wesentlichen das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.
  • Alles das, was wir täglich erleben und für uns wichtig ist, wird im Selbst gespeichert, mit früheren Episoden verknüpft und Bestandteil unserer Persönlichkeit (episodisches Gedächtnis).
  • Als Netzwerk ist das Selbst in der Lage, auch mit unvollständiger Information zurecht zu kommen.
  • Das Selbst arbeitet ganzheitlich und stellt uns gefühltes Wissen zur Verfügung.
  • Das Selbst arbeitet am besten in entspannter, gelassener Stimmungslage. Zwar kann das Selbst Stress bis zu einem gewissen Grad gut regulieren – ab einer bestimmten Menge an Stress verliert das Selbst jedoch diese Fähigkeit. Man hat das Gefühl, nicht mehr recht “bei sich” zu sein.
  • Das Extensionsgedächtnis kann mehrere Informationen gleichzeitig (parallel) verarbeiten. Gerade in komplexen Situationen benötigen wir das Selbst, um bestmögliche Entscheidungen zu treffen.
  • Das Selbst hat eine Hintergrundaufmerksamkeit und spielt uns nützliches Wissen dann ein, wenn es gerade gebraucht wird.

Konsequenz

Aus allen diesen Funktionsmerkmalen zeigt sich, dass das Selbst als einziges psychisches System in der Lage ist, die momentane Situation mit dem eigenen Wissen, Erfahrungen, Werten, Motiven und Emotionen in Einklang zu bringen. Das Ergebnis dieses Abgleichs ist jedoch mehr ein gefühltes Wissen, eine Ahnung oder das sprichwörtliche “Bauchgefühl[5]Gerd Gigerenzer; Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Goldmann, 2008.”.

Auf diese innere Stimme – die meist recht leise spricht – zu hören, kann gerade in Entscheidungssituationen von Vorteil sein. Der analytische Verstand besitzt diese Integrationsleistung nicht – er soll sie auch nicht haben, denn seine Stärken liegen in der konsequenten Verfolgung eines einmal gefassten Entschlusses. Insofern ist es für Entscheidungsprozesse unabdingbar, dass Verstand und Selbst gut zusammenarbeiten. Nur so kann man die Komplexität hinreichend meistern [6]Mehr Hintergrundinformationen gibt es hier: “Die Geheimnisse deiner Psyche entschlüsselt!.

Hilfe für Klaus und Manuela

Wie können wir den beiden oben beschriebenen Führungskräften bei ihrer Entscheidung helfen? Wie können sie eine “gute Entscheidung” treffen?

Die Antwort ist einfach: das Selbst nutzen!

Hierzu gibt es 5 Wege, die ich auch mit Klienten im Coaching beschreite:

  1. Entschleunigung und Druck rausnehmen.  Kein Zeitdruck und sich beruhigen. Nur dann kommt man zu sich Selbst.
  2. Perspektive und Standort wechseln. Das Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln anschauen.
  3. Optionen erweitern. Hier gilt der Satz von Julius Kuhl: “Ab 3 beginnt die Unendlichkeit”. Solange man noch in der Entweder-Oder-Logik steckt, hat man noch nicht alle Möglichkeiten entdeckt. Andere Menschen einzuladen sich an der Suche nach Optionen zu beteiligen kann eine Hilfe sein. Aber auch Anregungen aus der Kunst können Wege zum Selbst öffnen (hör dir dazu auch die Podcastepisode 21 an, in der Monika Herbstrith-Lappe unter dem Stichwort “Werde der Regisseur deines Erfolgs” über Verbindungen von Theaterkunst mit Führungskunst spricht.
  4. Die Wertigkeit der Optionen erfühlen. Hier geht es darum, mit dem Körper zu erleben, wie sich die Optionen anfühlen.
  5. Der gefühlten Entscheidung vertrauen und dann umsetzen.

Entscheidungen aus dem gefühlten Selbst getroffen zu haben ist eine Erfahrung, die das eigene Leben ungemein bereichern kann. Wir sollten daher “Entscheidungsprobleme” als willkommene Gelegenheiten zu persönlichem Selbst-Wachstum verstehen – so verzwickt sie auch im ersten Moment sein können.

Denn das Selbst ist unser weiser Ratgeber – und wer auf diese Stimme hört, bekommt den guten Rat zum Nulltarif!

Liebe Leserin/lieber Leser jetzt interessiert mich deine Meinung:

  • Wie gehst du vor, wenn du schwierige Entscheidungen zu treffen hast?
  • Wie sind deine Erfahrungen mit dem Bauchgefühl?

Ich freue mich, wenn du gleich jetzt einen Kommentar verfasst!

Hier als Podcast-Episode nachhören

Wie du als Führungskraft gute Entscheidungen triffst

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Interview mit Dr. Artinger zum Thema "Entscheidungen"

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Bitte teilen. Vielen Dank

Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1979 (1927).
2vgl.”Was bedeutet VUCA” von Melanie Vogel
3siehe auch WIKIPEDIA: Vuca
4vgl. Julius Kuhl; Motivation und Persönlichkeit, Hogrefe, 2001.
5Gerd Gigerenzer; Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Goldmann, 2008.
6Mehr Hintergrundinformationen gibt es hier: “Die Geheimnisse deiner Psyche entschlüsselt!

Reif für die Insel? Entspannung tut not! So gelingt es…

Reif für die Insel? Entspannung tut not! So gelingt es…

Wer Höchstleistung bringen will, braucht Entspannung.

Endlich Zeit für Entspannung!

Endlich eine Auszeit!

Endlich frei sein!

So oder so ähnlich wirst du bestimmt schon gedacht haben, wenn der lang ersehnte Urlaub vor der Tür steht. Und in der Tat ist es für dich als Führungskraft oder UnternehmerIn entscheidend, längere Ruhephasen zu haben und für sich zu nutzen.

Doch gerade das Wort „Ruhephase“ löst bei dem einen oder anderen etwas aus: Unruhe!
Wer das ganze Jahr über gefordert ist, wer es gewohnt ist, sein Leben auf „Highspeed“ zu führen, dem kann ein zweiwöchiger Urlaub ganz schön Kopfzerbrechen bereiten. Tatsächlich: wenn du einmal die diversen Urlaubsaktivitäten kritisch betrachtest, wirst du feststellen, dass der “Highspeed-Modus” fortgesetzt wird. Nur mit anderen Mitteln sozusagen. So kann es dann kommen, dass man am Ende des Urlaubs irgendwie noch weniger erholt ist als vorher…

Falsches Entspannungskonzept

Dahinter steckt meines Erachtens zu einem guten Teil ein falsch verstandener Begriff von Entspannung. Oder um es genauer zu sagen: es geht vielen gar nicht um Entspannung, sondern um Ablenkung.

Das ist auch nur zu verständlich. Wenn man das ganze Jahr über mit allen möglichen Dingen beschäftigt ist, der möchte gerne in seinem Urlaub eine möglichst großen Abstand davon haben. Und: wer aus dem beruflichen Alltag größere und kleinere Sorgen in den Urlaub mitnimmt, der möchte eben vermeiden, dauernd daran erinnert zu werden. Ablenkungen werden an diversen Urlaubsdestinationen sonder Zahl geboten – also greift man zu.

Aber: was bewirken diese Ablenkungen? Wirst du dadurch wirklich entspannt?

In vielen Fällen bewirken die vielen Ablenkungen genau das Gegenteil. Man ist zwar den ganzen Tag über beschäftigt, aber trotzdem will sich oftmals die erhoffte Entspannung nicht einstellen.

Ablenkung bewirkt keine Entspannung sondern oftmals das Gegenteil…

Woran liegt das?

Was ist überhaupt Stress?

Stress ist ein beinahe naturgegebenes Phänomen, wenn man in einem Unternehmen Verantwortung trägt. Stress ist zunächst einmal eine komplexe Reaktion unseres Organismus auf Anforderungen von außen. Stresshormone werden ausgeschüttet und der Organismus schaltet einen Gang höher, um mit den Anforderungen zurecht zu kommen. So wird die Wahrnehmung geschärft, die Wachheit steigt, die Reaktionsgeschwindigkeit nimmt zu etc. Stress ist also genau das Gegenteil von Entspannung.

Bei mäßigem Stress ist es sogar so, dass man sich selbst besser spürt und das Gefühl hat, mehr bei sich zu sein. Auch das Flow-Gefühl setzt eine gewisse Portion Stress voraus. Mit diesem Eustress kommt der Körper gut zurecht. Voraussetzung ist allerdings, dass die Stresshormone auch gut abgeführt werden können. Dies gelingt durch ausreichend Bewegung, gute Ernährung und ausreichende Ruhephasen (Schlaf!) und bewusste Phasen von Entspannung.

Eine mäßige Form der Anspannung – gefolgt von Phasen der Entspannung – wirkt leistungsfördernd.

Allerdings: wer zu vielen Reizen ausgesetzt wird, erreicht rasch eine Situation, in der der Organismus mit dem Stress nicht mehr zurecht kommt. Das nennt man Distress.

Um Distress zu vermeiden, gilt es zuallererst, die Menge an Umweltreizen auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren. Daraus folgt, dass das Konzept Entspannung durch “Ablenkung” nicht so gut funktioniert. Wer im Urlaub alles daran setzt, möglichst viel zu erleben riskiert, aus dem Stressmodus gar nicht mehr herauszukommen und die Entspannung gar nicht mehr zu finden. Genauere Infos zum Thema Stress findest du auch im Artikel “Nutze deine Selbstführungskompetenzen gegen Stress

Der Hippocampus – die Stressregulationszentrale

Eine besondere Rolle bei der Stressbewätigung spielt eine Struktur im Gehirn: der Hippocampus. Diese Formation sieht einem Seepferdchen ähnlich (daher auch der Name). Der Hippocampus spielt eine besondere Rolle dabei, die Erlebnisse des Tages in unser Langzeitgedächtnis überzuführen und mit früheren Erfahrungen zu verbinden. Man nennt dieses Gedächtnis auch “episodisches Gedächtnis” und will damit aussagen, dass in diesem Gedächtnis deine Lebenserfahrungen, Gefühle, Werte, Einstellungen etc. in einem riesigen Netzwerk verbunden sind. Dieses Gedächtnis beinhaltet auch den Kern deiner Persönlichkeit – dein Selbst.

Der Hippocampus organisiert jedoch nicht nur unsere Erfahrungen, sondern er hilft dabei, deine Erfahrungen in bestimmten Situationen abzurufen. Das ist besonders wichtig, wenn du in eine Situation kommst, die dich beunruhigt (z.B. vor einem Vortrag). Der Hippocampus kann nun in dieser Situation Erfahrungen in dein Bewusstsein bringen, die dir helfen, dich zu beruhigen (z.B. wenn du dich an eine Episode erinnerst, in der du einen blendenden Vortrag gehalten hast, obwohl du aufgeregt warst).

Der Hippocampus funktioniert also in zwei Richtungen:

  • neue Erfahrungen aufzunehmen, zu organisieren und mit der eigenen Persönlichkeit zu verbinden und
  • das Selbst zu aktivieren, damit es die Ressourcen bereitstellt, die in der aktuellen Situation gebraucht werden

Stress reduziert die Hippocampus-Aktivität

Eine gewisse Portion an Stress ist also förderlich, um gute Leistung zu erbringen. Der sogenannte “Flow-Zustand” ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass eine leichter Stress besteht, der die Aktivität des Hippocampus anregt. Beim Stress werden Stresshormone (Cortisol) gebildet. Der Hippocampus besitzt nun Stressmelder, die vereinfacht gesagt, dafür zuständig sind, dass die Stresshormone aus dem Körper entfernt werden.

Wenn allerdings der Stress länger andauert leidet darunter die Hippocampusaktivität. Dadurch können nun die höheren Hirnprozesse nicht mehr so gut wirksam sein. Die herausfordernden Stresssituationen können dann nicht mehr so gut bewältigt werden. Das Verhalten wird dann weniger differenziert – Emotionen können weniger gut gemanagt werden.

Das System läuft heiß!

Zu allem Übel kommt noch: häufige Stresssituationen, die den Hippocampus übermäßig belasten, führen auch dazu, dass der Hippocampus geschädigt wird. Es genügt dann schon eine kleine Dosis und das System läuft heiß.

Kennzeichen guter Leistung

Es ist, so denke ich, ziemlich klar, dass Stressreduktion notwendig ist, um wirklich gute Leistung erbringen zu können. Was sind nun die Kennzeichen guter Leistung?

  • Selbstbestimmung – etwas aus sich selbst heraus zu tun
  • Selbstmotivation – die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen auf die positiven Dinge zu schauen
  • Frustrationstoleranz – auch bei Schwierigkeiten am Ball bleiben und nicht aufzugeben
  • Konzentrationsfähigkeit – sich mit einer Sache zu beschäftigen und Störungen von innen und außen zu unterbinden
  • Initiativkraft – die Aufgaben (auch wenn sie vielleicht mühsam sind) rasch anzupacken statt vor sich herzuschieben
  • Selbstberuhigung – die Fähigkeit, in einer akuten Stresssituation negative Gefühle wieder zu beseitigen
  • Misserfolgsbewältigung – nach einem Misserfolg nicht lange zu grübeln, sondern die Lehren daraus zu ziehen und zu neuen Taten aufzubrechen

Diese Kompetenzen sind Aspekte der Selbststeuerung (lies auch hier nach). Die Selbststeuerung ist notwendig, damit du in der Lage bist, dein Denken und Handeln auf ein bestimmtes Ziel zu fokussieren. Die Selbststeuerung ist vergleichbar mit einem Dirigenten, der das Orchester koordiniert. So ähnlich verhält es sich auch bei der menschlichen Persönlichkeit: alle Prozesse müssen ja koordiniert und gesteuert werden. Diese Fähigkeiten sind individuell verschieden. Heute sind wir in der Lage, diese Fähigkeiten zu messen und gezielte Programme zur Verbesserung anzubieten. Dazu biete ich spezielle Programme an.

Wer leisten will braucht sein Selbst

Wenn du einmal nachdenkst, wie du dich in einer Stresssituation verhältst, dann wird dir auffallen, dass du in vielen Stresssituationen das Gefühl hast, nicht ganz bei dir selbst zu sein. Vielleicht fühlst du dich:

  • fremdgesteuert
  • nicht bei dir
  • kopflos
  • wie ein Automat, der funktioniert
  • erschöpft
  • ….

All das sind Anzeichen dafür, dass dir der Selbstzugang abhanden gekommen ist. Wer aber sein Selbst los ist, der agiert nicht mehr aus dem ganzheitlichen Überblick, sondern versucht, irgendwie durchzukommen, indem das Nächstbeste in Angriff genommen wird.

Die beste Stressprophylaxe und die beste Erholung ist es, wieder mit dem Selbst in Kontakt zu kommen.

Was macht das Selbst aus?

Mit dem Selbst ist das so eine Sache: das, was du selbst bist, was deine Persönlichkeit ausmacht ist dir selbst ja nur in Teilen bewusst. Diese Erfahrung ist dir sicher sehr geläufig. Andere Menschen nehmen z.B. Eigenschaften an dir wahr, die du so noch nicht gekannt hast. Oder du machst eine wichtige Lebenserfahrung und schlagartig werden dir Aspekte von deiner Persönlichkeit bewusst, die du vorher noch nicht gekannt hast.

Um an sich selbst heranzukommen nützt es häufig wenig, sich zu analysieren. Viel besser ist es, zu fühlen und zu spüren, was man will und was einen als Person ausmacht. In der Psychologie sagt man auch, dass das Selbst in einem “impliziten Format” vorliegt. Das Selbst ist also irgendwie da und wirksam – aber in allen Facetten lässt es sich nicht beschreiben. Die Wirksamkeit des Selbst lässt sich daran zeigen, dass das Selbst eine Hintergrundaufmerksamkeit hat und prüft, inwieweit das, was du tust, mit dir übereinstimmt. Wenn der Selbstbezug durch Stress gelitten hat, dann kann es dieser Aufgabe nicht gut nachkommen und Entfremdungserlebnisse können die Folge sein.

Wie kannst du dein Selbst stärken?

Im Prinzip durch alles, was dich dir selbst näher bringt. Hier ein paar Anregungen (nicht nur für den Urlaub, sondern auch im Beruf)

  1. Durchforste deine To-Do-Liste und deine Projekte. Welches sind deine Herzensanliegen? Versuche diesen bewusst mehr Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken
  2. Suche dir einen Gesprächspartner, der dir nur zuhört – ohne dir Tipps zu geben. Jemanden, der für dich da ist (ein guter Freund, Bekannter, Coach).
  3. Achte auf Phasen der Ruhe und Besinnung, in der “nichts” geschieht. Keine störenden Ablenkungen, keine Beschäftigungen. Versuche dich selbst zu spüren. Schließe die Augen und schalte einmal bewusst einen Sinneskanal aus.
  4. Reflektiere deine Werthaltungen. Was ist dir wichtig? Wofür setzt du dich ein? Bewusste und Unbewusst wirksame Motivatoren und Werte lassen sich heute messen und analysieren!
  5. Lass deiner Kreativität freien Lauf! Nicht um “etwas” zu leisten, sondern sei neugierig, wie sich dein Selbst ausdrückt (Musik, Tanz, Malerei, Singen…)
  6. Beschäftige dich mit Kunst. Du kannst ein Museum besuchen und schauen, welches Kunstwerk dich anspricht. Was sagt das über dich aus?
  7. Erzähle anderen von früher. Solche “Dialogkreise” kannst du selbst anregen. Hier kommt es nur darauf an, dass jeder sich aussprechen kann – ohne Diskussion.
  8. Mache bewusst einen Blick in die Vergangenheit. Schaue dir Fotoalben, Bücher, Orte deiner Kindheit an. Das bringt dich zu dir selbst!
  9. Führe ein Tagebuch.
  10. Stelle dir vor, dein Leben ist zu Ende. Was würdest du über dich schreiben? Wie ist das Leben verlaufen? Was waren die Erfolge? Was ist offen geblieben?
  11. Entwirf eine Vision deines Lebens. Wo könnte es hingehen?

Es gibt noch viele weitere Fragestellungen, die dein Selbst stärken. Du merkst aber auch, dass ein bisschen “Selbstkonfrontation” auch dazugehört. Ohne den Blick auf den einen oder anderen “Stolperstein” ist kein Selbstwachstum möglich. Wenn du dein Selbst jedoch stärkst, hast du langfristig viel mehr davon, als wenn du dich bloß ablenkst und den nächsten Kick suchst um vorhandenen Stress zu reduzieren.

Wenn dich diese Fragen angesprochen haben, dann leg einfach los. Wenn du meine Unterstützung bei diesem Prozess brauchst – ich bin gerne für dich da. Mit einer wissenschaftlich fundierten Methode kannst du bei mir deine Persönlichkeit analysieren lassen. Gemeinsam entwickeln wir dann einen Plan, wie du mit gestärktem Selbst deine täglichen Herausforderungen bestmöglich meistern kannst.

In diesem Sinnen schönen (Rest-)Urlaub und frohes Schaffen!

Du kannst einen wissenschaftlich validen Online-Test machen, der dir zeigt, wie gut dein Selbstzugang schon entwickelt ist. Dazu erhältst du ein Stressprofil, das es dir ermöglicht zu entscheiden, welche Kompetenzen du noch entwickeln solltest.

Du erhältst von mir ein 45-minütiges Coaching. Ich zeige dir, wo du ansetzen kannst und entwickle mit dir einen Umsetzungsplan. So kannst du Schritt für Schritt deine Kompetenzen ausbauen.

Klicke den Link, teste und entwickle deine Stressbewältigungskompetenzen. Ein wertvolles Investment in ein erfülltes Leben.

Hier als Podcast-Episode nachhören

Ohne Entspannung keine Höchstleistung

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Täglich 1 Stunde mehr Freizeit!

Bitte teilen. Vielen Dank

Wage den Sprung und setze um mit dem Rubikon-Modell

Wage den Sprung und setze um mit dem Rubikon-Modell

Das Rubikon-Modell der Handlungsphasen

“Alea jacta est!” – “Der Würfel ist gefallen!”

Wer kennt diesen Ausspruch nicht.

Angeblich soll ihn Julius Cäsar geäußert haben, als er 49 v. Chr. mit etwa 5000 Mann den Rubikon überschritten hatte, um seiner Entmachtung zuvor zu kommen. Da diese Tat einer Kriegserklärung gegen Rom gleichkam, war Cäsar wohl bewusst, dass es danach kein Zurück mehr gab. Nun – Cäsar war erfolgreich und herrschte noch weitere 5 Jahre lang[1]vgl. Wikipedia; Gaius Julius Cäsar.

Die Redewendung: “Er hat den Rubikon überschritten” ist heute im allgemeinen Sprachgebrauch zu finden. Damit möchte man ausdrücken, dass sich jemand für eine unwiderrufliche, riskante Handlung entschieden hat. Wer den Rubikon überschritten hat weiß, dass es ab diesem Zeitpunkt kein Zurück mehr gibt[2]vgl. Wikipedia; Rubikon.

Der Motivationspsychologe Heinz Heckhausen hat gemeinsam mit Peter M. Gollwitzer das “Rubikonmodell der Handlungsphasen” entwickelt, das untersucht, wie aus Absichten Taten werden.

Die Kenntnis des Rubikon-Modells und die Umsetzung der daraus ableitbaren Schlussfolgerungen hilft, Absichten umzusetzen. Aufschieben – Prokrastination – kann damit in vielen Fällen verhindert werden.

Die 4 Phasen im Rubikon-Modell

Stell dir einmal vor, du möchtest etwas für deine Fitness tun. Es stört dich, dass du einfach zu viel Gewicht hast. Auch dein Arzt hat bei der letzten Untersuchung gemeint, jetzt sei es wirklich hoch an der Zeit, etwas zu unternehmen.

Also, du merkst, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Du hast also den Wunsch nach Verbesserung deiner Fitness. Vielleicht hast du auch eine starke Vision, wie gut du dich fühlen wirst, wenn du erst einmal regelmäßig Sport getrieben hast.

Auf dem Weg vom Wunsch zur Zielrealisierung durchläuft man vier Phasen:

  • Abwägen
  • Planen
  • Handeln
  • Bewerten

In jeder dieser Phasen sind unterschiedliche psychologische und neuronale Prozesse wirksam.

Rubikonmodell

Übersicht über das Rubikonmodell

Phase des Abwägens

In Gedanken sammelst du nun einige Ideen, was du alles tun könntest: joggen, schwimmen, Rad fahren, wandern, Fitnessstudio besuchen, Gymnastik, Yoga usw. Auf dieser Stufe werden also eine große Anzahl von Wünschen und Anliegen produziert. Diese sind mit den Basismotiven: Beziehung, Leistung, Durchsetzung verbunden.

So ist zu erwarten, dass ein leistungsmotivierter Mensch wahrscheinlich mehr Ideen produziert, die in Richtung eigener Verbesserung gehen oder Konkurrenzaspekte beinhalten. In unserem Beispiel motiviert eine leistungsorientierte Person vielleicht die Vorstellung, in einen Laufclub einzutreten, der auch Wettbewerbe anbietet.

Beziehungsmotivierte Menschen produzieren eher Wünsche und Anliegen, die Begegnung mit anderen Zulassen. In unserem Beispiel ist das vielleicht das Wandern mit der Partnerin, bei der man sich austauschen kann.

Durchsetzungsmotivierte Menschen werden bevorzugt eine Tätigkeit wählen, bei der sie für etwas Verantwortung übernehmen oder anderen etwas beibringen können. Vielleicht organisieren diese Menschen eine Klettertour, die sie führen können.

Wie man auswählt

Die große Menge an Ideen können natürlich nicht alle realisiert werden. Es kommt zu einer Phase des Abwägens und Auswählens. Das geschieht in mehreren Richtungen.

  • Ist das Ziel für mich überhaupt wünschbar?
  • Habe ich die notwendigen Mittel (Ressourcen)?
  • Ist mein Wunsch, meine Idee überhaupt realisierbar?

Mit anderen Worten ist die Attraktivität eines Vorhabens von den Faktoren abhängig:

  • Bedeutung und Wünschbarkeit des Zieles für mich (Valenz) [V]
  • Erwartung, dass meine Bemühungen einen Beitrag zum angestrebten Ziel leisten [E]

Diese Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie von Vroom hilft, die Voraussetzungen aufzuklären, die gegeben sein müssen, damit ein Individuum überhaupt ein Ziel weiter verfolgt. Die Entscheidung für ein Ziel ist damit das Produkt von Valenz und Erwartung. Also Entscheidung=V*E

In unserem Beispiel werden also die Ideen mit den eigenen Motiven und auch mit der Erwartung der Zielerreichung abgeglichen. Dabei spielen Vorerfahrungen eine wichtige Rolle. Wenn jemand z.B. schon früher regelmäßig gejoggt hat, aber das Körpergewicht gleichgeblieben ist, wird er die Erwartung an diese Tätigkeit niedrig ansetzen und sie daher aus den Überlegungen ausscheiden.

Über den Rubikon gehen

Damit du allerdings wirklich ins Tun kommst genügt es nicht, über alle möglichen Ideen zu grübeln oder sich eine Menge an Alternativen auszumalen. Tatsächlich liegt in der Abwägephase auch eine gewisse Gefahr: sich in Träumen und Ideen zu verlieren. Wer zu einer Idee oder Vorstellung ergänzende Informationen benötigt, der bekommt sie einfach via Smartphone oder Laptop in Sekunden geliefert. Was Bill Gates 1995 noch als Vision formuliert hat, nämlich “information at your fingertips[3]vgl. Comdex Keynote von Bill Gates” zu erhalten, ist heute schon längst Realität.

Wenn aber einmal der Zugang immer neuer Information leicht gegeben ist, steigt die Tendenz des Abdriftens in immer neue Ideen und Möglichkeitsräume exponentiell.Ich kenne viele hochmotivierte und begabte Menschen, die vor Ideen sprühen, aber nur wenig davon realisieren – gerade weil sie sich nicht fokussieren können, sondern nur mit dem Aufnehmen beschäftigt sind.

Alles kommt darauf an, dass Wünsche und Träume in konkrete Ziele umgewandelt werden. Das bezeichnet man als das Überschreiten des Rubikons. Ein klares Ziel beendet das Abwägen.

Was geschieht psychologisch bei diesem Vorgang?

Während in der Abwägephase unser Selbstsystem extrem aktiv wird, ruft ein klares Ziel die exekutiven Zentren in unserem Gehirn auf. Der Organismus wird auf “Go” gestellt und die Realisierung kann in Angriff genommen werden. Ein verbindliches Ziel erwirbt einen starken Verbindlichkeitscharakter, und man fühlt sich verpflichtet, das Ziel auch tatsächlich anzustreben.

Wenn du einmal aufmerksam dich selbst beobachtest, dann kannst du in vielen Alltagssituationen diesen Prozess wahrnehmen. Bevor du dich zu einer Aktivität entschließt, gibt es eine mehr oder weniger deutlich fühlbare Abwägephase.

Phase der Planung

Es wird dir nicht unbekannt sein, dass für viele Ziele und Vorhaben, die du anstrebst, längere Planung notwendig ist. Wahrscheinlich verhält es sich mit der Mehrzahl der Vorhaben so, dass das Vorhaben nicht spontan umgesetzt werden kann, sondern die Mittel und Wege klug bedacht werden müssen. Mit anderen Worten: bevor du dein neu gebildetes Ziel in Angriff nehmen kannst, musst du dir überlegen, welche Handlungen zum Ziel führen. Auch die Reihenfolge der Handlungen ist oftmals entscheidend für die Zielerreichung.

In der Planungsphase wird vor allem der präfrontale Cortex – das Hirngebiet, das für die Aufrechterhaltung von Absichten zuständig ist – besonders aktiv. Diesen Teil bezeichnet man auch als Absichtsgedächtnis. Seine Aufgabe ist es, Vorhaben und Intentionen zu speichern – und zwar so lange, bis es eine Gelegenheit gibt, das Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Beispielsweise wenn du in einer Diskussion mit dem Team bist und deine Meinung kundtun möchtest, eine andere Person jedoch am Wort ist. Im Allgemeinen wirst du nicht einfach unterbrechen, sondern warten, bis eine Gesprächspause entsteht, in der du dann das Wort ergreifen kannst. Dies ist ein einfaches Beispiel dafür, wie eine Absicht in eine Handlung übergeführt wird.

Phase der Handlung

Wenn ein Plan umgesetzt werden soll bedeutet das für dich:

  • Handlungsoptionen zu erkennen
  • Hartnäckig das Ziel zu verfolgen
  • Auftretende Schwierigkeiten zu bewältigen

Ein gut ausgebildetes Absichtsgedächtnis hilft dir dabei. Es unterstützt dich beim hartnäckigen Dranbleiben und bei der Bewältigung von Rückschlägen.

Allerdings ist in der Handlungsphase auch noch ein anderes System in unserem Gehirn aktiv: die intuitive Verhaltenssteuerung. Dieses System stellt dir Handlungsroutinen bereit, um rasch und zuverlässig handeln zu können. Studien von Julius Kuhl haben gezeigt, dass dieses System besonders gut arbeitet, wenn man in einer positiven Stimmung ist.

Um also möglichst erfolgreich und zielstrebig zu handeln, ist es wichtig, dass Absichtsgedächtnis und intuitive Verhaltenssteuerung gut miteinander kooperieren. Typischerweise ist das Planen einer Handlung selten mit positiven Emotionen verknüpft. Es herrscht meist eine sachliche, nüchterne Stimmung vor. Das ist auch leicht nachvollziehbar:  wenn dein Ziel, dein Traum, dein Wunsch deutlich vor dir steht, dann möchtest du bestimmt gleich loslegen, Stellst du nun fest, dass es noch viele Schritte braucht, um zum Ziel zu kommen, kann das dir auch schon einmal die Lust nehmen. Alles kommt darauf an, die Planungsphase als “notwendiges Übel” zu betrachten und im entscheidenden Moment positive Emotionen wie Freude oder Begeisterung aufzurufen, damit du wirklich loslegen kannst[4]Zu den genannten Hirnsystemen lese auch den Beitrag: “Die Geheimnisse deiner Psyche – entschlüsselt.

Phase der Bewertung

In dieser Phase steht die Auswertung im Vordergrund. Die Ergebnisse werden mit den am Anfang gesteckten Zielen verglichen. Typische Fragen in dieser Phase sind:

  • Wie gut wurde das Ziel erreicht?
  • Sind die erhofften positiven Konsequenzen meines Handelns auch wirklich eingetroffen?
  • Ist die Absicht, die das Handeln notwendig machte, zur Gänze erledigt?
  • Wenn das Ziel nicht erreicht wurde: müssen andere Mittel zur Zielerreichung eingesetzt werden oder wird das Ziel zur Gänze fallen gelassen?

Handlungskreislauf Rubikon

Handlungskreislauf

Das Zusammenspiel der einzelnen Phasen siehst du in dieser Übersicht:

Tipps – so zündest du den Umsetzungsturbo

  • Gönne dir Zeit zur Entwicklung deiner Ideen!
  • Ideen gedeihen in einer ruhigen und entspannten Umgebung.
  • Entwickle Ideen in Kommunikation mit anderen
  • Nutze auch kreative Zugänge um deine Kreativität anzuzapfen
  • Lasse dich von anderen inspirieren
  • Versuche nicht, sofort die “richtige” Idee zu finden.
  • Bewerte deine Ideen nach deinem Engagement. Wofür brennst du?
  • Wenn du die Idee gefunden hast, dann verpflichte dich dazu.
  • Schreibe dir dein Vorhaben auf.
  • Mache dir einen Plan.
  • Widerstehe der Versuchung, zu viel zu planen. Eine ungefähre Richtung ist manchmal sinnvoller als zu viel Zeit in die Details zu investieren.
  • Fange einfach an!
  • Belohne dich, wenn du Teilschritte bzw. Meilensteine erreicht hast.
  • Verstehe Misserfolge als wertvolle Feedback um noch besser zu werden.
  • Suche den Austausch mit anderen oder investiere in einen Coach.

Wie geht es weiter?

Es gibt ein wissenschaftliches Testverfahren, mit dem du deine Stärken und Schwächen in der Handlungssteuerung im Detail herausfinden kannst. Dazu machst du einen einfachen Onlinetest, der an der Universität Osnabrück entwickelt wurde. Der Test dauert ca. 20 Minuten. Du erhältst ein detailliertes Testergbenis mit konkreten Ansatzpunkten zur Verbesserung. Dazu gibt es ein 45-minütiges Rückmeldegespräch per Skype.

Du kannst diesen Test gleich hier buchen!

Gerne kannst du auch in den Kommentaren deine Fragen posten – ich beantworte sie gerne!

Blogpost als Podcastepisode anhören...

Das Rubikon-Modell: So setzt Du Deine Vorhaben um!

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Bitte teilen. Vielen Dank

Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1vgl. Wikipedia; Gaius Julius Cäsar
2vgl. Wikipedia; Rubikon
3vgl. Comdex Keynote von Bill Gates
4Zu den genannten Hirnsystemen lese auch den Beitrag: “Die Geheimnisse deiner Psyche – entschlüsselt

Ist deine Kommunikation in der Führung wirklich exzellent?

Ist deine Kommunikation in der Führung wirklich exzellent?

5 Punkte die deine Kommunikation auf Erfolgskurs bringen

Ein wesentlicher Faktor für deinen Führungserfolg ist deine Fähigkeit zur erfolgreichen zwischenmenschlichen Kommunikation. Um es auf den Punkt zu bringen: ohne exzellente Kommunikationsfähigkeiten wird auch dein Führungserfolg nur mäßig ausfallen.

Um deine Kommunikation im Unternehmen erfolgreich zu machen, gilt es einige Punkte zu beachten.

1. Du kannst nicht nicht kommunizieren

Diese Aussage stammt von Paul Watzlawick (1921-2007). Dieser bedeutende Kommunikationsforscher wollte damit zum Ausdruck bringen, dass “Kommunikation” nicht nur “miteinander reden” bedeutet. [1]Dargelegt hat Watzlawick seine Forschungen zur Kommunikation in seinem sehr lesenwerten Buch “Menschliche Kommunikation, Huber, 1985

Natürlich sind Gespräche, Meetings, Telefonate etc. wichtige Kommunikationsformen.

Aber auch die Art, wie schriftliche Kommunikation gestaltet ist oder wie du dich kleidest, sagt etwas über dich aus und ist eine Information.

Sogar Schweigen ist eine Ausdrucksform. Etwa wenn in einem Meeting jemand etwas Unpassendes sagt, und alle betreten auf den Tisch blicken.

Im Grunde wird damit ausgesagt, dass wann immer du mit anderen Menschen interagierst, du eine Wirkung hinterlässt. Entscheidend ist für deinen Erfolg, dass du deine Kommunikationsabsicht und deine tatsächliche Kommunikationswirkung beobachtest und hinterfragst. Erfolgreich bist du dann, wenn Absicht und Wirkung übereinstimmen. Gibt es hier eine große Differenz, wirst du kaum erfolgreich sein. Wenn du etwa in einem Mitarbeitergespräch Vertrauen aufbauen möchtest, deine eingesetzten kommunikativen Wirkungsmittel jedoch deinen Gesprächspartner verunsichern (z.B. indem du wenig Blickkontakt hältst), ist deine Kommunikation einfach nicht erfolgreich.

Was heißt das für dich?

Schärfe deine Wahrnehmung dahingehend, welche Botschaften du neben dem gesprochenen Wort sonst noch sendest.

  • Wie benützt du die Kommunikationselemente: Körpersprache, Tonfall, Mimik und Gestik?
  • Wie trittst du nach außen auf?
  • Was kommuniziert dein Team nach außen?
  • Wie stellt sich dein Team dar?
  • Wie gestaltest du deine schriftliche Kommunikation?
  • Was kommunizieren Logos, Schriften, Website?

Reflektiere regelmäßig deine Kommunikationsabsicht und deine tatsächliche Wirkung

2. Feedback als Schlüssel zum Erfolg

Wie kannst du herausfinden, ob Absicht und Wirkung übereinstimmen?

Das gelingt dir durch Feedback.

Kurz gesagt ist Feedback[2]vgl. Wikipedia: Feedback  eine Rückübermittlung von Informationen deines Kommunikationspartners an dich.

  • Feedback kann sich auf den Sachinhalt beziehen. Das Aktive Zuhören ist eine der Methoden, bei der man sich Feedback über den Sachinhalt gibt. Dies geschieht dadurch, dass du als Nachrichtenempfänger den Sachinhalt in eigenen Worten wiedergibst,
  • Feedback gibt es auch in Bezug auf die Beziehungsebene. Durch das Feedback werden Emotionen, Stimmungen und Wirkungen angesprochen.

Feedback ist somit eine der wichtigsten Techniken der Klärung von Kommunikation. Missverständnisse können vermieden werden. Beziehungsstörungen können frühzeitig aufgelöst werden. Zudem signalisiert Feedback auch echtes Interesse am Gesprächspartner. Gleichzeitig hilft es, das Selbstbild mit dem Fremdbild abzugleichen.

Damit Feedback gut funktioniert, beachte folgende Regeln:

Regeln für den Feedbackgeber

  1. Ruhig und sachlich.
  2. Beschreibend statt bewertend.
  3. Sachlich richtig und durch Fakten belegbar.
  4. Konkret statt allgemein und pauschal.
  5. Beziehe dich auf Beobachtungen.
  6. Unterlasse Vermutungen und Interpretationen.
  7. Gib keine Pauschalurteile ab (“Sie sind immer am Telefon unfreundlich!”)
  8. Stelle dich auf deinen Partner ein. Formuliere partnerorientiert, angemessen und vermeide Übertreibungen.
  9. Sprich von deiner Wahrnehmung (“Mir ist aufgefallen…” “Ich habe gestern gesehen….”) und der Wirkung, die das Verhalten auf dich gehabt hat (“Auf mich hat das gegenüber dem Kunden sehr abweisend gewirkt.”)
  10. Frage nach, wie das Feedback angekommen ist.

Regeln für den Feedbacknehmer

  1. Höre mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu. Besonders bei kritischem Feedback denkt man häufig schon an eine Gegenstrategie – wichtige Aspekte des Feedbacks können so verloren gehen.
  2. Versuche genau zu verstehen, was der andere meint.
  3. Stelle Fragen.
  4. Reformuliere das Feedback (“Sie meinen also…” Sie haben den Eindruck…” Wenn ich Sie richtig verstehe…”)
  5. Betrachte Feedback als Information über deine Wirkung.
  6. Frage nach konkreten Beispielen und Situationen, falls dein Gesprächspartner pauschal argumentiert.
  7. Vermeide es, dich zu verteidigen.
  8. Sage, was du am Feedback hilfreich findest.
  9. Sprich aus, wenn du das Feedback (oder Teile davon) als unangemessen findest.
  10. Teile mit, wie es dir nach dem Feedback geht. Wie hat das Feedback auf dich gewirkt?

Lies in diesem Zusammenhang auch meinen Beitrag zum Thema Aktives Zuhören.

Auch die Ich-Botschaften sind ein Anwendungsfall des Feedbacks. Ein Arbeitsblatt findest du hier.

Weitere Informationen zum Thema findest du in den Arbeitsblättern von Werner Stangl.

Was heißt das für dich?

  • Frage nach deiner Wirkung, indem du Feedback einholst.
  • Übe dich im Geben von Feedback.
  • Gib auch deinem Vorgesetzten konstruktives Feedback (z.B. im Mitarbeitergespräch).
  • Betrachte Feedback zu deiner Person als Bereicherung!

3. Unterscheide Sach- und Beziehungsebene

Zwischenmenschliche Kommunikation spielt sich auf 2 Ebenen ab.

Auf der Sachebene vermittelst du deinem Gesprächspartner Sachinhalte. Auf dieser Ebene steht im Zentrum, was du deinem Gesprächspartner vermitteln möchtest. Folgende Faktoren sind für den Erfolg entscheidend:

  • Einfachheit – Kurze Sätze, Fremdwörter werden erklärt
  • Klarheit und Prägnanz
  • Folgerichtigkeit der Gedanken
  • Anschaulichkeit

Kommunikation ist jedoch mehr als ein Austausch von Worten.

Tatsächlich werden in jeder Kommunikationssituation auch Emotionen transportiert. Mit Emotionen drücken wir aus, wie wir zueinander stehen. Diese Beziehungsebene spielt eine entscheidende Rolle in der Kommunikation.

Wenn die Beziehungsebene mit Begriffen wie: Offenheit – Wertschätzung – Vertrauen bezeichnet werden kann, wird es deinem Gesprächspartner leicht fallen, sich dir gegenüber zu öffnen. Das ist zum Beispiel in Verhandlungssituationen von unschätzbarem Wert. Verhandlungen laufen nicht gut, wenn sich die Verhandlungspartner bedeckt halten und Informationen zurückhalten. Umgekehrt gilt: in einem Klima der Offenheit wird es leichter fallen eine sachgerechte Lösung zu finden, denn Interessen und Optionen liegen auf dem Tisch.

Modell Sach- und Beziehungsebene

Kleiner Test

Erinnere dich an ein produktives Gespräch mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin.
Dann analysierst du ein Gespräch, das weniger gut gelaufen ist. Finde die Unterschiede in der Beziehungsgestaltung heraus. Dazu kannst du diese Tabelle benutzen (ausdrucken und die Einschätzungen eintragen).
01 ist die schwächste Ausprägung
10 ist die stärkste Ausprägung

Emotionen in Gesprächen

EmotionPositive Gesprächssituation
(1-10)
Negative Gesprächssituation
(1-10)
offen
herzlich
freundlich
konstruktiv
sachlich
zurückhaltend
angespannt
misstrauisch
destruktiv
aggressiv
Summe

Vergleiche die Ergebnisse.

Gibt es Unterschiede in den Emotionen? Was könntest du beim nächsten Mal unternehmen, um die Beziehungsebene zu verändern?

In meinen Coachings und Seminaren lernen Führungskräfte, wie man die Beziehungsebene gezielt beeinflussen und gestalten kann. Damit werden Gespräche und Meetings erfolgreicher.

Was heißt das für dich?

  • Lerne zwischen Sachinhalt und Beziehungsinhalt zu unterscheiden
  • Setze bewusst Beziehungsbotschaften ein, um die Beziehungsebene positiv zu gestalten
  • Trainiere dich in der Wahrnehmung von Beziehungsbotschaften.
  • Setze die oben genannten Feedbackregeln für die Herstellung einer positiven Beziehung ein, wenn eine Beziehungsstörung auftritt.

4. Achte auf die nonverbale Kommunikation

Die Bedeutung der nonverbalen Kommunikation, also all jene nichtsprachlichen Signale, die das menschliche Kommunizieren begleiten, wird von niemandem bestritten. Allerdings gibt es undifferenzierte Vorstellungen davon, welchen Anteil die nonverbalen Signale an der Kommunikation haben. Das wollen wir uns jetzt ein bisschen genauer ansehen – anders ausgedrückt: Licht ins Dunkel bringen!

Nonverbale Kommunikation ist die ursprüngliche Form der Kommunikation. Lange bevor ein Kind zu sprechen gelernt hat, sendet es nonverbale Botschaften aus und reagiert auch darauf.

Zur nonverbalen Kommunikation gehören:

  • Gesichtsausdruck
  • Blickkontakt
  • Gesten
  • Körperhaltung
  • Körperbewegung
  • Berührung
  • Tonfall
  • Geruch
  • interpersonale Distanz
  • Äußeres (Kleidung, Frisur, Anhaftungen wie Schmutz, Staub…)

Was sind Basisemotionen?

Die nonverbalen Signale sind eng mit Emotionen[3]vgl. Wikipedial “Emotionen  verknüpft. Emotionen sind zeitlich kurz und nach außen gerichtet.

Nach Paul Ekman gibt es 7 Basisemotionen, die mimisch ausgedrückt werden:

  • Überraschung
  • Ekel
  • Freude
  • Ärger
  • Trauer
  • Angst
  • Verachtung

Diese Basisemotionen sind über alle Kulturen hinweg zu finden. Emotionen werden vom limbischen System – in den tieferen Schichten unseres Gehirns zu finden – gesteuert. Das limbische System verarbeitet Informationen äußerst schnell. Damit kann dieses System unsere oberste Regulationsinstanz im Großhirn umgehen. Emotionen steuern somit für einen Bruchteil einer Sekunde den mimischen Ausdruck, bevor das Großhirn regulierend eingreifen kann.

Sagen wir nonverbal immer die Wahrheit?

Es kann zum Beispiel sein, dass wir uns über einen Kunden ärgern, diesen Ärger jedoch verbergen möchten. Wir setzen dann ein unverbindliches Lächeln auf. Wenn man allerdings den Gesichtsausdruck in Zeitlupe studiert, so wird man die Signale des Ärgers für einen Bruchteil einer Sekunde finden, bevor das durch die Selbststeuerung initiierte Lächeln im Gesicht erscheint. Paul Ekman hat diese Mikroexpressionen genau studiert. Auf der Website www.paulekman.com gibt es viele Beispiel in Form von Videos. Sogar einen Onlinekurs kann man dort durchführen, um sich in der Erkennung von Mikroexpressionen zu üben.

Die Behauptung, dass nonverbale Kommunikation “ehrlicher” und “unverfälschter” sei als die verbale Kommunikation ist sowohl richtig als auch falsch. Richtig daran ist, dass unsere Emotionen in der nonverbalen Sprache unmittelbar ihren Ausdruck finden.

Allerdings sind wir in der Lage, unsere Emotionen zu regulieren. Das ist natürlich ein großer Vorteil! Es macht einfach keine Sinn, wenn wir von einem Polizisten angehalten werden, weil wir zu schnell gefahren sind, unserem Ärger (der noch dazu völlig undifferenziert ist, denn wir ärgern uns vielleicht über den Polizisten als auch über uns selbst) Luft zu verschaffen.

Seine Emotion rasch herabregulieren zu können ist ein großer Gewinn und ein Zeichen von Reife. Kindern gelingt dies in den ersten Lebensjahren noch nicht so gut und sie müssen dies erst lernen[4]vgl. dazu den Artikel zum Thema “Selbstregulierung.

Emotionen versetzen den Organismus in die Lage, rasch auf eine Situation zu reagieren. Im Grunde führen Emotionen dazu, dass wir uns einer Sache annähern (wie bei Freude) oder die Distanz vergrößern möchten (wie bei Angst).

Gefühle sind weit weniger elementar als Emotionen. Ein Gefühl von Interesse beispielsweise ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Erfahrungen spielen hier eine große Rolle.

Emotion und Kommunikation

Ein erheblicher Unterschied zwischen Emotionen und Gefühlen ist der, dass Gefühle länger andauern als Emotionen. Ja mehr noch: Gefühle können sich zu Stimmungen verfestigen, die tagelang anhalten können.

Das kann zu einem Problem führen.

Ein Gefühl der Anspannung zu Beginn eines schwierigen Gesprächs ist nicht ungewöhnlich. Mit Fortgang des Gesprächs, dem Erreichen von gesteckten Zielen und einem angenehmen Gesprächspartner weicht das Gefühl der Anspannung. Man kann auch einiges selbst dazu tun, in diesen Zustand zu gelangen. Dies wird in meinen Trainings auch geübt. Im Grunde genommen gehört eine gute Gesprächsvorbereitung und die Fähigkeit zum Aufrufen von positiven Affekten dazu.

Versetze dich einmal in die geschilderte Situation. Du führst also ein Gespräch. Irgendwie stimmt die Chemie zwischen euch nicht. Obwohl du dich noch so bemühst, fühlst du dich im Gespräch unwohl. Du hast zunehmend das Gefühl, dass das Gespräch nicht so richtig läuft. Nach und nach kommst du zu dem Schluss “Der Herr Meister ist ein richtig unsympathischer Kerl. Eigentlich will ich nur weg!”

Wenn  dich dein Gesprächspartner nun fragte: “Wie geht es Ihnen?”, wirst du vielleicht antworten “Prima!”, obwohl du dich ganz anders fühlst. In diesem Fall stimmt deine Aussage mit deinem inneren Erleben nicht überein. Besonders krass wäre es, wenn du sehr deutliche nonverbale Signale der Ablehnung sendetest.  Also wirst du dich bemühen, die eigenen Gefühle zu verbergen, denn es ist in der geschilderten Gesprächssituation vielleicht nicht ratsam, diese Gefühle offen zu zeigen.

Es kann gut sein, dass dieses “Täuschungsmanöver” gelingt.

Inkongruente Kommunikation

Manchmal misslingt es jedoch. Dann sprechen wir von inkongruenter Kommunikation, das heißt, dass verbale und nonverbale Signale wahrnehmbar voneinander abweichen.

Menschen haben ein feines Sensorium für nonverbale Elemente – besonders bei inkongruenten Botschaften. So wird der mit hoher, schneidender Stimme hervorgepresste Satz: “ich liebe dich” wird mit Sicherheit beim Gegenüber zu Stirnrunzeln führen.

Die Studie von Mehrabian (die gerne völlig falsch interpretiert wird, Siehe auch hier bei Peter Claus Lamprecht) sagt genau das: Wenn Gefühle und Einstellungen kommuniziert werden, vertrauen wir im Zweifel zu 55% auf die Mimik, zu 38% auf die Stimme und nur zu 7% auf den Sachinhalt. Inkongruente Botschaften versuchen wir also in erster Linie über nonverbale Signale zu entschlüsseln!

Für alle anderen Kommunikationssituationen ist das Vertrauen in den Sachinhalt natürlich viel höher. Es ist also nicht egal, was du in einem Vortrag erzählst. Hier spielt das nonverbale eine eher untergeordnete Rolle. Da kommt es auf den Inhalt an. Außer: du musst einen Inhalt vertreten, hinter dem du nicht stehst. Das wird von vielen Menschen intuitiv erkannt.

Was heißt das für dich?

  • Trainiere dich in der Wahrnehmung nonverbaler Signale.
  • Sieh die nonverbale Kommunikation als Ergänzung zur verbalen Kommunikation an.
  • Versuche nicht, dir Mimik und Gestik einzustudieren. Du bist kein Schauspieler und erreichst oft eine negative Wirkung.
  • Vermeide inkongruente Kommunikation
  • Ungünstige Sprechweise können in Überzeugungssituationen hinderlich sein. Daher: trainiere deine Stimme!

5. Vermeide das Spiel “Wer hat Schuld”

Zwischenmenschliche Kommunikation ist ein komplexer Vorgang.

Beständig werden zwischen den Kommunikationspartnern Informationen ausgetauscht, sowohl auf der verbalen als auch auf der nonverbalen Ebene.

Wenn du zum Beispiel in einem Kundengespräch bist, und dein Gesprächspartner sich während deiner Erklärungen zu deinem Produkt abwendet, den Blickkontakt vermeidet und in seinen Unterlagen zu kramen beginnt, so wirst du automatisch reagieren. Vielleicht verlangsamst du deine Sprechgeschwindigkeit und veränderst dabei die Tonhöhe deiner Stimme. Während du das tust, beginnt dein Kunde auf deine Verhaltensänderung unwillkürlich zu reagieren. Er hört vielleicht auf, in seine Unterlagen zu blicken und sucht erneut den Blickkontakt. Daraufhin fährst du mit deinen Erklärungen fort, behältst aber die Stimmlage bei usw.

Jede Kommunikation läuft in solchen Sequenzen ab, die man von außen beobachten kann. In meinen Führungskräftetrainings verwende ich dazu die Videokamera, die für diese subtilen Kommunikationsprozesse sensibilisieren hilft.

Zirkuläre Kommunikationsprozesse

Kommunikationsprozesse wie der oben beschriebene sind kreisförmig – mit anderen Worten: nicht ein bestimmtes Verhalten bewirkt ein anderes, sondern es sind Wechselwirkungsprozesse, bei denen man nicht sagen kann, wer der Urheber für ein bestimmtes Verhalten ist. Man bezeichnet das auch als zirkuläre Kommunikationsprozesse.

Soweit so gut.

Doch was heißt das für die Praxis?

In der Praxis sind wir es weit weniger gewohnt, in solchen Wechselwirkungsprozessen zu denken. Tatsächlich suchen wir “gewohnheitsmäßig” nach den Ursachen für ein Verhalten. Das können Rahmenbedingungen, Persönlichkeitseigenschaften, Einstellungen, Werthaltungen usw. sein um nur ein paar zu nennen.

Doch wie kommt es, dass wir einen kreisförmigen – zirkulären – Kommunikationsprozess in eine Abfolge von Ursache und Wirkung verwandeln?

Das liegt daran, dass wir willkürlich festlegen können, wann und wodurch die Kommunikationssequenz begonnen hat.

Fallbeispiel

Dazu ein kleines Beispiel:

Zwei Teammitglieder kommen zu einem Berater, da beide massive Probleme miteinander haben. Sie gehen sich aus dem Weg und es herrscht eine aggressive, feindselige Stimmung. Beide werden ohne den jeweils anderen Interviewt.

Person A schildert das Problem so:
“Eigentlich habe ich nichts gegen die Kollegin B. Aber richtig reden kann man mit der nicht. Wenn es etwas zu diskutieren gibt, und ich einmal klar und nachdrücklich meinen Standpunkt vertrete, ignoriert die Kollegin mich einfach. Redet nicht mehr mit mir und behandelt mich, als wäre ich Luft. Dann sehe ich rot und werde wütend! Sagen Sie bitte der Kollegin, sie möge das unterlassen! Dann hätten wir das beste Klima!”

Person B schildert das Problem so:
“Mit Kollegin A habe ich keine Probleme, solange sie normal spricht. Aber manchmal – so wie heute im Meeting – macht sie richtig aggressive Bemerkungen. Der Tonfall ist so… das provoziert mich richtig. Da behandle ich sie dann eher abweisend, denn solche negativen Emotionen will ich nicht an mich heran lassen! Sie bräuchte nur ein bisschen höflicher zu sein, dann wäre alles in Ordnung!”

Zirkulärer Kommunikationsprozess

Dieses  Beispiel  beschreibt anschaulich den kreisförmigen Charakter zwischenmenschlicher Kommunikation. Bei den geschilderten Teammitgliedern führt die Kommunikation jedoch nicht zu einem mehr an Begegnung, sondern zu zunehmender Isolation.

Der springende Punkt ist nun: solange die Parteien nicht erkennen, dass sie in einen Teufelskreis verstrickt sind, werden sie den jeweils anderen als Urheber der Probleme betrachten.

Aus der Sicht von Partei A: “Ich werde aggressiv, weil sich Kollegin B zurückzieht. B ist schuld!”

Aus der Sicht von Partei B: “Ich ziehe mich zurück, weil sich Kollegin A aggressiv verhält. A ist schuld!”

Lösungsansatz

Solange die beide auf der Ebene der gegenseitigen Schuldzuschreibungen bleiben, wird nichts gelöst. Wenn es beiden jedoch gelingt, nicht mehr in Ursachen- und Schuldkategorien zu denken, sondern den Wechselwirkungsprozess zu verstehen, gibt es echte Chancen, eine neue Lösung zu finden.

Diese Schuldzuschreibungen gibt es nicht nur zwischen Personen, sondern auch zwischen Abteilungen. Solchen Prozessen begegne ich in meiner Arbeit – vor allem in Konflikt- und Teamentwicklungsseminaren – regelmäßig. Ein wichtiger Lösungsprozess besteht in der Aufdeckung des unbewussten Zusammenspiels. Dann lassen sich solche Konflikte auch gut lösen.

Weiterführende Informationen zum Thema Konflikt findest du in den Blogartikeln:

Dein Übungsprogramm

Dieser Beitrag hat dich mit einigen der wichtigsten Aspekte der Kommunikation vertraut gemacht. Du wirst nur dann als Führungskraft erfolgreich sein, wenn du dein Kommunikationsverhalten professionalisierst. Dazu gehört in erster Linie, dass du dich für die Kommunikation sensibilisierst.

Die oben dargestellten Punkte kannst du auch als Übungsprogramm betrachten. Nimm dir einfach eine Woche lang einen der besprochenen Punkte vor.

  • Woche 1: Halte fest, welche Kommunikationssignale du aussendest. Frage andere nach deiner Wirkung
  • Woche 2: Übe dich im Feedback geben und erbitte von anderen Feedback
  • Woche 3: Versuche in Gesprächen die Sachebene und die Beziehungsebene wahrzunehmen
  • Woche 4: Konzentriere dich auf die nonverbale Kommunikation. Dazu kannst du dir hier einen Beobachtungsbogen herunterladen.
  • Woche 5: Versuche zirkuläre Kommunikationsprozesse aufzufinden und zu beschreiben. Frage dich, ob diese zu Wachstum oder Konflikten führen.

Empfohlene Links

Gib mir dein Feedback zu diesem Beitrag. Kommunikation ist ein weites Feld… Wovon möchtest du noch mehr lesen oder im Podcast hören? Schreibe das in die Kommentare!

Hier als Podcast-Episode nachhören

Nichts läuft in der Führung ohne Kommunikation

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Bitte teilen. Vielen Dank

Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1Dargelegt hat Watzlawick seine Forschungen zur Kommunikation in seinem sehr lesenwerten Buch “Menschliche Kommunikation, Huber, 1985
2vgl. Wikipedia: Feedback
3vgl. Wikipedial “Emotionen
4vgl. dazu den Artikel zum Thema “Selbstregulierung

So gelingt dir der Wechsel in die Führungsposition

So gelingt dir der Wechsel in die Führungsposition

Glückwunsch!

Jetzt hast du es geschafft! Man hat dir eine Führungsposition angeboten…

Du stehst kurz davor, eine Führungsposition einzunehmen – oder wechselst in eine höhere Managementebene. Was von außen betrachtet vielleicht das Non-plus-Ultra darstellt, ist jedoch nicht ganz so einfach, wenn man einmal in dieser Situation ist.

Eine große Veränderung steht ins Haus!

Aber keine Angst: Du schaffst das! (mehr …)

Bitte teilen. Vielen Dank

Diese 6 Managementaufgaben machen dich erfolgreich

Diese 6 Managementaufgaben machen dich erfolgreich

Managen ist keine Zauberei…

….sondern ein Handwerk! 6 Managementaufgaben gibt es, die dich erfolgreich machen.

Du bist als Führungskraft dann erfolgreich, wenn du dich auf deine Hauptaufgaben konzentrierst.

Stelle dir deine Managementtätigkeit als einen Weg vor, der dich schrittweise zum Ziel führt. In dieser infografik findest du die wichtigen Stationen.

Managementaufgaben Infografik Heisetraining

Klicken für größeres Bild

Ich freue mich, wenn du die Grafik teilst!

Welche der Aufgaben fallen dir leicht? Wo brauchst du Unterstützung?

Schreib das in die Kommentare!

Hier als Podcast-Episode nachhören

Was machen eigentlich Führungskräfte?

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Bitte teilen. Vielen Dank

Führungserfolg durch Selbstführung

Führungserfolg durch Selbstführung

Wie macht Selbstführung erfolgreich?

Die Frage, was eine erfolgreiche Führungskraft ausmacht bzw. was eine gute Führungskraft ist, wird immer wieder gestellt.

Eine wesentliche Voraussetzung für den Führungserfolg ist die Selbstführung. Vielleicht stimmt der Satz von Peter Drucker, dass eine Führungskraft im Grunde nur eine Person führen muss: sich selbst.   (mehr …)

Bitte teilen. Vielen Dank

2016 – ein Jahr der Transformation [Blogparade Marit Alke]

2016 – ein Jahr der Transformation [Blogparade Marit Alke]

Was bleibt – was kommt…

Am Jahresanfang halte ich noch einmal kurz Rückschau auf 2016. Die Erfahrungen möchte ich ein wenig sortieren und wichtige Erkenntnisse für 2017 nutzen. Wenn ich also auf das Jahr 2016 zurückschaue, so möchte ich dieses Jahr als eine Phase der großen Veränderungen sehen.

2016 Rückschau

Die Wurzeln dieses Transformationsprozesses  reichen in das Jahr 2015 zurück. Bis in die Mitte von 2015 hinein war ich ausschließlich als Trainer und Coach vor Ort tätig. Mein Ziel war immer, meinen Seminarteilnehmern (in erster Linie Führungskräfte) handhabbares Führungskräftewissen zu vermitteln. Obwohl ich in der Branche als praxisorientierter Trainer bekannt bin, war und ist es immer mein Bestreben, fundiertes Wissen zu vermitteln.

Eines meiner Themen das ich seit mehr als 20 Jahren bearbeite ist das Thema “Zeit- und Selbstmanagement“. Auf der Suche nach einer besseren theoretischen Grundlage stieß ich auf die PSI-Theorie von Julius Kuhl.  PSI steht für Persönlichkeits-System-Interaktions-Theorie).
Ich ließ mich zum PSI-Kompetenzberater (ein umfangreiches Testsystem) ausbilden und war fasziniert. So beschloss ich meine Seminare von Grund auf neu zu durchdenken. Gleichzeitig entwickelte ich die Idee, die Zertifizierung zum PSI-Kompetenzberater auch in Österreich anzubieten. So gründete ich 2015 mein PSI-Institut! Sehr stolz war ich darauf! (mehr …)

Bitte teilen. Vielen Dank

So entwirfst du eine unwiderstehliche Vision

So entwirfst du eine unwiderstehliche Vision

Mit einer Vision und einer Mission kraftvoll als Unternehmer durchstarten

Immer wenn ich mit “frischgebackenen” Unternehmensgründern spreche, freue ich mich über die hohe Motivation und die Begeisterung für die Unternehmensidee. Durch die Idee motiviert, werden so manche Schwierigkeiten in der Startphase gut gemeistert. Man läuft auf Hochtouren – alles scheint bestens zu klappen. Doch jedes Hoch hat einmal ein Ende! Es läuft eben doch nicht alles so glatt wie am Anfang, die eigene Kraft ist auch nicht unendlich verfügbar. Frustrationen werden häufiger. Manche finden aus diesem Tal schwer wieder heraus (besonders Solo-Unternehmer, die ganz auf sich gestellt sind), die Selbstzweifel werden größer und man lässt das Projekt dann vielleicht ganz fallen.

Das muss nicht sein!

Nutze die Kraft der Vision…

Vision finden mit dem Teleskop

(mehr …)

Bitte teilen. Vielen Dank
I