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Diese 4 Kompetenzen machen Dich erfolgreich

Diese 4 Kompetenzen machen Dich erfolgreich

Selbststeuerungskompetenzen helfen, in turbulenten Zeiten erfolgreich zu sein

Die heutige Zeit stellt an Dich als Führungskraft besondere Anforderungen – insbesonders an Deine Selbstführung und Deine Selbststeuerungskompetenzen. Du kennst vielleicht das Gefühl, die Dinge immer weniger im Griff zu haben. Die täglichen Anforderungen bringen Dich manchmal an Deine Leistungsgrenze. Vielleicht hast Du auch öfter das Gefühl, hart zu arbeiten aber wenig wirklich Wichtiges am Ende des Tages zu erreichen. Das kann ganz schön frustrierend sein!

Doch wie kannst Du es schaffen, Deinen Arbeitstag wieder mehr unter Deine Kontrolle zu bekommen?

Diese Zutaten machen Dich zur kompetenten Führungskraft

Der Schlüssel zu mehr persönlicher Freiheit und Kontrolle liegt in Dir selbst – in Deiner Fähigkeit zur Selbstführung und Deinen Selbststeuerungskompetenzen. Peter Drucker hat dies so ausgedrückt, dass eine Führungskraft im Grunde nur eine Person führen kann und muss: sich selbst.

Gefragt ist also eine gut entwickelte Selbstführung. Doch was gehört alles zur Selbstführung dazu?

  • An erster Stelle steht die Selbsterkenntnis. Wer um seine Stärken und Schwächen Bescheid weiß und gelernt hat, damit umzugehen, gewinnt Führungssicherheit.
  • Wer sich selbst gut führen kann, hat eine große Verhaltensbandbreite und ein gutes Gespür dafür, welches Verhalten im Augenblick sinnvoll ist.
  • Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist eine klare Vision. Wenn Du weißt, wohin die Reise gehen soll, kannst Du auch in unruhigen Zeiten Kurs halten.
  • Nur Visionär zu sein genügt nicht. Wichtig ist auch die Rollenklarheit verbunden mit einer persönlichen Mission. Du solltest wissen, was Dein Auftrag im Unternehmen ist. Das hilft Dir bei der Fokussierung!
  • Wer als Führungskraft erfolgreich sein will übernimmt Verantwortung und erkennt Handlungsmöglichkeiten.
  • Tools zur Selbstorganisation sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Selbstführung.
  • Schließlich benötigst Du zur erfolgreichen Selbstführung auch Selbststeuerungskompetenzen. Im Grunde geht es dabei darum, seine psychischen Prozesse so abzustimmen, dass man die geeigneten Schritte unternimmt, um ein gewähltes Ziel zu erreichen. Hier geht es um die Entwicklung von geeigneten Einstellungen, der Fähigkeit zur Selbstmotivation und der entsprechenden emotionalen Steuerung.

Du siehst, dass zur Selbstführung eine ganze Menge an Aspekten gehört. Eine zentrale Stellung nehmen dabei die Selbststeuerungskompetenzen ein.

Nutze Deine Selbststeuerungskompetenzen

Gerade im Bereich der Selbststeuerungskompetenzen hat die psychologische Forschung große Fortschritte gemacht. So ist es heute möglich, eine Vielzahl an Komponenten der Selbststeuerung zu erfassen. Im Wesentlichen besteht die Selbststeuerung aus den 4 Hauptkomponenten:

  1. Selbstregulation – Hast Du das Gefühl, den eigenen Zielen und Werten entsprechend zu handeln?
  2. Selbstkontrolle – Wie gut gelingt es Dir, ein Ziel hartnäckig zu verfolgen und Frustrationstoleranz mitzubringen?
  3. Handlungsinitiative – Wie handlungsbereit bist Du oder schiebst Du gerne Dinge auf?
  4. Selbstzugang –Wie gut ist es um Deine Stressregulation bestellt? Kannst Du Misserfolge gut bewältigen?

Diese 4 Komponenten der Selbststeuerung zu entwickeln ist ein entscheidender Schritt um als Führungskraft erfolgreich zu sein.

So entwickelst Du Deine Selbststeuerungskompetenzen

Die Selbstregulation entwickelst Du durch eine klare Mission. Wenn Du weißt, wofür Du stehst und was der Sinn Deiner Tätigkeit ist, hilft das Dir, auch schwierige und turbulente Zeiten gut zu überstehen. Nimm Dir einmal Zeit für Dich und notiere Dir, was Dir an Deinem Job Spaß und Freude macht und bei welchen Tätigkeiten Du die Sinnhaftigkeit Deines Handelns am meisten spürst. Dabei kommt es darauf an, jene Motivatoren zu entdecken, die aus Dir selbst kommen, die Du mit einem Sinnerleben verknüpfst.

Eine gute Selbstregulation führt automatisch zu einer Fokussierung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben und lässt Dich jene Ziele und Visionen in den Blick nehmen, für die Du Dich wirklich einsetzen willst.

Bei der Selbstkontrolle geht es mehr um den planerischen Aspekt der Selbstführung. Ein attraktives Ziel alleine reicht noch nicht aus, damit Du es auch tatsächlich erreichst. Auf dem Weg zum Ziel sind noch viele Schritte nötig. Es tauchen vielleicht auch Schwierigkeiten auf. Wenn Du Dir einen Plan machst, die Schritte zum Ziel bedenken, dann hast Du eine Route, der Du folgen kannst. Das hilft Dir voranzukommen.

Ein noch so guter Plan hilft aber nichts, wenn nicht die Handlungsinitiative hinzukommt. Es gibt viele Menschen, die wissen was sie wollen, die auch einen klaren Plan haben, aber trotzdem nicht „in die Gänge“ kommen. Der Psychologe Julius Kuhl hat herausgefunden, dass ein bestimmtes psychisches System in unserem Gehirn für die Umsetzung von Absichten notwendig ist. Dieses System wird dann aktiv, wenn man sich in einer positiven Stimmung befindet.

Nutze den Flow-Zustand

Du kennst das sicher aus dem eigenen Erleben: wenn Du „gut drauf“ bist, dann läuft es einfach gut und die Dinge gehen leicht von der Hand. Wenn Du dann noch Tätigkeiten durchführst, die Du mit Deinem persönlichem Sinn oder Deiner Mission verknüpfst, kann es leicht sein, dass Du in einen Flow-Zustand gerätst. Und in diesem Zustand gelingen selbst knifflige Aufgaben besonders gut!

Also: möchtest Du rasch Deine Ziele verwirklichen, dann versuche gezielt, Gefühle wie Freude, Spaß, Enthusiasmus etc. zu entwickeln. Auch Belohnungen können ein Ansporn sein und zünden den Umsetzungsturbo. Bemühe Dich auch um eine gute Stimmung in Deinem unmittelbaren Umfeld. Eine Kultur der Negativität solltest Du in Deinem Team nicht zulassen. Sorge für eine Kultur der Wertschätzung in Deiner Organisation.

Wie Du Stress bewältigst

Eine der größten Herausforderungen für Führungskräfte ist der Umgang mit Stress. Zwar ist ein gewisses Maß an Stress durchaus positiv! Mäßiger Stress fördert sogar den Zugang zu den inneren Ressourcen.

Das bereits erwähnte Flow-Erleben ist nicht nur ein Resultat einer guten Stimmung, sondern auch von einer mäßigen Überforderung, die den Organismus zu höherer Leistung anspornt. Auf eine solche Anspannungsphase sollte jedoch unbedingt eine Erholungsphase folgen.

Wenn diese Erholungsphasen ausbleiben, dann befindet sich der Organismus ab irgendeinem Zeitpunkt im Dauerstress. Dann sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern man fühlt sich zunehmend von seiner Tätigkeit entfremdet.

Vielleicht kennst Du selbst dieses Gefühl, wenn nach einem hektischen Tag zwar vieles erledigt wurde, Du jedoch das Gefühl hast, nicht die „eigentlichen“ Dinge angepackt zu haben. Das sind eindeutige Anzeichen dafür, dass Du Dich in einer Stressphase befandest, die Dir nicht gutgetan hat.

Um Stress zu reduzieren hilft es, wenn Du öfters am Tag in Kontakt mit Dir selbst kommst. Ein einfaches Mittel dazu ist Achtsamkeit. Damit ist gar nichts Esoterisches gemeint. Es kommt nur darauf an, dass Du mehrmals am Tag bewusst im „Hier-und-Jetzt“ bist und spürend wahrnimmst, wo Du Dich befindest, wie sich Dein Körper anfühlt und was Du gerade tust. Probiere es einfach einmal aus! Am besten bei Routinetätigkeiten wie: Hände waschen, Zähne putzen oder zum Auto gehen. Das alles sind Gelegenheiten, dass Du Dich darauf konzentrierst, was Du gerade tust – statt mit den Gedanken ganz woanders zu sein. Auch Meditation wäre ein guter Ansatzpunkt – bedarf jedoch etwas Übung.

Nutze Misserfolge als Kraftquellen

Eine weitere Stressquelle sind Misserfolge und Fehler.

Kein Mensch ist perfekt – Du auch nicht.

Kein Mensch hat gerne Misserfolge – Du auch nicht.

Die Misserfolgsbewältigung ist eine wichtige Komponente in der Selbstführung.

Manche Führungskräfte setzen alles daran, dass gar keine Fehler entstehen. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Sorgfalt auch notwendig. Es gibt jedoch auch Führungskräfte, die aus Angst vor Fehlern in den Perfektionismus flüchten. „Nur ja nichts übersehen und nicht falsch machen“ ist häufig die Devise. Diese Arbeitshaltung führt jedoch zu Stress und auch zur Überängstlichkeit. Und wer überängstlich ist, der wird immer weniger handlungsinitiativ oder traut sich keine Entscheidungen zu.

Daher meine Tipps:

  • Arbeite nach dem Pareto-Prinzip: 80% Energieeinsatz sind genug!
  • Traue Dich öfters einmal intuitiv – aus dem Bauch heraus – zu entscheiden, statt ewig zu analysieren

Und wenn einmal etwas schiefgelaufen ist?

Dann nimm es als willkommene Lernerfahrung und mache es das nächste Mal besser! Verfalle nicht ins Grübeln, sondern notiere Dir Deine persönliche Lernerfahrung.

Teste jetzt Deine Selbststeuerungskompetenzen

Deine Selbststeuerungskompetenzen kannst Du mittels eines wissenschaftlich fundierten Tests von Julius Kuhl in 20 Dimensionen erforschen. 15 Minuten Zeitinvestition genügen und Du erhältst eine komplette Analyse Deiner Selbststeuerungskompetenzen. Dazu gibt es konkrete Tipps zur Verbesserung in Form einer schriftlichen Auswertung.

In einem persönlichen Rückmeldegespräch erhältst Du auf Wunsch noch mehr Hinweise, wie Du Deine Selbstführung gezielt verbessern kannst. Auch ein individuelles Coaching ist möglich.

Effektiv Führen mit Selbstführung

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Bitte teilen. Vielen Dank

Mit Achtsamkeit hast Du mehr von Dir…

Mit Achtsamkeit hast Du mehr von Dir…

Achtsamkeit bringt Dich wieder auf Kurs

Keine Frage: Dein Alltag ist manchmal richtig hart.

Die Herausforderungen unserer VUCA-Welt bringen Dich oft an die Grenze der Leistungs- und Leidensfähigkeit.

Und mehr ehrlich: oft macht das alles nicht so wirklich viel Spaß; Mitarbeitergespräche, Budgetsitzungen, langatmige Meetings, Flugreisen, Zielvereinbarungsgespräche, Planungssitzungen, Emails bearbeiten, Team motivieren….

Vielleicht hast Du dann zu allem Überfluss auch öfter das Gefühl, hart zu arbeiten, aber wenig wirklich Wichtiges zu erreichen.

Das kann ganz schön deprimierend sein.

Vielleicht hast Du auch das Gefühl, dass Du die Dinge immer weniger im Griff hast. Die VUCA-Welt rollt gleichsam über Dich hinweg. So geht es Dir vielleicht wie Archimedes, der zur Erläuterung des Hebelgesetzes einmal ausrief: “Gebe mir einen festen Punkt im Universum und ich hebe die Welt aus den Angeln! Das wäre ja schön denkst Du vielleicht. Einen Fixpunkt zu haben von dem aus die Dinge nachhaltig und wirksam beeinflusst werden können[1]VUCA ist eine Abkürzung und steht für: Volatil-Unsicherheit-Complexität-Ambiguität. Lies dazu auch meinen Beitrag “Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt.

Doch wo ist dieser Fixpunkt?

Dein Selbst ist Dein Fixpunkt

Auf den ersten Blick ist es klar, dass der Fixpunkt nicht irgendwo im Universum liegt.

Aber wo ist er dann?

Bestimmt nicht irgendwo auf einer fernen Insel. Der Fixpunkt liegt in Dir selbst – in Deiner Persönlichkeit. Diesen Fixpunkt kennst Du bestimmt, denn Du hast sicher schon das Gefühl gehabt, in Dir selbst zu ruhen. Das Gefühl ist nicht einfach zu beschreiben. Am ehesten ist es vergleichbar mit einer auf sich selbst gerichteten Aufmerksamkeit. Man kann auch sagen: einer gesammelten Ausrichtung auf sich selbst.

Wenn Du Dir dieses Gefühl einmal herholst (das kannst du gleich probieren indem Du einfach einmal innehältst und den Fokus auf Dich selbst richtest) wirst Du bemerken, dass die ganze Hektik langsam abfällt… Du beginnst Dich zu zentrieren und in Deine Mitte zu kommen. Dazu stellt sich ein Gefühl von Gelassenheit ein.

Erst dieses Gefühl erlaubt es Deinem Selbst, sich zu melden.

Gefühle von Gelassenheit und Ruhe sind die Grundlage, dass Dein Selbst wirksam werden kann.

Was hast Du nun davon, wenn das Selbst stärker wirksam werden kann?

Was Dein Selbst für Dich tut

Das Selbst ist beileibe kein mystischer Ort oder eine bloße Metapher. Das Selbst ist ein hochkomplexes psychisches System. Die wichtigste Aufgabe ist die Integration von:

  • Erfahrungen
  • Episoden
  • Gefühlen und Emotionen
  • Motiven
  • Werten
  • Einstellungen
  • ….

Dieses ausgedehnte Netzwerk nennt man auch Extensionsgedächtnis. Dieses Selbst hat ein paar ganz erstaunliche Eigenschaften. Eine Besonderheit ist die Hintergrundaufmerksamkeit. Während Du im Vordergrund mit etwas beschäftigt bist, wertet das Selbst alle hereinkommenden Informationen aus. Wenn Dein Selbstzugang gut ist, dann steuert Dir das Selbst ganz von selbst das bei, was gerade in der Situation sinnvoll ist.

Das Selbst hilft Dir aber auch dabei, das zu tun, was Dir guttut. Kommst Du “vom rechten Weg” ab, dann meldet sich das Selbst. Dann kannst Du Dich neu orientieren. Vergleichbar mit einem Kompass sorgt es für Orientierung. Dabei orientiert sich das Selbst an Deinen Motiven, Werten und allgemeinen Zielen.

Das Selbst leistet auch einen großen Beitrag dazu, mit Stress gut umzugehen. Das Selbst kann Dir Selbstberuhigung geben, indem es auf frühere Erfahrungen zurückgreift.

Auch bei der Misserfolgsbewältigung spielt das Selbst eine große Rolle. Eine negative Erfahrung kann durch das Selbst eingeordnet und als Lebenserfahrung abgespeichert werden.

Schließlich ist der Selbstzugang eine wichtige Voraussetzung, in Selbstbestimmung zu handeln. Wenn man im Stress den Selbstzugang verliert (was ab einer gewissen Dauer von Stress die Regel ist), wird man anfällig für Fremdsteuerung. Man fühlt sich getrieben und nicht mehr Herr im Haus.

Der Zugang zum Selbst ist noch aus einem anderen Grund wichtig. Er ermöglicht es Dir die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Wonach strebe ich? Was sind meine Ziele? Was ist meine Mission?
  • Was braucht meine Umgebung? Was brauchen andere von mir?
  • Was brauche ich?
  • Welche Handlungen sind im Hier-und-Jetzt wichtig und angemessen?

Wenn Du Dich auf diese Fragen besinnst, dann hast Du tatsächlich den Fixpunkt erreicht, der Dir hilft nicht nur gut durch den Tag zu kommen, sondern Dein Leben umfassend zu gestalten! Und zwar so, wie es Dir selbst gemäß ist!

Du merkst jedoch schon, dass die Sache mit dem Selbst eine gewisse Herausforderung beinhaltet. Das Selbst ist nämlich schwer greifbar. Es entzieht sich unserer Verfügung. Das liegt daran, dass das Selbst nur teilweise bewusst ist und auch nur in Teilen bewusst werden kann. Dieser Selbstzugang gelingt nur in Momenten der Ruhe und Gelassenheit[2]Noch mehr Informationen zum Selbst findest Du in meinem Beitrag “Es ist Dein Selbst, dem Du folgen musst.

Das Paradox ist: das Selbst kann uns Ruhe und Gelassenheit geben – wir benötigen jedoch Ruhe und Gelassenheit, um das Selbst wirksam werden zu lassen.

Achtsamkeit als Weg zum Selbst

Ein Weg, um mit dem Selbst in Kontakt zu kommen ist Achtsamkeit. Achtsamkeit ist in erster Linie eine Haltung. Im Grunde geht es bei der Achtsamkeit um die Frage, wie Du mit dem Hier-und-Jetzt mehr in Kontakt kommen kannst. Das geschieht über den Weg der Be-sinnung auf Dich selbst. Und zwar weit weniger in einer “vernünftigen” Weise, sondern “spürend”.

Was ist der Unterschied von “vernünftig” und “spürend“?

Beim vernünftigen Umgang mit sich selbst steht die Sprache im Vordergrund. Man führt vielleicht ein Selbstgespräch oder hat eine kommentierende Stimme in sich. Das ist natürlich nicht schlecht. Aber gerade in Situationen der Anspannung wird diese Stimme meist vorwurfsvoll!

Spürender Umgang mit sich selbst ist nicht-sprachlich. Die Wahrnehmung fokussiert nicht auf äußere Objekte, sondern auf den eigenen Körper. Diese Körperwahrnehmung kommt oft viel zu kurz. Dabei ist es eine wissenschaftlich gut belegte Theorie, dass Selbst-Erfahrungen nicht (nur) sprachlich abgespeichert werden, sondern auch im Körper. Unser Körper ist gewissermaßen geronnene Lebenserfahrung. Über den Körper gelingt uns weit schneller der Zugang zu uns selbst.

Und genau hier setzt die Achtsamkeit an!

Ich lade Dich ein: probiere es einmal aus und lasse Dich überraschen, was Du alles von Dir entdecken kannst.

Achtsamkeitsübungen öffnen das Selbst

Du kannst eigentlich den ganzen Tag nutzen, um mit Deinem Selbst mehr in Kontakt zu kommen. Ich mache Dir hier ein paar Vorschläge:

Achtsamkeit bei Routinen: Du führst den ganzen Tag viele routinierte Handlungsabläufe aus. Diese werden von einem Teil Deines Gehirns gesteuert, den man in der Psychologie als “intuitive Verhaltenssteuerung” bezeichnet. Wenn ein Psychologe das Wort “intuitiv” verwendet, dann meint man damit unbewusst. Tatsächlich ist ja so, dass Routinevorgänge wie: Zähneputzen, Hände waschen, Schuhe binden, Haustüre abschließen, gehen, Auto fahren etc. quasi “nebenbei” passieren.
Außer wenn etwas schiefläuft, dann nimmt man den Ablauf in den Blick. Etwa, wenn Deine Computertastatur plötzlich einen Buchstaben nicht mehr überträgt. Dann richtest Du Deine Aufmerksamkeit auf das Problem und Du versuchst es zu lösen.
Wenn Du Achtsamkeit üben möchtest, dann drehe jetzt den Prozess um: Du beobachtest einmal ganz genau, was Du bei einer Routinehandlung machst. Du schaust Dir also an, wie Du Dir z.B. die Hände wäschst. Dadurch richtest Du automatisch den Fokus vom “Da-und-Dort” auf das “Hier-und-Jetzt”. Und schon hast Du Dich zentriert!

Achtsamkeit durch Körperwahrnehmung: Hier geht es darum, den Fokus auf den Körper zu legen. In also durch Achtsamkeit mehr zu be-achten. Du fokussierst Dich auf Deinen Körper indem Du Dich fragst:

  • Wie sitze ich da?
  • Wie ist der Kontakt zur Sitzfläche?
  • Wo sind meine Hände?
  • Wie ist mein Atem?
  • Was machen meine Füße

Keinesfalls solltest Du aber Deine Entdeckungen bewerten. Es geht nur um die Stärkung der Selbstwahrnehmung – nicht um Verbesserung!

Achtsames Gehen: Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus – seinen eigenen “Beat”. Du kannst das am besten entdecken, wenn Du einen längeren Spaziergang unternimmst. Lass einmal die Kopfhörer weg und konzentriere Dich rein auf Deine Geschwindigkeit. Welches Tempo tut Dir gut? Wobei fühlst Du Dich wohl? Dann versuche wahrzunehmen, wie Du gehst. Und schließlich kannst Du noch das Tempo ändern – dabei empfehle ich Dir, einmal ganz langsam zu gehen. Du schärfst die Sinne beim Gehen!

Achtsamkeit auf die Gedanken: Dem griechischen Stoiker Epiktet wird der Satz zugeschrieben: “Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen.” Das Ideal der Stoa war der Gleichmut der Welt gegenüber. Sozusagen einen permanenten Beobachterstatus zu erreichen. Auch wenn Du nicht nach diesem Ideal strebst: tatsächlich ist es so, dass Gedanken die ständig in Deinem Kopf herumschwirren Dich von Dir und Deinem Selbst mehr und mehr entfremden können. Nun kannst Du Gedanken nicht einfach abstellen. Das merkst Du vielleicht dann, wenn Du Sorgen hast, die Dich beschäftigen und Dich z.B. daran hindern, schlafen zu können.
Mit etwas Übung kannst Du es aber erreichen, dass Du den Gedanken mit mehr Abstand begegnen kannst. Dazu hilft die Vorstellung, sich Gedanken wie Wolken oder Autos auf einer Straße vorzustellen, die einfach vorüberziehen. Du lässt sie los und beobachtest ihr vorüberziehen.

Meditation: Damit sind wir schon bei der Meditation angelangt. Im Prinzip besteht Meditation aus folgenden Elementen:

  • entsprechende Körperhaltung (gerade sitzen)
  • ruhiges Ein- und Ausatmen
  • In-sich-Hineinhören
  • Gedanken ziehen lassen
  • Loslassen

Ganz wichtig:

  1. Meditation machst Du auf Deine Weise – es gibt kein “richtig” oder “falsch”
  2. Meditieren ist Übungssache. Der Geist muss es erst lernen, sich zu sammeln. Es wird Dir im Laufe der Zeit immer leichter fallen.
  3. Meditation ist klein Leistungssport. Es gibt nichts zu erreichen – aber viel zu gewinnen.

Probiere doch einmal ein paar der Achtsamkeitsübungen aus.

Schreibe Deine Erfahrungen in die Kommentare!

Teile mit anderen Deine besten Achtsamkeitsübungen – so können alle profitieren….

Du möchtest Dein Selbst und Deine Fähigkeiten näher erforschen? Dann lade ich Dich ein, einen kurzen psychologischen Test zu machen, der Dir sehr viee Ansatzpunkte zur Verbesserung Deiner Selbstwirksamkeit liefern kann. Hier klicken und dann gibt es alle nötigen Informationen.

Bitte teilen. Vielen Dank

Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1VUCA ist eine Abkürzung und steht für: Volatil-Unsicherheit-Complexität-Ambiguität. Lies dazu auch meinen Beitrag “Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt
2Noch mehr Informationen zum Selbst findest Du in meinem Beitrag “Es ist Dein Selbst, dem Du folgen musst

Nutze Deinen Arbeitstyp und Du wirst mehr erreichen!

Nutze Deinen Arbeitstyp und Du wirst mehr erreichen!

Dein Arbeitstyp als Erfolgsfaktor

Menschen sind unterschiedlich.

Jeder ist eine einzigartige Persönlichkeit.

Aber: es gibt viele Gemeinsamkeiten.

Und genau um diese Gemeinsamkeiten geht es, wenn man von Persönlichkeitstypen spricht. Einfach gesprochen geht es bei den Persönlichkeitstypen darum, das Gemeinsame im Verhalten und Erleben des Menschen aufzusuchen und zusammenzufassen.

Versuche solche Typen zu bilden gibt es schon seit dem Altertum.

Man erhofft sich damit zweierlei:

  • andere Menschen besser zu verstehen und die Verhaltensweisen vorherzusagen
  • das eigene Verhalten besser auf den anderen abzustimmen

Vielleicht wirst du dir jetzt sagen: ist das nicht zu sehr vereinfachend? Stecken wir den Menschen da nicht einfach in eine Schublade?

Das stimmt natürlich. Im Grunde ist eine solche Typenbildung immer eine Vereinfachung.

Aber sie hilft…

Der Persönlichkeitstyp wird sich auch sehr stark auf das Arbeitsverhalten und die Motivation auswirken. Deshalb kann man auch von “Arbeitstyp” sprechen.

Ich stelle dir 4 Arbeitstypen vor und beschreibe das Arbeitsverhalten.

Die 4 Arbeitstypen

Der sorgfältige Arbeitstyp

Sorgfältiger Arbeitstyp Perfektion, Genauigkeit, Gründlichkeit – das sind Begriffe, die diesen Arbeitstyp kennzeichnen. Dazu kommt ein hoher Grad an Verlässlichkeit und Pflichtbewusstsein.

Der Arbeitstag ist perfekt organisiert und strukturiert. Die Planung kann allerdings manchmal übergenau sein.

Die Stärken liegen in der Erkennung von Fehlern und in der Detailorientierung. Das kann dann allerdings auch auf Kosten des Überblicks gehen. Das Stichwort ist hier: Verzettelung! Diese Verzettelung tritt auch dann auf, wenn zu viele Aufgaben gestellt werden. Da der sorgfältige Arbeitstyp gerne jede Aufgabe zu 100% erledigen will, kann er sich dann leicht überfordert fühlen. Nervosität und Angespanntheit sind dann die Folge.

Sorgfältige Arbeitstypen würden gerne etwas weniger perfekt sein können – haben aber dann häufig Angst, den eigenen hohen Leistungsansprüchen nicht zu genügen

Auch das Zwischenmenschliche ist nicht unbedingt die Stärke dieses Typus. Menschen lassen sich nun mal schwer kalkulieren und vorausberechnen. Soziale Kontakte werden daher gemieden oder beschränken sich auf einige wenige. Solche Menschen sind oftmals auch mit der Arbeit “verheiratet” und machen viele Überstunden, denn es darf nichts liegen bleiben.

Ideales Einsatzgebiet: dort wo es auf Genauigkeit ankommt und wo Fehler fatal sein können. Diesen Menschen muss man Mut zum Un-perfekten machen. Ebenso benötigen Sie viel Anerkennung (obwohl es auf den ersten Blick nicht immer dananch aussieht).

Achtung: nicht überfordern, Veränderungen behutsam vorbereiten, eigenständiges und routiniertes Arbeiten ermöglichen. Kein Zwang zu Sozialkontakten.

Der impulsive Arbeitstyp

Impulsiver ArbeitstypFröhlichkeit, gute Laune und Spontaneität – das sind Begriffe, die diesen Arbeitstyp kennzeichnen. Sie sind grundsätzlich an Neuem interessiert, sind rasch für etwas Feuer und Flamme. Leider ist es mit dem Durchhaltevermögen oftmals nicht so gut bestellt. Wenn es schwierig wird, dann verlieren sie rasch die Lust.

Weil sie sich rasch von einer Sache angesprochen fühlen, halsen sie sich oftmals zuviel auf und sind dann nach einem turbulenten Arbeitstag richtiggehend erschöpft.

Diese Menschen haben überhaupt keine Schwierigkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Sie sind geborene Small-Talk-Führer. Oft sind sie wenig diplomatisch, denn es rutscht ihnen manchmal ein Wort heraus, dass sie nachher bereuen.

Impulsive Arbeitstypen würden sich gerne besser strukturieren können. Auch Nein-Sagen fällt ihnen schwer.

Ideales Einsatzgebiet: dort wo es auf Kreativität ankommt und wo zwischenmenschliche Beziehungen wichtig sind. Diese Arbeitstypen kann man mit Selbstorganisation überfordern. Besser ist es, die Selbstorganisation in Routinen zu verpacken, die diese Menschen abspulen müssen um dann frei und spontan vorgehen zu können.

Achtung: diese Menschen nehmen oft vorschnell Arbeitsaufgaben an, ohne zu prüfen, ob sie das überhaupt noch leisten können. Unterstütze sie dabei, sich realistische Zeitpläne zu machen.

Der analytische Arbeitstyp

Analytischer Arbeitstyp Vernünftig, rational und problemorientiert – das sind Begriffe, die diesen Arbeitstyp kennzeichnen. Sie können sich in Problemstellungen akribisch hineinarbeiten und geben nicht eher Ruhe, als bis eine Lösung gefunden ist. Das Denken ist dabei schrittweise und logisch: eines folgt aus dem anderen. Da diese Arbeitstypen ein Problem in der letzten Tiefe durchdringen wollen, fehlt ihnen manchmal das Gespür dafür, wann es genug ist mit dem analysieren. Ins Handeln zu kommen ist für Analytiker eine Herausforderung!

Diese Menschen haben ihre Arbeitsabläufe bestens strukturiert. Projektpläne, To-Do-Listen und bewährte Vorgangsweisen bestimmen den Arbeitstag. Das ist immer dann gut, wenn es gilt, ein Ziel längere Zeit konsequent zu verfolgen und hartnäckig dran zu bleiben.

Schwierig wird es, wenn eine rasche Lösung gefunden werden muss oder ein Lösungsweg eingeschlagen werden soll, der noch nicht zu 100% durchdacht ist.

Ideales Einsatzgebiet: dort wo es auf Problemanalyse ankommt und wo zwischenmenschliche Beziehungen weniger wichtig sind. Diese Arbeitstypen brauchen Zeit zur Problemanalyse. Es sollte jedoch ein Zeitrahmen vorgegeben werden, damit die Analyse nicht ausufert.

Achtung: diesen Menschen fällt es manchmal schwer, zwischen verschiedenen Lösungsalternativen zu wählen. Gerade die Entscheidung für eine Lösung benötigt eine Plausibilitätsprüfung, die intuitiv getroffen wird. Und gerade der Intuition misstrauen analytische Arbeitstypen. Zum Thema Intuition empfehle ich dir 2 Podcastepisoden: “Wie du als Führungskraft gute Entscheidungen triffst” und das Interview mit Florian Artinger “Erfolgreiche Führungskräfte nutzen die Intuition“. Teamarbeit vertragen diese Typen nur in kleinen Dosen.

Der selbstbestimmte Arbeitstyp

Der selbstbewusste ArbeitstypSelbstbewusst, cool und machtbewusst – das sind Begriffe, die diesen Arbeitstyp kennzeichnen. Nach außen wirken sie ruhig, abgeklärt und stets Herr der Lage. Das kommt daher, weil sie sich durchaus ihrer Besonderheit bewusst sind. Sie schöpfen aus einem reichen Erfahrungsschatz der ihnen hilft, mit herausfordernden Situation gut zurecht zu kommen.

Auch in turbulenten Situationen behalten sie die Übersicht. Sie bleiben ruhig und gelassen.

Obwohl sie ein gutes Gespür dafür haben, was andere brauchen, haben sie doch die Überzeugung, dass ihre Sicht der Dinge richtig ist. Wenn andere das nicht einsehen wollen, dann können selbstbestimmte Menschen auch ungemütlich werden.

Diese Arbeitstypen sind auch bei der Auswahl ihrer Arbeit sehr wählerisch. Sie müssen das Gefühl haben, dass die anstehende Arbeit zu ihnen passt. Wenn das nicht der Fall ist, werden solche Arbeiten delegiert oder bleiben liegen.

Ideales Einsatzgebiet: dort wo es auf Führung ankommt oder Dinge durchgezogen werden müssen. Wichtig ist, dass diese Arbeitstypen keine Einengung vertragen. Sie möchten ihr eigenes Ding machen!

Achtung: diesen Menschen fällt es manchmal schwer, unangenehme Dinge an sich heran zu lassen. Negatives wird dann gerne übersehen. Für das Selbstwachstum ist es jedoch erforderlich, sich auch mit unangenehmen Dingen zu beschäftigen. Man wächst an der Bewältigung von Schwierigkeiten.

Schlussfolgerung

Diese Darstellung der einzelnen Typen soll dich anregen, einmal selbst für dich festzuhalten, welcher Arbeitstyp dir am nächsten kommt. Dann stelle einmal fest, was dieser Arbeitstyp für dich Gutes tut und wo es Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

In einem nächsten Schritt kannst du dann versuchen, den Arbeitstyp deiner Mitarbeitenden zu erkennen. Hier ist es wichtig zu erkennen, ob deine Mitarbeitenden “typengerecht” eingesetzt sind.

Wenn du dich für die genaueren psychologischen Hintergründe dieser Typen interessierst, dann lies den Blogartikel Typisch! Was Persönlichkeitstypen verraten. Es gibt auch Testverfahren, die deinen Persönlichkeitstyp im Detail analysieren. Nimm mit mir Kontakt auf – ich mache dir gerne ein Angebot!

 

 

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Warum Ziele manchmal mehr schaden als nützen

Warum Ziele manchmal mehr schaden als nützen

Ein philosophischer Jahresrückblick

Befindlichkeit und Achtsamkeit statt Ziele definieren

Die alljährliche Blogparade von Marit Alke zum Thema 2017/2018: Was war – was bleibt – was kommt? hat mich auch dieses Jahr motiviert, eine Jahresrückschau und einen Vorblick auf das Jahr 2018 zu unternehmen. Im Normalfall vergleicht man die am Anfang des Jahres gesteckten Ziele mit der Umsetzung. Aus diesem Soll-Ist-Vergleich lassen sich dann Schlüsse ziehen und neue Ziele abstecken.

Ich nenne dieses Verfahren „klassisch“, weil es viele so machen (ich schließe mich da mit ein) – anderseits ich gerade diese Zielsetzungswut für wenig hilfreich halte.

Ziele setzen – eine abendländische Denktradition

Zunächst sollte man sich vor Augen halten, dass das Denken in Zielen eine zutiefst westliche Denktradition ist. Es ist für unser Denken so selbstverständlich, stets ein Ziel vor Augen haben zu müssen, dass es einem glatt entgehen könnte, dass andere Kulturen (z.B. die indische) diese Zielfixiertheit gar nicht kennen.

Diese Denktradition ist im Denken des Abendlands zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Aristoteles ist hier zu nennen, der formuliert, dass den Dingen ein immanenter Zweck innewohnt und das Wesen der Dinge beschreibt. Gegen diese Teleologie haben zwar Philosophen wie Kant und Nietzsche Einwände erhoben: jedoch so einfach bekommt man dieses Denken nicht aus den Köpfen. 2500 Jahre Metaphysik haben Spuren hinterlassen!

Besonders spürbar wird dieses Denken rund um den Jahreswechsel. Solche Wegmarken, die den Jahreslauf unterteilen, führen geradezu zwangsläufig dazu, dass man „sich Ziele setzen“ muss. Wer jedoch Ziele für sich setzt, der impliziert damit, dass er noch nicht ganz bei sich selbst angekommen ist.

Nun könnte man dies als eine rein akademische Diskussion auffassen. Doch reflektieren wir noch einen Augenblick länger darüber, was es heißt, den Menschen als ein noch unfertiges Etwas zu begreifen.

Positiv gesehen folgt daraus, dass sich der Mensch mit dem was er momentan ist nicht abfinden muss, sondern sich auf ein Ziel hin entwickeln kann. Dadurch entsteht eine Spannung auf eine Zukunft hin, die der Mensch durch Betätigung erreichen will.

Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille!

Auf der anderen Seite steht, dass dem Menschen durch das permanente Vorlaufen in eine noch nicht aktualisierte Zukunft Chancen in der Gegenwart entgehen; ja, dass diese Chancen abgewertet und abgelehnt werden. Es ist dann sozusagen ein Leben auf Möglichkeiten hin.

Aufschieben

Wie stark dieses Denken in unsere Alltagserfahrung hineinwirkt, lässt sich am Beispiel des Aufschiebens sehr gut zeigen.

Eigentlich ist es ja paradox: das Entwickeln einer Zielperspektive sollte doch Kräfte mobilisieren. Und wirklich: eine entsprechende Zielvorstellung –  konkret, plastisch. motivierend, attraktiv – erzeugt eine Spannung. Man fühlt in sich ein starkes Bedürfnis, dieses Ziel auch zu erreichen.

Nun könnte es doch eigentlich losgehen. Aber warum klappt es dann häufig nicht so recht[1]Empfehlenswert das Buch von Hans-Werner Rückert, Schluss mit dem ewigen Aufschieben, Campus Verlag, 2014?

Ich führe dazu folgende Gründe an:

  1. Wer sich ein attraktives Ziel ausmalt, der kann diesen hypothetischen Zustand so sehr genießen, dass alle Anstrengung um dorthin zu gelangen, unterbleiben kann. Man fühlt sich schon dort – und für das Empfinden macht es keinen großen Unterschied, ob man träumt oder wacht. Siehe auch meinen Blogbeitrag  „Erfolgsbremse positives Denken“
  2. Ein Ziel kann so ideal imaginiert werden, dass man insgeheim schon weiß, dass die Realität dagegen nur ein schwacher Abglanz sein kann. Um das nicht zu erleben, vermeidet man die Realisierung.
  3. Ein Ziel kann auch eine unerfüllbare Illusion sein. Das Aufschieben ist dann aus der Angst vor dem Misserfolg gespeist. Daher unternimmt man lieber nichts, um einen Misserfolg zu vermeiden.
  4. Man kann auch zu viele Ziele haben (ein häufiges Problem). Diese können in letzter Konsequenz zu einer Umsetzungsblockade führen, weil das für die Handlung notwendige Umsetzungssytem ausgebremst wird. Siehe dazu auch mein Video  „Wer merket der rostet“

Vielleicht leidest du selbst an einer Umsetzungsschwäche deiner Ziele. Dann analysiere einmal, welche der oben genannten Gründe auf dich zutreffen.

Abgesehen davon, dass man seinen eigenen Umgang mit Zielen kritisch hinterfragen kann, möchte ich noch anders ansetzen – nämlich bei der für uns so selbstverständlichen Zielfixierung an sich.

Zielfreie Zustände

Ist es denk-bar die Zielfixierung abzustreifen und wenn ja, was hätten wir gewonnen?

Von dem beständigen „Sich-selbst-vorweg-sein“ loszukommen gelingt nur da, wo wir uns auf unser konkretes Dasein beziehen. Das meint jedoch gerade nicht, sich selbst denkend zu zergliedern oder zu analysieren, sondern auf das zu achten (=Achtsamkeit) , was Heidegger als Befindlichkeit[2]vgl. Martin Heidegger, Sein und Zeit, Niemeyer, 1979, p.134 bezeichnet. Wenn man der Befindlichkeit Raum gibt, so ist sie ein Anzeiger dafür, wie einem ist und wird. Die Befindlichkeit (oder Stimmung) zeigt an, wie es um mich selbst „bestellt“ ist, und was notwendig zu tun ist.

Einfach gesagt: noch so viele Pläne und Ziele helfen mir nicht, wenn ich nicht in der Lage bin, die momentane Situation zu erfassen.

Oder um in einem Bild zu bleiben: wenn man eine Fahrt mit einem Segelboot unternimmt ist es natürlich wichtig, ein Ziel zu haben und den Kurs abzustecken. Aber auf der Fahrt selbst kommt alles darauf an, die Situation in der sich das Schiff befindet, zu erfassen und flexibel zu reagieren.

Ziele mit Kompass bestimmen

Dieses Erfassen ist für den Menschen ein „Erspüren“ von Stimmung und Befindlichkeit. Das gibt den rechten Kompass ab, um entsprechend zu navigieren.

Damit akzeptiert man jedoch, dass das Kommende nur schwer bestimmt werden kann. Natürlich gibt es im Laufe des Jahres Fixgrößen und auch Zielmarkierungen. Aber was ist das im Vergleich zu den täglichen Herausforderungen, in denen Flexibilität notwendig ist. Diese Flexibilität erreicht man jedoch nur durch Achtsamkeit, ein gutes Selbstgespür, eine geschärfte Wahrnehmung für die aktuelle Situation und Handlungsbereitschaft.

Recht betrachtet ist dieses Handeln natürlich nicht ziellos – es orientiert sich nur am je notwendigen. Das ist aber etwas völlig anderes, als mit Gewalt dem eigenen Dasein eine zwanghaft einzuhaltende Richtung vorschreiben zu wollen.

Persönlicher Rückblick auf 2017

Im Jahr 2017 habe ich viele Ziele verworfen und nicht erreicht. In der Rückschau bin ich darüber sehr froh. Wollte ich Anfang des Jahres noch viel im Marketing tun, habe ich für mich gemerkt, dass es mir wesentlicher ist, Gespräche mit Menschen zu führen, mich inspirieren zu lassen und Netzwerke zu knüpfen. Diese Netzwerke haben jedoch keinen besonderen „Zweck“. Denn darin sehe ich auch ein Problem: Menschliche Beziehungen sollten weit weniger als Mittel zum Zweck[3]vgl. auch Kants Formulierung des „kategorischen Imperativs“ „Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, … Continue reading betrachtet werden, sondern als Begegnungen. Möglichkeit für solche Begegnungen gibt es auf vielerlei Arten: Podcast-Interviews, Kundengespräche, Seminare, Coachings, Austausch mit Kollegen.

Diese Begegnungen haben für mich ein wichtiges Thema an die Oberfläche geholt, dem ich mich im Jahr 2018 verstärkt widmen möchte: dem Thema der Selbstführung. Kurz umrissen geht es dabei um folgende Fragen[4]vgl. das Modell „Train the Eight“ von Heinz-Peter Wallner: https://www.youtube.com/watch?v=iu_xDnz-1nA:

  • Was ist mein Standort?
  • Wie lautet mein persönliches Thema, meine Mission? Was möchte ich neu machen?
  • Was ist meine Haltung, die ich entwickeln möchte? Wie steuere ich mich selbst?
  • Wie bringe ich das, was ich will durch Handlungen in die Welt?

Selbstführung ist deshalb wichtig, weil sie gerade in Zeiten des Wandelns und der großes Dynamik eine Kompetenz ist, die rasches Agieren in Übereinstimmung mit sich selbst ermöglicht.

Um Selbstführung zu entwickeln gibt es meine Coachingangebote und Seminare, die durch den Einsatz unterschiedlicher Methoden Selbstreflexion und Kompetenzentwicklung ermöglichen. Dabei setze ich auch psychologische Testverfahren von Julius Kuhl ein, die Motive und Selbststeuerungskompetenzen erheben. Darauf aufbauend erhalten die Teilnehmenden punktgenaue Entwicklungsimpulse. Wer konkret an seiner Selbstführung mit mir arbeiten möchte, nimmt am besten mit mir Kontakt auf oder schaut auf meine Online-Coachingangebote.

Vieles ist noch in Entwicklung.

Stand heute kann ich gar nicht sagen, wo ich am Ende des Jahres angelangt sein werde.

Und genau das macht das Leben für mich spannend!

Mach doch was Du willst! Mit diesen Tipps Dein Leben erfolgreich gestalten...

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Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1Empfehlenswert das Buch von Hans-Werner Rückert, Schluss mit dem ewigen Aufschieben, Campus Verlag, 2014
2vgl. Martin Heidegger, Sein und Zeit, Niemeyer, 1979, p.134
3vgl. auch Kants Formulierung des „kategorischen Imperativs“ „Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.“ Kant, Immanuel, AA IV, 429
4vgl. das Modell „Train the Eight“ von Heinz-Peter Wallner: https://www.youtube.com/watch?v=iu_xDnz-1nA

Bringe Ordnung in dein Leben – werde produktiv!

Bringe Ordnung in dein Leben – werde produktiv!

Warum dir Ordnung hilft, wirklich produktiv zu sein

“Ordnung ist das halbe Leben”

Viele Menschen zucken bei diesem Spruch zusammen. Klingt er doch nach Ödnis und Freudlosigkeit.

Als Kind habe ich diesen Spruch auch oft gehört. Und es hat lange gebraucht, bis ich ihn verstanden habe.

Was ich lange nicht verstand:  mit Ordnung ist weniger ein starres Prinzip gemeint, nach dem Sachen geordnet sind. Viel mehr kommt es darauf an, eine Umgebung zu schaffen, in der sinn-volles Arbeiten möglich ist. Und die Betonung liegt auf dem Wort “Sinn”: wer in einem Chaos lebt, der verliert die Übersicht und verliert nach und nach die Kontrolle. Dabei sollte es so sein, dass das was für einen wesentlich ist, auf einen Blick erkennbar ist und nicht unter einem Berg von Irrelevanz verschwindet!

Das Schlüsselwort heißt: Fokussierung.

Unsere Umwelt bombardiert uns täglich mit so vielen Reizen, dass unser Gehirn eine ganze Menge zu tun hat, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Denn genau das tut das Gehirn: es entscheidet, ob ein Input der hereinkommt, unsere Aufmerksamkeit braucht oder nicht. Du kannst dir leicht vorstellen, dass man dem Gehirn seine Arbeit sehr erschwert, wenn man es zulässt, dass andauernd irrelevante Information hereinkommt.

Mit anderen Worten: geistige Produktivität entsteht da, wo nur wenige Dinge deine Aufmerksamkeit beanspruchen. Reduziere konsequent Ablenkungen.

Steuere deine Aufmerksamkeit!

Ordnung durch Fokussierung

Ordnung hilft dir, den Fokus zu finden!

Ablenkungen entstehen grob gesagt aus zwei Quellen:

  • Aus dir selbst heraus. Du bist innerlich abgelenkt. Es beschäftigen dich Gedanken, Sorgen, wichtige Vorhaben etc.
  • Von außen. Du wirst durch externe Reize (Objekte) abgelenkt. Das sind alle Arten von Störquellen, die dich aus deiner Konzentration herausreißen (Emails, Telefonate, Kollegen, Unordnung etc.).

Innerliche Ablenkungen zu unterbinden ist etwas komplexer. Daher fange einfach einmal damit an, die äußeren Ablenker zu eliminieren und mehr Ordnung in dein Umfeld zu bringen[1]vgl. das interessante Interview mit Tiki Küstenmacher in der Zeit “Wider das Chaos in der Seele“.. In einem späteren Beitrag widme ich mich den inneren Ablenkern – du kannst jedoch hier bereits wertvolle Hinweise zu diesem Thema erhalten.

Ordnung in die Emails bringen

Jetzt ist die beste Gelegenheit, die Handhabung der Emails einer gründlichen Revision zu unterziehen. Das Ziel muss sein, eine leere Inbox zu haben. Wenn du eine Inbox hast, die mit hunderten Emails vollgestopft ist, führt das nur zur Ablenkung bzw. latenter Beunruhigung.

Um deine Inbox zu leeren, musst du dir ein Schema zurechtlegen, mit dem du Informationen beurteilst. Dieses Schema gilt nicht nur für Emails, sondern auch für jede andere Information, die dich erreicht.

Emails können sein:

  1. Unnütz – das sind Informationen, die keine Relevanz besitzen. Diese werden gelöscht
  2. Referenz – das sind Informationen, die du später einmal brauchst. Diese werden abgelegt (z.B. in einem Projekt oder in einen Ordner). Ich empfehle dir, diese Emails nicht in Ordnern anzulegen, sondern zu kategorisieren. Jedes gute Emailprogramm kann das. Überlege dir also sinnvolle Kategorien (z.B. Projekte, Finanzen, Angebote, Kunden etc.)
  3. Aufgaben – die Email erfordert eine Aktion. Wenn du diese Aktion gleich erledigen kannst, dann erledige sie. Ist die Aufgabe umfangreicher, dann erstelle eine Aufgabe (das ist in Outlook ganz einfach mit ziehen bei gedrückter rechter Maustaste möglich).
  4. Aufgabe mit Ressource – die Email kann prinzipiell erledigt werden; allerdings ist eine Ressource notwendig (z.B. brauchst du die Auskunft eines Kollegen, der aber im Moment nicht anwesend ist).

Gehe nun mit deinen Emails wie folgt vor:

  1. Lege dir einen Ordner “Erledigt” an. In diesen Ordner kommen alle Emails (außer den gelöschten), mit denen du etwas getan hast.
  2. Gehe nun die Emails durch und entscheide sofort: löschen – referenzieren – Aufgabe erledigen – Aufgabe erstellen.
  3. Nachdem du die Email entsprechend bearbeitet hast, verschiebst du sie in den Ordner “Erledigt”.

Wenn du diese Prozedur durchgeführt hast, sind nur die Emails in der Inbox, für deren Erledigung du eine zusätzliche Ressource benötigst.

Ordnung durch sinnvollen Email-Workflow

So organisierst du dir deine Emails…

Am Ende das Arbeitstages ist deine Inbox leer. Sollten sich noch Emails darin befinden, dann mache daraus eine Aufgabe.

Hast du es bis hierher geschafft?

Großartig!

Ordnung in dein Umfeld bringen

Mache dir klar, dass dein Arbeitsumfeld einen erheblichen Einfluss auf deine Produktivität hat. Wenn du einen Schreibtisch hast, der übersät ist mit Papieren, Ordnern, Büchern, Artikeln usw. dann sieht das zwar nach viel Arbeit aus – lenkt dich jedoch im Grunde ab!

Du brauchst ein aufgeräumtes Umfeld um konzentriert tätig zu sein!

Unterstütze also dein Gehirn dabei, sich auf eine Sache zu fokussieren, indem du Ablenkungen unterbindest.

Wie gehst du nun dabei vor?

Aufräumen

Ich weiß – aufräumen ist nicht besonders verlockend. Bereits in Kindertagen war es eine Tätigkeit, deren Sinn man selten eingesehen hat und das mit viel Abwehr verbunden war. Klar, aus der Perspektive eines Kindes macht aufräumen überhaupt keinen Sinn, Das Lego im Zimmer, die Autos und die Puppen liegen nicht “zufällig” herum, sondern sind Bestandteil einer Spielwelt.

Nun ist das Büro allerdings kein Kinderzimmer, sondern ein Ort der Produktivität. Und die stellt sich nun mal nicht gut ein, wenn das Gehirn keine Struktur erkennen kann, sondern sich in einem Chaos stets neu zurechtfinden muss,

Chaos statt Ordnung - Image by © David Pollack/CORBIS

Wer soll sich in diesem Chaos zurechtfinden?

Ich höre allerdings schon das Argument. “Aber ich finde mich in meinen Bergen von Papieren immer gut zurecht. Ich finde auf Anhieb, was ich suche!” Diesen Satz bezweifle ich vehement. In meinen Seminaren und Coachings gestehen mir diese “Bürokünstler” immer wieder, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist. Denn wenn diese Künstler dann einmal ein Papier nicht “auf Anhieb” finden, dann geht die Sucherei erst recht wieder los….

Also: mach Ordnung!

Im Grunde sind die Prinzipien wieder gleich wie oben bei den Emails beschrieben. Auch die Papiere, Dokumente, Bücher etc. sind Informationen. Diese kannst du wieder bewerten nach:

  1. Unnütz – Wegschmeißen oder verschenken.
  2. Ablage Referenz – diese Informationen werden irgendwann benötigt und finden Platz in einer besonderen Ablage.
  3. Ablage Projekte – diese Informationen werden Projekten zugeordnet.
  4. Delegieren – diese Informationen werden anderen zugeleitet.
  5. Aufgaben dringend – eine Ablage, für Aufgaben, die innerhalb von 1-2 Tagen zu erledigen sind.
  6. Aufgaben allgemein – lege diese Schriftstücke in eine andere Ablage. Ideal sind Wiedervorlagemappen. Dadurch kannst du gleich eine Vorsortierung nach Datum bewerkstelligen.
  7. Lektüre – alles, was du lesen möchtest.
  8. Technik/IT – Betriebsanleitungen, Handbücher, Workarounds etc.

Und nun lege los!

Räume ALLE Papiere, Dokumente, Gegenstände von deinen Tischen ab. Du hast richtig gehört! Alles kommt auf den Boden. Und nun beseitige dieses Chaos, indem du alles in die oben genannten 8 Kategorien vorsortierst. Dann gehst du an die Feinarbeit, indem du alle Informationen entsprechend sortierst.

Ablageplan

Natürlich kann ich dir keinen Ablageplan erstellen. Dazu müsste ich dein Arbeitsumfeld kennen. Mache dir aber bewusst: Ablage ist kein Selbstzweck, sondern eine Hilfe, um etwas finden!

Um etwas finden zu können, brauchst du eine Struktur.

So eine Struktur könnte wie folgt aussehen:

  1. Laufende Projekte
  2. Abgeschlossene Projekte (Archiv)
  3. Mitarbeiter (delegieren)
  4. Kunden
  5. Verwaltung
  6. Finanzen
  7. Besprechungen
  8. Reiseunterlagen

Nimm einmal diese Struktur als Ausgangspunkt und passe dann an. Du kannst diese Begriffe noch durch Unterbegriffe weiter aufgliedern. So könnte man die Finanzen in: Rechnungen – Bank -Steuer unterteilen. Aber: mache es dir nicht zu kompliziert!

Nur wenige Ordner – besser: Mappensysteme

Viele machen den Fehler, dass sie versuchen, ihre Ablage mit Ordnern zu organisieren. Solche Ordner solltest du nur für Informationen einsetzen, die du nicht oft benötigst. Ein gutes Beispiel ist sind Steuerunterlagen. Diese werden in einem Ordner gesammelt – verbunden mit der Hoffnung, dass man den Ordner nicht mehr braucht (sonst hat man eine Steuerprüfung ;-)).

Ich empfehle dir. mit Mappensystemen zu arbeiten. Die Firma Classei zum Beispiel bietet ganz einfach zu handhabende Systeme an. Das Prinzip ist einfach: jede Information kommt in eine Mappe. Diese Mappe wird mit einem Reiter beschriftet und in eine Plastikbox eingestellt. So hast du jede Information bereits kategorisiert und im Zugriff und es herrscht Ordnung!

Ordnung mit Orgamappen

Systeme mit Orgamappen sind die beste Art, Ordnung zu schaffen

Ordnung in die PC-Ablage bringen

Die PC-Ablage sollte prinzipiell wie die Papierablage organisiert sein. Allerdings rate ich dir, dass du dich von dem Denken befreist, Informationen am PC dadurch zu finden, indem du in Ordner hineinschaust. Jedes Betriebssystem ist in der Lage, nach Informationen zu suchen. Also: lass den Computer die Arbeit tun! Dazu musst du dich vielleicht mit den Suchmöglichkeiten vertraut machen. Eine wertvolle Zeitinvestition!

Du kannst dir das Leben noch leichter machen, indem du dir angewöhnst, Dateien mit einer Kategorie zu versehen. Das Programm “Tabbles” beispielsweise gestattet es dir, virtuelle Ordner zu erstellen und Dateien dort abzulegen. Das ist besonders praktisch, wenn man dieselbe Information mehrmals benötigt. So stelle ich mir zum Beispiel meine Dateien für meine Seminare aus einem Dokumentenpool zusammen. Bequem mit “Drag and Drop”, Einfacher geht es nicht! Die Mehrfachablage von Dateien gehört der Vergangenheit an.

Auch Emails lassen sich in Outlook kategorisieren und dann mittels Suchfunktion bequem wieder auffinden. Also brauchst du in Outlook eigentlich gar nicht mehr so viele Ordner.

Ordnung im weiteren Umfeld

Wenn du bis hierher Ordnung gemacht hast, dann hast du einen gewaltigen Schritt getan. Nun kannst du noch daran gehen, auch die anderen Orte zu ordnen, wo sich Dinge und Informationen ansammeln. Beispiele: Bücher, Zeitschriften, CD’s, Notizbücher usw. Alles das kannst du kritisch durchgehen und dich fragen: ist das noch notwendig? Ist es für etwas nützlich? Wenn nicht: dann trenne dich davon! Das schafft Platz für Neues! Wer sich mit dem wegwerfen (oder weggeben) schwer tut, der kann die Methode der 3 Kisten anwenden:

  • Kiste 1 für alle Sachen, die du  wegwerfen willst
  • Kiste 2 für alle Sachen, die du behalten willst
  • Kiste 3 für alle Sachen, die weder in Kiste 1 noch in Kiste 2 passen – vielleicht brauchbar.
    Verschließe nach der Ordnungsaktion diese Kiste, schreibe das heutige Datum darauf und deponiere sie an einem anderen Ort. Lege eine Zeit fest, in der du für diese Kiste noch  Zugriff haben möchtest (zum Beispiel ein halbes Jahr). Wenn du in diesem Zeitraum die Kiste nicht geöffnet hast, dann wirf sie am festgesetzten Datum weg.

Zur Ordnung im weiteren Umfeld gehören auch Social Media, Newsletter, Abos, Mitgliedschaften, Onlinespiele usw. Was davon benötigst du wirklich? Wie viel Zeit und Aufmerksamkeit willst du diesen Aktivitäten wirklich schenken? Was ist dein Gewinn? Bringt es dich wirklich weiter oder sind es nur schlechte Gewohnheiten, Zerstreuungen und Ablenker?

Letzten Endes kommt es darauf an, dass du in Kontakt mit dir selbst bist und bleibst.

Dazu verhelfen dir: Fokussierung, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema Ordnung? Schreibe das doch gleich in die Kommentare – so können alle profitieren!

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Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1vgl. das interessante Interview mit Tiki Küstenmacher in der Zeit “Wider das Chaos in der Seele“.

Stefan Mantel – Beruf und Familie in Balance bringen

Stefan Mantel – Beruf und Familie in Balance bringen

Erfolgreiche Führungskraft sein und für die Familie da sein

Warum Dir das bisher nicht gelungen ist und wie es Dir in Zukunft gelingen kann

Stell Dir einmal folgendes vor: Du hast Dich entschlossen, ein Haus zu bauen.

Erstes Szenario: Wenn Du genügend Geld hast, ist das überhaupt kein Problem. Du kannst einfach sagen, was Du haben möchtest. Dein Wille geschehe.

Zweites Szenario: Falls Du nicht so viel Geld hast, aber richtig viel Zeit (und wir gehen einmal davon aus, dass Du die entsprechenden handwerklichen Fähigkeiten hast), dann ist das Ganze wiederum kein Problem. Dann wird das Haus eben erst in fünf oder sieben Jahren fertig sein.

Drittes Szenario: Es ist weder viel Geld vorhanden noch hast Du wirklich viel Zeit, aber es ist Dir auch gar nicht so wichtig, wie das Haus nachher aussieht. Hauptsache, Du bist Hausbesitzer – auch wenn es nachher nur ein Gartenhaus ist 😉 Wiederum kein Problem!

Vielleicht kennst Du dieses Beispiel aus einem anderen Zusammenhang: dem Projektmanagement. Dort heißt das Ganze Zieldreieck und es geht im Regelfall um das Verhältnis von Qualität, Kosten und Zeit.

Geh’ bitte gedanklich nochmal in die Situation, in der Du das Haus bauen möchtest.

Du bist im Gespräch mit einem Architekten und sagst zu ihm: „Ich möchte gerne eine große Villa in bester Lage in Hamburg bauen. Es soll nicht allzu lange dauern bis sie fertiggestellt ist. Kostenmäßig soll sie sich im sechsstelligen Bereich bewegen. Wie bekommen wir das unter einen Hut?“ Nachdem der Architekt  geschluckt hat und wieder sprechen kann wird er antworten: „Gar nicht!“

Und er wird fragen, was Du denn genau möchtest.

Viele Führungskräfte verhalten sie aber genau so wie der Bauherr im Beispiel, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht. Wir möchten ganz viel Zeit mit unseren Kinder verbringen und auf alle Fälle Kariere machen. Und Zeit mit meiner Frau und auch für meinen Sport ist mir schon wichtig. Das sind aus meiner Sicht leere Phrasen, die Dich und Deine Familie keinen Schritt weiterbringen.

Solltest Du schon einmal ein Haus gebaut haben, dann weißt Du, dass im Vorfeld absolut klar sein muss(!), wie viel Geld zur Verfügung steht, welche Größe, welchen Standard und welche Qualität das Haus haben und in welcher Zeit es fertiggestellt sein soll.

Es gilt also erst einmal die einzelnen Fixpunkte zu genau definieren, um dann zu schauen, wie man sie „unter einen Hut bekommt.“

Wie bekommst du alles unter einen Hut?

Die Frage, die häufig in Bezug auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gestellt wird ist genau diese: „Wie bekomme ich das alles unter einen Hut?“

Das ist aber aus meiner Sicht erst die zweite Frage.

Die erste (und viel wichtigere) lautet: „Was soll überhaupt in meinen Hut?“ oder „Was ist mir so wichtig, dass es auf alle Fälle in meinem Hut Platz finden muss, damit ich mit meinem Leben wirklich zufrieden bin – und zwar jetzt und in der Retrospektive am Ende meines Lebens?

Ich bin in meinen Beratungen und Coachings immer wieder überrascht, dass die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte diese Frage gar nicht konkret beantworten kann. Es verhält sich allerdings wie beim Hausbau: Bevor nicht klar ist, welche ganz konkreten Fixpunkte mir wirklich wichtig sind, macht es keinen Sinn sich über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf Gedanken zu machen. Es ist schließlich überhaupt nicht klar ist, was vereinbart werden soll.

Wie kannst Du Klarheit bekommen? It’s simple, but not easy!

Du brauchst Dir lediglich die richtigen Fragen zu stellen (die allerdings häufig gar nicht so leicht zu beantworten sind, da sie ziemlich ins Eingemachte gehen)

Damit Du Beruf und Familie vereinbaren kannst, ist es wichtig, dass Du Dir über Deine Vaterrolle klar wirst.

Wichtig Fragen zu Deiner Vaterrolle könnten sein:

  • Was für ein Vater möchte ich konkret sein?
  • Was erwarte ich von mir in meiner Rolle als Vater in dieser Familie?
  • Welche Erwartungen haben/hatten meine Eltern an mich in dieser Rolle?
  • Was erwartet meine Frau von mir?
  • Welche Erwartungen und Wünsche haben meine Kinder an mich als Vater?

Und das waren lediglich ein paar Fragen, um Klarheit in Deine Vaterrolle zu bekommen.

Diese Fragen kannst Du Dir für sämtliche Rollen und Bereiche Deines Lebens stellen:

  • Deine Rolle als Führungskraft
  • Deine Rolle (Ehe)partner
  • den Bereich Freundschaften/Vereine
  • Deine Gesundheit
  • die Zeit für Dich

… um nur einige zu nennen[1] Zum Thema Rolle kannst Du auch diesen Blogbeitrag “Führen durch Rollenklarheit” nachlesen oder die Podcastfolge “Führungsstark durch Rollenklarheit.

Löse dich von alten Glaubenssätzen

Während der Beschäftigung mit diesen Fragen, wirst Du auf viele Glaubenssätze stoßen wie z.B. „Ich bin nur ein guter Vater, wenn ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringe.“

Lass mich Dir hierzu ein kurzes Beispiel aus einer meiner Beratungen erzählen:

Mir gegenüber sitzt Thorsten, 42 Jahre. Er hat das Gefühl, dass er zwar beruflich erfolgreich ist (guter Posten im mittleren Management, angemessenes Gehalt), aber ein schlechter Vater. Auf die Frage, was denn einen guten Vater aus seiner Sicht ausmache, antwortet er: Ein guter Vater verbringt viel Zeit mit seinen Kindern. (Du merkst: viel Zeit ist sehr unkonkret und ein Vater mit diesem Glaubenssatz hat gar keine andere Chance als sich schlecht zu fühlen.) Nachdem wir herausgearbeitet haben, wie viel Zeit das konkret aus seiner Sicht sein muss, wurde deutlich, dass er es anders machen wollte als sein eigener Vater, der eigentlich dauerhaft abwesend war. Darunter hatte er als Kind gelitten.

Aus diesem Grund hatte er „gutes Vatersein“ mit „viel Zeit haben“ verknüpft. Im weiteren Prozess löste sich dieser Glaubenssatz „Ich bin nur ein guter Vater, wenn ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringe.“ auf und Thorsten konnte differenzierter sehen, was ihm wirklich wichtig war im Kontakt zu seinen Kids. So ging es ihm vor allem darum, z.B. an wichtigen Ereignissen Fußballspiel, Schulkonzert, usw. teilnehmen zu können und für seine Kinder (die 10 und 14 Jahre alt waren) bei Problemen jederzeit ansprechbar zu sein. Heilig waren ihm außerdem das Wochenende und der Urlaub.

Hier ist bei Thorsten für seine Vaterrolle Klarheit entstanden.

Und erst, wenn in allen Bereichen und Rollen Deines Lebens absolute Klarheit herrscht, gilt es den zweiten Schritt zu gehen: Dann kannst Du konkret überlegen, wie Du das alles unter einen Hut bekommst und Familie und Beruf in Einklang bringst.

Was braucht es also zunächst als erfolgreiche Führungskraft, um für die Familie da zu sein?

  1. Klarheit für mich: Die Leitfrage hier lautet wie oben beschrieben „Was ist mir wichtig?“
  2. In Kommunikation treten: Ich habe es oben bereits angedeutet. Wenn Du maximal klar bist, dann gilt es herauszufinden, was die anderen von Dir erwarten, z.B. Deine Frau und Deine Kinder. Wenn Du jetzt sagst: „Das weiß ich doch!“, dann würde ich gerne widersprechen. Meiner Erfahrung nach sind wir Menschen ganz schlecht im Gedankenlesen und die Führungskräfte, die ganz klar benennen können, was z.B. ihre Frau von Ihnen erwartet, haben explizit mit ihrer Frau darüber gesprochen.

Damit ist die Reise noch lange nicht zu Ende (ehrlich gesagt: sie hat erst angefangen) …

… aber nun hast Du eine realistische Chance, dass am Ende der Reise ein beruflicher Erfolg steht, der nicht auf Kosten Deiner Rolle als Vater und (Ehe-)Partner geht.

Stefan Mantel ist Berater, Coach und Trainer für Führungskräfte. Er unterstützt sie dabei, beruflich erfolgreich und trotzdem pünktlich zum Abendbrot zu Hause zu sein und gut zwischen Führungskraft- und Vatersein umschalten zu können. Er lebt und arbeitet in Berlin. www.stefanmantel.com

 

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Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1 Zum Thema Rolle kannst Du auch diesen Blogbeitrag “Führen durch Rollenklarheit” nachlesen oder die Podcastfolge “Führungsstark durch Rollenklarheit

Komplexität meistern mit dem Cynefin-Framework

Komplexität meistern mit dem Cynefin-Framework

Das Cynefin-Framework

Das Cynefin-Framework kann eine Hilfe sein, um der Komplexitätsfalle zu entgehen. In diese gerät man leicht, wenn man als Manager oder Mangerin auf “biegen und brechen” versucht, komplexe Situationen in den Griff zu bekommen. Und dass es heute in Unternehemen herausfordernd zugeht, ist eine Binsenweisheit.

Meine These: die komplexen Herausforderungen in denen Führungskräfte stehen, fordern bis an die Grenze des individuell Möglichen.

Dass Manager ihre Tätigkeit zunehmend als schwierig und belastend einstufen ist nicht überraschend. So zeigt der Hernstein Management Report 2017 auf, dass 37% der Manager ein häufiges Stressgefühl erleben[1]https://www.hernstein.at/newsroom/management-insights/burn-out-ausgeglichene-work-life-balance-und-resilienz-als-antwort/. Jede 4. Führungskraft schließt für sich selbst die Gefahr eines Burn-Outs nicht aus.

Das Cynefin-Framework bietet die Möglichkeit, Situationen im Management besser einzuordnen und das eigene Verhalten darauf abzustimmen.

Mehr Ruhe und Übersicht kommt dadurch in das Management.

Komplexität durch Digitalisierung

Die drastischen Veränderungen durch die Digitalisierung haben neue Möglichkeiten der weltweiten Zusammenarbeit ermöglicht. Produktion rund um die Uhr, in nahezu allen Erdteilen und über unterschiedliche Kulturen hinweg ist heute zunehmend die Regel. Ein solches weltumspannendes Unternehmen ähnelt kaum mehr einem Betrieb im 20. Jahrhundert, der einige wenige Standorte hatte und wo der „Generaldirektor“ noch alles regelte.

Heute ähneln Unternehmen weit mehr sich selbst steuernden Organismen, die als schwer durchschaubare, komplexe Gebilde erscheinen. Das liegt zu einem erheblichen Teil an dem hohen Grad an Vernetztheit und den damit einhergehenden unvorhersehbaren Wechselwirkungen. Für MitarbeiterInnen und Führungskräfte ist die Sinnhaftigkeit vieler Unternehmensprozesse und Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar.

Unsicherheit und Ängste entstehen, die durch die lockeren Bindungen, die in modernen Unternehmen herrschen, kaum noch aufgefangen werden können.

Übrigens gibt es das Gefühl an zunehmender Verunsicherung (VUCA-Welt[2]https://www.heisetraining.at/entscheidungen-treffen-in-der-vuca-welt/) auch für Einzelunternehmer. Vielleicht wiegt für diese das Gefühl der Verunsicherung noch schwerer, wenn der Austausch mit ähnlich empfindenden „Leidensgenossen“ fehlt.

Wie kannst du nun in einer komplexen Welt als Führungskraft bestmöglich agieren?

Dazu gibt das Cynefin Modell einige Ansatzpunkte.

Das Cynefin-Framework

Das Modell wurde von Dave Snowden [*1954] entwickelt. Das Wort „Cynefin“ kommt aus dem walisischen und kann mit „Lebensraum“ oder „Platz“ übersetzen[3]zur Bedeutung siehe Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Cynefin-Framework . Daher ist der Aspekt des Wohnens bzw. des Ortes in dem man sich aufhält wichtig, um den Ansatz zu verstehen.

Im Cynefin-Framework gibt es vier Zustände, die ein System annehmen kann:

  • Einfach
  • Kompliziert
  • Komplex
  • Chaotisch

Einfache Systeme

Einfach ist ein System dann, wenn ein eindeutiger Ursache-Wirkungszusammenhang besteht. Wir nehmen ein Ereignis wahr und können fragen: „Was ist die Ursache dafür?“
Ein Beispiel: Du schaltest eine elektrische Lampe ein – aber der Raum bleibt dunkel. Nun wirst du kaum nach einer übernatürlichen Erklärung suchen, sondern davon ausgehen, dass die Glühbirne ihren Geist aufgegeben hat. Also flugs eine neue Birne reingeschraubt und die Sache ist geritzt.

Solche Vorgangsweisen – also zuerst einmal zu versuchen die Glühbirne zu tauschen – sind bewährte Methoden oder „Best Practice“-Modelle.  Sie funktionieren nach dem Prinzip, das Problem zu beobachten, akkurat zu beschreiben und dann zu kategorisieren.  Dann wird man auf das Problem antworten.

Das funktioniert deshalb, weil wir für eine Vielzahl an Problemen bereits genug Wissen haben, wie die Lösung auszusehen hat. Wir müssen also für einfache Probleme nicht immer wieder bei Null anfangen, sondern können uns auf bewährte Vorgangsweisen verlassen. Man bezeichnet das auch als Best Practice. Bewährte Vorgangsweisen zur Problemlösung können in Checklisten und Handbüchern zusammengefasst werden.

Als Führungskraft wirst du danach trachten, Best practice Lösungen für bekannte Probleme zu sammeln und als verbindliche Standards deinen Mitarbeitenden zur Verfügung zu stellen.

Komplizierte Systeme

Kompliziert sind Systeme dann, wenn es mehrere Ursachen geben kann. Auch in komplizierten Systemen gibt es Ursache-Wirkungszusammenhänge – jedoch sind diese nicht auf den ersten Blick erkennbar. Hier steht auch an erster Stelle das Problem zu beobachten. In diesen Erkenntnisprozess fließt jedoch bereits ein, dass es sich nicht um ein „einfaches“ Problem handelt, sondern um eine komplizierte Angelegenheit. Hier ist es notwendig, zu analysieren und dann aus den vielen möglichen Strategien mit jener zu antworten, die am meisten Erfolg verspricht. Das nennt man auch Good Practice. Ein Beispiel ist das Auto: wenn eine Fehlfunktion vorliegt, kann der durchschnittliche Autofahrer meist keine Lösung finden. Er muss sich an eine Werkstätte wenden, bei der das Problem analysiert und die beste Lösung gefunden wird.

Komplizierte Kontexte sind die Domäne von Experten oder Fachleuten. Sie wissen über viele mögliche Ursache-Wirkungsbeziehungen Bescheid und verfügen über Methoden, diese darzustellen. Als Führungskraft tust du gut daran, für komplizierte Probleme Experten und Fachleute mit Analysen zu beauftragen. Daraus wird ein Maßnahmenplan entwickelt, der dann umgesetzt wird. Wichtig ist jedoch zu akzeptieren, dass es keine „Best Practice“ Lösung geben wird. Eine taugliche, praktikable und gute Lösung muss ausreichend sein.

Komplexe Systeme

Komplex sind Systeme dann, wenn Ursache-Wirkungs-Beziehungen nur im Nachhinein beurteilt werden können. Der Grund liegt darin, dass in komplexen Systemen eine Vielzahl von Systemelementen miteinander interagieren. Das System ist sehr dynamisch. Eine kleine Änderung kann eine große Wirkung entfalten. Welche Wirkungen das genau sind, kann nur sehr bedingt vorhergesagt werden. Einmal gefundene Problemlösungen für ein spezifisches Problem können daher nur schlecht auf einen anderen Fall übertragen werden. Daher sind komplexe Systeme auch nur bedingt steuerbar – aber trotzdem kann das Management steuernden Einfluss nehmen. Ein wichtiges Merkmal komplexer Systeme ist, dass es beschreibbare Muster gibt.

So ist das Verhalten von Menschen in einem Team ein schönes Beispiel für ein komplexes System. Die Interaktionen in diesem Team sind zwar nicht mit Sicherheit vorhersehbar, jedoch kannst du von außen beobachten, wie die Teammitglieder miteinander umgehen. Also etwa wer am meisten spricht, wie Problemen gelöst werden, wie das Stressverhalten ist etc.

Komplexität im Management

Die meisten Situationen im Management sind komplexer Natur. Schlechte Quartalszahlen, eine Veränderung im Management, Preisentwicklung, Verkäufe von Unternehmensteilen, Fusionen etc. sind Ereignisse, die mit Veränderung, Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit einhergehen. Keine gute Idee ist es, Komplexität reduzieren zu wollen. Ein komplexes System kannst du im Unterschied zu komplizierten Systeme nicht in seine „Einzelteile“ zerlegen. Es ist mehr als die Summe seiner Teile. Alle Teile interagieren in einer besonderen Art und Weise. Einfach etwas wegzulassen führt nicht zur Beherrschbarkeit des Systemes, sondern zu neuen unvorhersehbaren Reaktionen.

Die besondere Art und Weise des Umgangs miteinander ist ein bestimmtes Antwortmuster, das sichtbar wird. Man spricht im Cynefin-Framework auch von „emergentem Wissen“. Damit wird ausgedrückt, dass das System eine adäquate Antwort gibt, wenn es „getestet“ wird. Daher ist es notwendig in komplexen System die Schritte: probierenbeobachtenreagieren immer wieder zu durchlaufen. Die Idee ist, dass sich durch dieses Management-Verhalten eine adäquate Antwort auf die Problemstellung finden wird.

Überflüssig zu erwähnen, dass probierendes Managen natürlich eine hohe Sensibilität für die Situation im Hier-und-Jetzt erfordert. Was sich in diesem probierenden Prozess bewährt, wird beibehalten – unpassende Lösungsansätze ausgeschieden. Durch diesen Prozess verändert sich das System jedoch auch und strukturiert sich neu.

Chaotische Systeme

Chaotische Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass es gar keine Ursache-Wirkung-Beziehungen mehr gibt. Nehmen wir als Beispiel eine Naturkatastrophe. Eine Lawine ist abgegangen – viele Menschen wurden verschüttet. Das Ereignis berührt viele Ebenen: Wie gewinnt man ein zutreffendes Gesamtbild? Welches Ausmaß hat das Ereignis? Wie viele Personen sind verschüttet und wo? Wie können Hilfskräfte herangeführt werden? Sind noch weitere Lawinenabgänge zu erwarten? Wer gestaltet die Informationspolitik?…

Was in dieser chaotischen Situation fehlt, ist Ordnung. Hier gilt die Devise: handelnbeobachtenreagieren. Notwendige Verfahren und Prozesse können hilfreich sein – allerdings bleibt es eine offene Frage, ob die eingesetzten Verfahren zum Erfolg führen.

Wofür das Cynefin-Framework nutzen?

Das Cynefin-Framework kannst du als Diagnoseinstrument benutzen. Finde bei aktuellen Problemen heraus, um welche Cynefin-Domäne es sich handelt.

Das Cynefin-Framework ist auch gut geeignet, um dich selbst einzuschätzen. In welcher Domäne fühlst du dich besonders wohl?

Versuche auch, das Cynefin-Framework als Prozess zu verstehen. Systeme sind nicht statisch. Und aus komplexen Systemen entstehen in vielen Fällen komplizierte Teilsysteme, die dann wieder gut zu managen sind.

Wenn du als Führungskraft Erfolg haben willst kommt es darauf an, dass du lernst, mit Komplexität umzugehen. Das bedeutet in erster Linie eine Änderung der Haltung. Komplexität wirst du niemals beherrschen können – du bist eingeladen, dich zu öffnen und Komplexität zuzulassen. Eine Portion Mut und Risikobereitschaft gehört dazu, um experimentierend mit Komplexität umzugehen. Schließlich eröffnet dir eine gesunde Neugier, Selbstvertrauen und Gelassenheit die Chance, auf komplexe Fragen hilfreiche Antworten zu finden.

Hier als Podcast-Episode nachhören

Komplexität meistern mit Cynefin

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

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Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt

Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt

Entscheidungen und Führung gehören zusammen

Klaus ist Leiter eines kleinen Unternehmens, das eine innovative App entwickelt hat. Das Team arbeitet ausgezeichnet zusammen. Mehrere Interessenten haben sich schon gemeldet, um das kleine Unternehmen zu kaufen. Die angebotene Summe ist für Klaus sehr verlockend – aber er wäre dann auf einen Schlag sein Unternehmen los. Soll Klaus sein Unternehmen, auf das er so stolz ist, aufgeben? Und was wird sein Team dazu sagen? Die wären mit einem Schlag ihre Arbeitsplätze los….

Manuela ist eine der Vorstandsdirektorinnen in einem Logistikunternehmen. Die Konkurrenz ist hart – besonders durch ausländische Dienstleister, die den Wettbewerb verschärfen. Nun steht sie vor der Frage, ob das Unternehmen vermehrt in die Entwicklung von All-In-One-Lösungen investieren soll. Dazu müssten erhebliche Geldmittel investiert werden, um Lösungen zu entwickeln. Im letzten Strategiemeeting wurden die Chancen als durchwachsen eingestuft, da man die weitere Entwicklung auf dem Logistiksektor schwer abschätzen kann. Wie soll sie sich entscheiden?

Diese und viele ähnliche Fälle zeigen einen wichtigen Aspekt von Führung: Entscheidungen treffen.

Entscheidungen als Grundphänomen des Mensch-Seins

Entscheidungen zu treffen ist jedoch nicht nur eine Domäne von Führungskräften. Tatsächlich ist unsere ganze menschliche Existenz auf Entscheidungen gegründet. Das liegt daran, dass wir als Menschen prinzipiell “in die Freiheit gestellt” sind, wie dies Martin Heidegger ausdrückt[1]Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1979 (1927).. Zwar ist nicht all unser Handeln immer und in jedem Augenblick frei – jedoch zeigt sich unsere Freiheit gerade dann, wenn wir vor Entscheidungen gestellt sind.

Soll ich diese oder jene Berufsausbildung machen?

Ist es für mich sinnvoll, ein Haus im Grünen zu erwerben?

Ist es wichtiger, einen Abend mit der Familie zu verbringen oder soll ich besser an meinem Projekt arbeiten?

Diese Fragen mögen alle recht banal sein – sie können jedoch erhebliche Konsequenzen haben: für mich persönlich und für andere. Gerade die Frage der Konsequenzen einer Entscheidung machen ja Entscheidungen oftmals schwer.

Entscheidungsfalle: “richtige” Entscheidungen finden

Was geschieht eigentlich genau bei Entscheidungen?

Gehe einmal in Gedanken in eine Entscheidungssituation. Wenn du versuchst zu beschreiben, wie der Prozess der Entscheidung abläuft, wirst du bemerken, dass du bei vielen Entscheidungen zunächst einmal in Gedanken die Zukunft vorweg nimmst. Martin Heidegger drückt die so aus, dass wir als Menschen auf Zukunft bezogen sind und in diese Zukunft gewissermaßen “vorlaufen”. In diesem gedanklichen Vorlaufen werden Möglichkeiten des Sein-Könnens erschlossen und dann gewählt.

Indem man als Mensch diese Wahl trifft, entscheidet man sich für eine mögliche Zukunft. Erst indem man diese Zukunft dann lebt, stellt sich heraus, ob die Wahl die “richtige” war.

Wir würden als Menschen natürlich allzu gerne wissen, was nach dieser Entscheidung kommt. Wir suchen nach einer Gewissheit für unsere Entscheidung, die wir eigentlich nur finden können, indem wir die Zukunft wagen.

Wenn wir Entscheidungsprozesse von der psychologischen Seite her betrachten, dann zeigt es sich, dass sich Menschen sehr darin unterscheiden, wie “wagemutig” sie sind.

Management-Entscheidungen der “alten Schule”

Die oben angedeuteten Grundprozesse finden sich auch in Entscheidungssituationen wieder, die wir in der Führung antreffen. Entscheidungen im Management werden vielfach (noch) von Menschen getroffen. Und wie Entscheidungen dann getroffen werden ist eng mit der eigenen Persönlichkeit verknüpft.

Nehmen wir einmal eine Führungskraft, die eher risikoscheu ist. Was zeichnet diese Herangehensweise an Entscheidungsprobleme aus?

  • Lange Problemanalyse
  • Einbeziehen möglichst vieler Meinungen
  • Suche nach ähnlichen Situationen in der Vergangenheit
  • Denken in Szenarios
  • Vermeiden von Fehlern
  • Suche nach der richtigen Entscheidung

Ein großer Vorteil dieser Methode ist die Tiefe der Analyse. Viele Aspekte und Gesichtspunkte der Situation kommen auf den Tisch. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und die Entscheidung letztlich gar nicht getroffen wird. Oder die Möglichkeiten sind so zahlreich, dass man dann in einen richtigen Lähmungszustand verfällt, der durch die Entscheidung für “irgendetwas” beendet wird.

Der Grund dafür ist, dass diese Methode stark mit der analytischen Gehirnhälfte arbeitet. Dieser Teil unseres Gehirns arbeite sequentiell und hat nur ausschnitthaften Zugang zu Erfahrungen. Zusammenhänge und komplexe Vernetzungen werden nicht erkannt. Im Extremfall wird das Problem zwar analysiert, aber gar nicht in der Tiefe durchdrungen. Viele Führungskräfte die so vorgehen merken das auch und haben das Gefühl, noch nicht alles “richtig verstanden” zu haben.

Daraus kann aber ein fataler Teufelskreis entstehen: wer meint, noch nicht alles “richtig” verstanden hat versucht vielleicht, das Problem noch tiefer zu durchdringen. Die linke Gehirnhälfte arbeitet quasi auf Hochtouren – kann jedoch das Gewünschte nicht liefern.

Überfordert in der VUCA-Welt

Der Begriff VUCA ist ein Akronym für die Begriffe[2]vgl.”Was bedeutet VUCA” von Melanie Vogel;

  • VOLATILITÄT (Volatility) – Veränderungen treten heute in einer ungewohnten Heftigkeit und Dynamik auf. Veränderungen geschehen plötzlich und sind oftmals radikal.
  • UNSICHERHEIT (Uncertainty) – Veränderungen und die Auswirkungen sind kaum berechenbar. Man fühlt sich überrumpelt. Weil die Prozesse oft schwer zu verstehen sind, wächst das Gefühl der Unsicherheit.
  • KOMPLEXITÄT (Complexity) – Es gibt immer weniger einfache Systeme. Globaler Handel, Industrie, Geldpolitik usw. sind vielfältig ineinander verflochten. Einzelne Entscheidungen können ungeahnte Wirkungen entfalten. Auch das individuelle Leben wird mehr und mehr Teil eines komplexen Gesamtzusammenhangs.
  • AMBIGUITÄT (Ambiguity) – Es gibt keine einfachen Ursache-Wirkungszusammenhänge mehr. Die Realität erscheint verwirrend, schwer zu durchschauen, oftmals mehrdeutig und unverständlich. Missdeutungen und Fehlinterpretationen nehmen zu.

Diese Begriffe[3]siehe auch WIKIPEDIA: Vuca verdeutlichen aus meiner Sicht sehr klar, warum ein Zugang mit dem analytischen Denken allein nicht ausreichend sein kann, um Entscheidungen zu treffen. Komplexe Systeme lassen sich nur zu einem sehr geringen Teil analysieren.

VUCA

Aspekte der VUCA-Welt

Aber was dann? Müssen wir vor der Komplexität resignieren? Ist es dann gar nicht möglich, zu Entscheidungen zu kommen, weil ein Manager das Ganze sowieso nicht durchblickt?

Entscheidungen mit gefühltem Wissen

Wir wollen nicht gleich das Kind mit dem Bad ausschütten. In der westlichen Welt haben wir uns vielleicht in den letzten Jahrhunderten zu sehr auf das rationale, analytische Wissen verlassen. Es geht uns offenbar wie dem Schüler in Goethes Faust, der voll stolz verkündet: “wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.” Zwar haben wir es “bis an die Sterne weit” gebracht, aber das analytische, rationale Wissen ist nur eine Komponente. Es taugt nicht recht, um Komplexität zu verstehen.

Damit das gelänge, müsste der analytische Verstand in der Lage sein, mehrere Aspekte gleichzeitig auf dem Schirm zu haben und eine Vielzahl an Informationen simultan zu verrechnen. Dazu wird jedoch ein anderes System gebraucht – das Selbst.

Fähigkeiten des Selbst-Systems

Kurz zusammengefasst hat das Selbst (oder Extensionsgedächtnis) folgende Fähigkeiten und Eigenschaften[4]vgl. Julius Kuhl; Motivation und Persönlichkeit, Hogrefe, 2001.:

  • Das Selbst ist ein ausgedehntes Netzwerk – vergleichbar mit einer riesigen Bibliothek oder einem Museum (Wissenslandkarte).
  • Erfahrungen, Emotionen, Werthaltungen, Motive… sind im Selbst auf eine einzigartige Weise organisiert.  Das ist im wesentlichen das, was unsere Persönlichkeit ausmacht.
  • Alles das, was wir täglich erleben und für uns wichtig ist, wird im Selbst gespeichert, mit früheren Episoden verknüpft und Bestandteil unserer Persönlichkeit (episodisches Gedächtnis).
  • Als Netzwerk ist das Selbst in der Lage, auch mit unvollständiger Information zurecht zu kommen.
  • Das Selbst arbeitet ganzheitlich und stellt uns gefühltes Wissen zur Verfügung.
  • Das Selbst arbeitet am besten in entspannter, gelassener Stimmungslage. Zwar kann das Selbst Stress bis zu einem gewissen Grad gut regulieren – ab einer bestimmten Menge an Stress verliert das Selbst jedoch diese Fähigkeit. Man hat das Gefühl, nicht mehr recht “bei sich” zu sein.
  • Das Extensionsgedächtnis kann mehrere Informationen gleichzeitig (parallel) verarbeiten. Gerade in komplexen Situationen benötigen wir das Selbst, um bestmögliche Entscheidungen zu treffen.
  • Das Selbst hat eine Hintergrundaufmerksamkeit und spielt uns nützliches Wissen dann ein, wenn es gerade gebraucht wird.

Konsequenz

Aus allen diesen Funktionsmerkmalen zeigt sich, dass das Selbst als einziges psychisches System in der Lage ist, die momentane Situation mit dem eigenen Wissen, Erfahrungen, Werten, Motiven und Emotionen in Einklang zu bringen. Das Ergebnis dieses Abgleichs ist jedoch mehr ein gefühltes Wissen, eine Ahnung oder das sprichwörtliche “Bauchgefühl[5]Gerd Gigerenzer; Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Goldmann, 2008.”.

Auf diese innere Stimme – die meist recht leise spricht – zu hören, kann gerade in Entscheidungssituationen von Vorteil sein. Der analytische Verstand besitzt diese Integrationsleistung nicht – er soll sie auch nicht haben, denn seine Stärken liegen in der konsequenten Verfolgung eines einmal gefassten Entschlusses. Insofern ist es für Entscheidungsprozesse unabdingbar, dass Verstand und Selbst gut zusammenarbeiten. Nur so kann man die Komplexität hinreichend meistern [6]Mehr Hintergrundinformationen gibt es hier: “Die Geheimnisse deiner Psyche entschlüsselt!.

Hilfe für Klaus und Manuela

Wie können wir den beiden oben beschriebenen Führungskräften bei ihrer Entscheidung helfen? Wie können sie eine “gute Entscheidung” treffen?

Die Antwort ist einfach: das Selbst nutzen!

Hierzu gibt es 5 Wege, die ich auch mit Klienten im Coaching beschreite:

  1. Entschleunigung und Druck rausnehmen.  Kein Zeitdruck und sich beruhigen. Nur dann kommt man zu sich Selbst.
  2. Perspektive und Standort wechseln. Das Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln anschauen.
  3. Optionen erweitern. Hier gilt der Satz von Julius Kuhl: “Ab 3 beginnt die Unendlichkeit”. Solange man noch in der Entweder-Oder-Logik steckt, hat man noch nicht alle Möglichkeiten entdeckt. Andere Menschen einzuladen sich an der Suche nach Optionen zu beteiligen kann eine Hilfe sein. Aber auch Anregungen aus der Kunst können Wege zum Selbst öffnen (hör dir dazu auch die Podcastepisode 21 an, in der Monika Herbstrith-Lappe unter dem Stichwort “Werde der Regisseur deines Erfolgs” über Verbindungen von Theaterkunst mit Führungskunst spricht.
  4. Die Wertigkeit der Optionen erfühlen. Hier geht es darum, mit dem Körper zu erleben, wie sich die Optionen anfühlen.
  5. Der gefühlten Entscheidung vertrauen und dann umsetzen.

Entscheidungen aus dem gefühlten Selbst getroffen zu haben ist eine Erfahrung, die das eigene Leben ungemein bereichern kann. Wir sollten daher “Entscheidungsprobleme” als willkommene Gelegenheiten zu persönlichem Selbst-Wachstum verstehen – so verzwickt sie auch im ersten Moment sein können.

Denn das Selbst ist unser weiser Ratgeber – und wer auf diese Stimme hört, bekommt den guten Rat zum Nulltarif!

Liebe Leserin/lieber Leser jetzt interessiert mich deine Meinung:

  • Wie gehst du vor, wenn du schwierige Entscheidungen zu treffen hast?
  • Wie sind deine Erfahrungen mit dem Bauchgefühl?

Ich freue mich, wenn du gleich jetzt einen Kommentar verfasst!

Hier als Podcast-Episode nachhören

Wie du als Führungskraft gute Entscheidungen triffst

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Interview mit Dr. Artinger zum Thema "Entscheidungen"

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

Bitte teilen. Vielen Dank

Anmerkungen und Nachweise

Anmerkungen und Nachweise
1Martin Heidegger, Sein und Zeit, 1979 (1927).
2vgl.”Was bedeutet VUCA” von Melanie Vogel
3siehe auch WIKIPEDIA: Vuca
4vgl. Julius Kuhl; Motivation und Persönlichkeit, Hogrefe, 2001.
5Gerd Gigerenzer; Bauchentscheidungen: Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, Goldmann, 2008.
6Mehr Hintergrundinformationen gibt es hier: “Die Geheimnisse deiner Psyche entschlüsselt!

Anja Rauch: Mediation löst Konflikte nachhaltig

Anja Rauch: Mediation löst Konflikte nachhaltig

Mediation sucht nicht den Schuldigen sondern löst Probleme

Dieser Gastartikel stammt von Anja Rauch. Als erfolgreiche Mediatorin war es ihr ein Anliegen, zum Thema „Mediation im Führungskräfte-Bereich“ einen Beitrag zu schreiben. Ich habe mich sehr gefreut, dass Anja Rauch bereit war, dieses wichtige Thema darzustellen.

Mediation – der Weg zu dauerhaften Lösungen

Kennst Du das?

Du bist Nachwuchs-Führungskraft in einem Unternehmen, und auf der selben Management-Ebene gibt es einen Kollegen, der alle Deine Versuche, „neuen Wind“ in die Organisation zu bringen, abtut, belächelt oder sogar sabotiert? Er führt seine Mitarbeiter aus Deiner Sicht total „old school“, außerdem will er alles so lassen wie es ist, denn „es hat ja bisher immer funktioniert“. Zusätzlich hast Du das Gefühl, dass die Geschäftsführung bei den Auseinandersetzungen, die Ihr habt, wegschaut. Du willst nicht einfach das Handtuch werfen, hast aber keine Idee, wie das Problem zu lösen ist.

Wie wäre es mit einer Mediation?

Mediation ist mittlerweile ein schon recht verbreiteter Begriff für eine strukturierte, konstruktive Bearbeitung von Konflikten. Er steht für die Chance, Konflikte zu beiderseitigem Nutzen zu lösen, über einen Kompromiss hinaus, und Beziehungen jeglicher Art langfristig wieder gut gestalten zu können. Durch Mediation können Konflikte rechtzeitig entschärft und eine weitere Zuspitzung verhindert werden. (Zum Thema Konfliktmanagement kannst du auch diese Blogartikel nachlesen “Konflikte verstehen und handhaben” und “Hast du es satt, Konflikte passiv zu erdulden?“)

Im Unterschied zu anderen Konfliktlösungsverfahren, wie z.B. der Schlichtung, erarbeiten die Beteiligten ihre Lösungen selbst, was dazu führt, dass die Akzeptanz der Ergebnisse deutlich höher liegt, als würde ein Dritter diese festlegen.

Der Mediator unterstützt sie dabei, auf einer interessenorientierten Basis wieder ein Verständnis füreinander zu ermöglichen, um dann eigenverantwortlich Lösungen zu finden, die vorher oft außerhalb ihrer bisherigen Vorstellungskraft lagen.

Das geschieht im Rahmen der Vertraulichkeit, sodass weder die eine noch die andere Seite ihr Gesicht verliert.

Führungskräfte erleben Konflikte auf mehreren Ebenen

  • als Beteiligte/r mit anderen Führungskräften auf verschiedenen Ebenen, wie in dem oben beschriebenen Beispiel
  • Konflikte zwischen „seinen/ihren“ Mitarbeitern
  • als Beteiligte/r mit den eigenen Mitarbeitern

In allen Fällen ist es sinnvoll, einen allparteilichen Dritten ins Boot zu holen.

Es ist sogar zwingend, wenn man offensichtlich selbst beteiligt ist, aber auch, wenn die Vermutung nahe liegt, dass man möglicherweise „zu nah dran“ ist und damit die allparteiliche Haltung des Mediators, die Voraussetzung für eine gute Lösung ist, nicht erfüllen kann.

Wie funktioniert das Verfahren denn nun eigentlich genau?

Mediation wird in 5 Phasen durchgeführt


1. Vorbereitung/den sicheren Rahmen schaffen

Hier erfolgt die erste Kontaktaufnahme, und hier wird auch geprüft, ob der Fall überhaupt für eine Mediation geeignet ist. Falls dem Gesprächspartner das Verfahren noch nicht bekannt ist, stellt der Mediator es kurz vor.
Es wird auch der organisatorische Rahmen geklärt. Vielen Medianden ist es lieber, sich an einem neutralen Ort zu treffen, da sie sich dort freier im Auftreten fühlen. In manchen Fällen, z.B., wenn einer der Beteiligten auch der Erstkontakt ist, macht es auch Sinn, mit allen Beteiligten vor dem Einstieg einen separaten Termin zu vereinbaren, damit sich die Medianden und der Mediator kennen lernen können. So erhalten sie die Möglichkeit, zu prüfen, ob sie Vertrauen zu ihm fassen können, denn er leitet ja schließlich den Prozess. Wenn dieser positiv verlaufen ist, erfolgt das Angebot an den Auftraggeber, und anschließend wird eine Mediationsvereinbarung zwischen allen Beteiligten, auch dem Mediator, unterzeichnet, in dem alle wichtigen Inhalte, z.B. auch die Aufteilung der Kosten, dokumentiert sind.

Beim ersten offiziellen Termin erklärt der Mediator vorab den Ablauf und das Ziel der Mediation vor. Auch die Prinzipien werden erklärt:

a) Alle Beteiligten sind freiwillig da. Sollte ein Beteiligter von seinem/ihrer Vorgesetzten zum ersten Termin „geschickt“ worden sein, kann dieser nach diesem Termin selbst entscheiden, ob er/sie weitermachen möchte.

b) Bei den Medianden sollte die Bereitschaft bestehen, auch für Ergebnisse offen zu sein, an die sie vorab nicht gedacht haben, natürlich im Sinne der Mediation, dass diese zum Nutzen Aller sind.

c) Der Mediator ist nicht nur neutral, sondern allen Parteien in gleicher Weise zugewandt.

d) Alle Konfliktparteien müssen einbezogen sein, da sonst die Ergebnisse nicht nachhaltig sind. Im Optimalfall wird dieses vor der Mediation geklärt, in komplexen Fällen stellt sich manchmal erst im Laufe des Verfahrens heraus, dass noch weitere Parteien am Tisch sitzen sollten.

e) Alle Ergebnisse werden von allen Beteiligten vertraulich behandelt. Keine Information darf den Raum verlassen und schon gar nicht gegeneinander verwendet werden.

f) Alle Parteien sind immer im gleichen Maße informiert, da es ansonsten zu einem Ungleichgewicht kommt, das die Mediation zum Scheitern verurteilen lässt.

g) Die Medianden arbeiten in Eigenverantwortlichkeit, d.h., der Mediator trifft keine Entscheidungen. Er unterstützt mit den richtigen Fragen und Techniken die Medianden dabei, die Kommunikation wieder ins Fließen zu bringen, zu erhalten sowie ihre besten Lösungen zu finden, da sie die Experten für ihren Konflikt sind.

Die Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll ist, vorab auch Gesprächsregeln zu vereinbaren, die z.B. so aussehen könnten:

  • keine Beleidigungen oder persönliche Angriffe
  • ausreden lassen
  • begrenzte Redezeit

2. Themensammlung und -priorisierung

In dieser Phase beschreiben nacheinander alle Beteiligten ihre Sichtweise. Der Mediator hat die Aufgabe, Beschwerden und Vorwürfe in Sachthemen umzuwandeln und diese zu visualisieren. Eventuell werden die Themen auch gruppiert. Danach wird von den Beteiligten eine Reihenfolge festgelegt, mit der die Themen bearbeitet werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Beziehungs- vor Sachthemen bearbeitet werden.

3. Interessenklärung/Sichtweisen darstellen und erhellen

In dieser Phase bringt der Mediator die Konfliktparteien wieder miteinander in Kontakt, es werden die Interessen, Bedürfnisse und Gefühle der Beteiligten herausgearbeitet. Das ist die wichtigste Phase des Verfahrens, hier sollte sehr sorgfältig gearbeitet werden.

4. Lösungssuche und Bewertung der Lösungen

In dieser Phase gilt das Motto: „Was hilft in der konkreten Situation, um die eigenen und die Bedürfnisse und Interessen der Anderen zu befriedigen?“ Es werden Optionen benannt, gewichtet und deren Umsetzbarkeit geprüft. Wichtig ist hier, dass Lösungen durch Konsens, nicht durch Mehrheiten gefunden werden.

5. Abschlussvereinbarung und Würdigung

Zum Abschluss werden die Lösungen schriftlich festgehalten, und es wird auch dokumentiert, wie und durch wen die Umsetzung kontrolliert werden soll. Auch Fragen zum Umgang mit zukünftigen Problemen werden hier festgehalten. Diese Vereinbarung wird wieder von allen unterschrieben. Es hat sich bewährt, sich nach ca. 6 Monaten noch einmal mit dem Mediator zu treffen und zu überprüfen, ob und wie die Lösungen umgesetzt wurden und sich gegebenenfalls nochmals von ihm unterstützen zu lassen.

Wie der Fall mit den beiden Führungskräften ausgegangen ist? Der junge Kollege hat das Unternehmen nach der Mediation aus verschiedenen Gründen doch verlassen, jedoch in Würde und der Gewissheit, dass die Tür für ihn offen steht, falls er doch irgendwann einmal zurückkommen möchte. Auch das kann ein gutes Ergebnis einer Mediation sein.

Autorin: Anja Rauch

Anja Rauch ist Konfliktmanagerin und Coach im Sportbereich in Berlin und arbeitet im deutschsprachigen Raum. Weitere Informationen über Anja Rauch findet Ihr unter www.anja-rauch.de.

Interview mit Anja Rauch "Sportliche Konfliktlösungen finden"

von Gregor Heise | Durchstarten mit Führung

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