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Den Konflikt eskalieren – eine Anleitung

Im Blogbeitrag „Hast du es satt, Konflikte passiv zu erdulden“ haben wir uns angesehen, wie man einen Konflikt vermeidet. Was ist jedoch, wenn man einen Konflikt anheizen möchte? Gibt es dazu eine Methode? Klar, die gibt es!
Und wer weiß, wie man Konflikt anheizen kann, der weiß auch, was man gegen einen Konflikt unternehmen kann.

Also machen wir uns auf die Reise…

Löse dein Ticket zur „Eskalationsdynamik“

1. Konflikt identifizieren – Verhärtung

Zunächst: wer Konflikte vorantreiben möchte, der muss zunächst einmal erkennen, dass es überhaupt Konflikte gibt! Denn Kopf-in-den-Sand-stecken gilt nicht. Schaue dich in deiner Mannschaft um, höre bei Sitzungen genau hin, beobachte die Gespräche. Du wirst erkennen, dass es Momente gibt, in denen Gesprächspartner beginnen, ihre Standpunkte mit Nachdrücklichkeit und Vehemenz zu vertreten. Eine gewisse Engstirningkeit ist wahrnehmbar und jeder beginnt, seine Sichtweise für richtiger oder zutreffender zu betrachten. Für die Sichtweise wird leidenschaftlich gekämpft und das Zuhören leidet. Die Konfliktparteien haben aber grundsätzlich das Gefühl, dass die Differenz in den Ansichten, Zielen oder Einschätzungen lösbar sind.

Der Konfliktforscher Friedrich Glasl nennt diese Phase „Verhärtung“.

2. Debatte

Während du in der Phase „Verhärtung“ überwiegend sachlich streitest, ist das bei der nächsten Phase „Debatte“ schon anders: Hier geht es nicht mehr nur um eine sachliche Differenz, sondern es kommen zunehmend persönliche Angriffe hinzu. Das entsteht, wenn man den Sachargumenten mehr und mehr eine persönliche Note verleiht.

Um in diese Phase zu kommen genügt es bei einer sachlichen Auseinandersetzung kleine persönliche Anmerkungen einzufügen. Wenn dich etwa der Abteilungsleiter Finanzen wegen der Kostenrechnung nervt und dein schönes Projekt torpediert, könntest du neben den sachlichen Argumenten auch ein bisschen persönlich werden. „Nun, Herr Mehwald, es ist klar, dass Sie das aus Ihrer doch sehr eingeschränkten Sichtweise als Buchhalter so sehen müssen. Das ist doch sehr typisch von Ihnen und kommt halt in schöner Regelmäßigkeit immer wieder.“

Das Ergebnis?

Herr Mehwald fühlt sich abgewertet, er ist auch persönlich betroffen und wird seinerseits alles daran setzen, dich zu treffen. Damit musst du rechnen! Das wirst du dir aber nicht gefallen lassen müssen, denn du bist ja schlagfertig genug.

Glasl nennt diese Stufe Debatte, die gekennzeicht ist, dass jede Aussage mit einer unterschwellig auf der persönlichen Ebene „treffenden“ Aussage kombiniert wird. Gut geeignet sind hier Generalisierungen wie: immer, typisch, ständig… oder die Frage nach dem Warum? Gut wirksam ist es auch, zu psychologisieren: „Ich glaube Herr Walter, Sie haben eine freudlose Kindheit gehabt bei der Art, wie Sie sich hier geben….“

Natürlich kommst du auf der Sachebene mit dieser Methode nicht weiter. Im Grunde deines Herzens bist du auch frustriert, denn irgendwie möchtest du deinen Konfliktpartner erreichen. Aber das scheint nicht recht zu gelingen. Wenn es dir zu mühsam wird, kannst du die nächste Stufe angehen.

Taten

Was macht es für einen Sinn, mit einem Querulanten zu diskutieren, der dir noch dazu persönlich kommt? Genau! Es macht gar keinen Sinn. Also brich die Kommunikation ab und mache einfach das, was du glaubst, tun zu müssen. Stelle den anderen vor vollendete Tatsachen! Damit erreichst du wenigstens einen Sieg, nimmst das Gesetz des Handelns in deine Hand und gestaltest die Situation. Das einzige was du dir klar machen musst: die andere Seite wird auch Taten setzen! Das birgt eine gewisse Unsicherheit in sich, denn du weißt ja nicht, was kommt. Aber Hand aufs Herz: macht das nicht den Berufsalltag spannend?

Wenn du den Bereich der Taten einmal beschritten hast, dann mache dir bewusst, dass ab jetzt die Kommunikation mit deinem Konfliktpartner sehr schwierig sein wird. Aber – muss man immer reden?

Glasl nennt diese Stufe: Taten. Die Konfliktparteien sind überzeugt, den anderen mit Worten nicht mehr zu erreichen und suchen ihr Heil in Aktionismus. Diese Phase ist höchst problematisch, denn nun eskaliert der Konflikt sehr rasch weiter und nimmt noch mehr Fahrt auf. Überlege dir gut, ob du diese Phase einleiten willst. Ohne professionelle Hilfe wirst du da sehr schwer wieder herausfinden.

Freunde suchen

Nach den Taten brauchst du unbedingt Freunde! Wenn du deinem Gegner erst einmal so richtig gezeigt hast, dass du Herr der Lage bist und zur Tat schreitest, suche dir ein Publikum, das dich unterstützt. Deine Power wird ungemein wachsen und jeder deiner Freunde wird zum Konflikt seine eigene Geschichte beitragen. Der Vorteil? Es wird alles undurchsichtig, verworren und die Anzahl der Konflikte wächst. Die Konfliktarena wird größer und eine Lösung rückt in weite Ferne.

Glasl nennt diese Phase Koalitionsbildung. Man sucht Verbündete, die einem in der eigenen Sicht auf den Konflikt unterstützen, Einseitigkeit und Extremismus fördern und ein Biotop schaffen, in dem man sich unter seinesgleichen wohl fühlt.

Gesichtsverlust

Wer viele Freunde hat der weiß, dass man dem Publikum etwas bieten muss. Hier eignen sich besonders öffentliche Aktionen, in denen dein Gegner bloßgestellt wird. Fehlt dir dazu die Kreativität? Das reicht von absichtlichen Fehlern in eine Präsentation, über blamierende Äußerungen in einer Sitzung bis hin zu perfiden Inszenierungen und Fallen. Sei kreativ!

Glasl nennt diese Stufe auch öffentliche Demaskierungaktionen. Man möchte der Welt zeigen, das wahre Gesicht des Gegeners offenbaren um seine Haltung gegenüber dem Gegner zu rechtfertigen. „Seht her, wie schlecht der andere ist, da musste ich doch was unternehmen…“

Drohungen

Schließlich könntest du noch Drohungen einsetzen, um den Konflikt zu beschleunigen. Als Führungskraft verfügst du bestimmt über Möglichkeiten – sonst beschaffe sie dir. Blöd ist eigentlich nur, dass die Gegenseite deine Drohungen bestimmt mit einer Gegendrohung beantworten wird. Und die Drohung der Gegenseite wird immer ein bisschen stärker sein, als deine. So setzt sich ein Kreislauf aus Drohungen und Gegendrohungen in Gang. Nun ist es nicht mehr weit, bis es zu offener Gewalt kommt.

Glasl meint, dass Drohungen auf jeder Stufe vorkommen können. Auf dieser Stufe sind sie halt besonders ausgeprägt und werden taktisch eingesetzt. Mache dir bewusst, dass Drohungen – egal auf welcher Stufe – die Eskaltion so richtig in Fahrt bringen.

Und weiter….

Wenn du bis hierher gehommen bist, ist der Weg nicht mehr weit bis zu tätlichen Auseinandersetzungen.

Das Ziel ist zunächst den Gegner physisch zu treffen und zu destabiliseren. Schließlich soll das Umfeld empfindlich getroffen und zerstört werden. Am Ende steht dann gemeinsam in den Abgrund. Keiner soll den Konflikt überleben.

Der ernste Hintergrund

Dass diese Anleitung zur Konflikteskalation nicht unbedingt ernst gemeint ist, leuchtet ein. Bestimmt regt dich der Text an, diese Phasen in Konflikten einmal bewusster zu beachten. Mache dir bewusst, dass du die Fähigkeit hast, Konflikte voranzutreiben, indem du eine neue Phase einleitest, Genauso kannst du aber versuchen, die Phase zu verlassen, indem du deeskalierst, das Spiel nicht mehr mitspielst und aussteigst.

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