Mit Achtsamkeit hast Du mehr von Dir... - Heisetraining

Mit Achtsamkeit hast Du mehr von Dir…

von | 20:02

Achtsamkeit bringt Dich wieder auf Kurs

Keine Frage: Dein Alltag ist manchmal richtig hart.

Die Herausforderungen unserer VUCA-Welt bringen Dich oft an die Grenze der Leistungs- und Leidensfähigkeit.

Und mehr ehrlich: oft macht das alles nicht so wirklich viel Spaß; Mitarbeitergespräche, Budgetsitzungen, langatmige Meetings, Flugreisen, Zielvereinbarungsgespräche, Planungssitzungen, Emails bearbeiten, Team motivieren….

Vielleicht hast Du dann zu allem Überfluss auch öfter das Gefühl, hart zu arbeiten, aber wenig wirklich Wichtiges zu erreichen.

Das kann ganz schön deprimierend sein.

Vielleicht hast Du auch das Gefühl, dass Du die Dinge immer weniger im Griff hast. Die VUCA-Welt rollt gleichsam über Dich hinweg. So geht es Dir vielleicht wie Archimedes, der zur Erläuterung des Hebelgesetzes einmal ausrief: “Gebe mir einen festen Punkt im Universum und ich hebe die Welt aus den Angeln! Das wäre ja schön denkst Du vielleicht. Einen Fixpunkt zu haben von dem aus die Dinge nachhaltig und wirksam beeinflusst werden können1)VUCA ist eine Abkürzung und steht für: Volatil-Unsicherheit-Complexität-Ambiguität. Lies dazu auch meinen Beitrag “Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt.

Doch wo ist dieser Fixpunkt?

Dein Selbst ist Dein Fixpunkt

Auf den ersten Blick ist es klar, dass der Fixpunkt nicht irgendwo im Universum liegt.

Aber wo ist er dann?

Bestimmt nicht irgendwo auf einer fernen Insel. Der Fixpunkt liegt in Dir selbst – in Deiner Persönlichkeit. Diesen Fixpunkt kennst Du bestimmt, denn Du hast sicher schon das Gefühl gehabt, in Dir selbst zu ruhen. Das Gefühl ist nicht einfach zu beschreiben. Am ehesten ist es vergleichbar mit einer auf sich selbst gerichteten Aufmerksamkeit. Man kann auch sagen: einer gesammelten Ausrichtung auf sich selbst.

Wenn Du Dir dieses Gefühl einmal herholst (das kannst du gleich probieren indem Du einfach einmal innehältst und den Fokus auf Dich selbst richtest) wirst Du bemerken, dass die ganze Hektik langsam abfällt… Du beginnst Dich zu zentrieren und in Deine Mitte zu kommen. Dazu stellt sich ein Gefühl von Gelassenheit ein.

Erst dieses Gefühl erlaubt es Deinem Selbst, sich zu melden.

Gefühle von Gelassenheit und Ruhe sind die Grundlage, dass Dein Selbst wirksam werden kann.

Was hast Du nun davon, wenn das Selbst stärker wirksam werden kann?

Was Dein Selbst für Dich tut

Das Selbst ist beileibe kein mystischer Ort oder eine bloße Metapher. Das Selbst ist ein hochkomplexes psychisches System. Die wichtigste Aufgabe ist die Integration von:

  • Erfahrungen
  • Episoden
  • Gefühlen und Emotionen
  • Motiven
  • Werten
  • Einstellungen
  • ….

Dieses ausgedehnte Netzwerk nennt man auch Extensionsgedächtnis. Dieses Selbst hat ein paar ganz erstaunliche Eigenschaften. Eine Besonderheit ist die Hintergrundaufmerksamkeit. Während Du im Vordergrund mit etwas beschäftigt bist, wertet das Selbst alle hereinkommenden Informationen aus. Wenn Dein Selbstzugang gut ist, dann steuert Dir das Selbst ganz von selbst das bei, was gerade in der Situation sinnvoll ist.

Das Selbst hilft Dir aber auch dabei, das zu tun, was Dir guttut. Kommst Du “vom rechten Weg” ab, dann meldet sich das Selbst. Dann kannst Du Dich neu orientieren. Vergleichbar mit einem Kompass sorgt es für Orientierung. Dabei orientiert sich das Selbst an Deinen Motiven, Werten und allgemeinen Zielen.

Das Selbst leistet auch einen großen Beitrag dazu, mit Stress gut umzugehen. Das Selbst kann Dir Selbstberuhigung geben, indem es auf frühere Erfahrungen zurückgreift.

Auch bei der Misserfolgsbewältigung spielt das Selbst eine große Rolle. Eine negative Erfahrung kann durch das Selbst eingeordnet und als Lebenserfahrung abgespeichert werden.

Schließlich ist der Selbstzugang eine wichtige Voraussetzung, in Selbstbestimmung zu handeln. Wenn man im Stress den Selbstzugang verliert (was ab einer gewissen Dauer von Stress die Regel ist), wird man anfällig für Fremdsteuerung. Man fühlt sich getrieben und nicht mehr Herr im Haus.

Der Zugang zum Selbst ist noch aus einem anderen Grund wichtig. Er ermöglicht es Dir die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Wonach strebe ich? Was sind meine Ziele? Was ist meine Mission?
  • Was braucht meine Umgebung? Was brauchen andere von mir?
  • Was brauche ich?
  • Welche Handlungen sind im Hier-und-Jetzt wichtig und angemessen?

Wenn Du Dich auf diese Fragen besinnst, dann hast Du tatsächlich den Fixpunkt erreicht, der Dir hilft nicht nur gut durch den Tag zu kommen, sondern Dein Leben umfassend zu gestalten! Und zwar so, wie es Dir selbst gemäß ist!

Du merkst jedoch schon, dass die Sache mit dem Selbst eine gewisse Herausforderung beinhaltet. Das Selbst ist nämlich schwer greifbar. Es entzieht sich unserer Verfügung. Das liegt daran, dass das Selbst nur teilweise bewusst ist und auch nur in Teilen bewusst werden kann. Dieser Selbstzugang gelingt nur in Momenten der Ruhe und Gelassenheit2)Noch mehr Informationen zum Selbst findest Du in meinem Beitrag “Es ist Dein Selbst, dem Du folgen musst.

Das Paradox ist: das Selbst kann uns Ruhe und Gelassenheit geben – wir benötigen jedoch Ruhe und Gelassenheit, um das Selbst wirksam werden zu lassen.

Achtsamkeit als Weg zum Selbst

Ein Weg, um mit dem Selbst in Kontakt zu kommen ist Achtsamkeit. Achtsamkeit ist in erster Linie eine Haltung. Im Grunde geht es bei der Achtsamkeit um die Frage, wie Du mit dem Hier-und-Jetzt mehr in Kontakt kommen kannst. Das geschieht über den Weg der Be-sinnung auf Dich selbst. Und zwar weit weniger in einer “vernünftigen” Weise, sondern “spürend”.

Was ist der Unterschied von “vernünftig” und “spürend“?

Beim vernünftigen Umgang mit sich selbst steht die Sprache im Vordergrund. Man führt vielleicht ein Selbstgespräch oder hat eine kommentierende Stimme in sich. Das ist natürlich nicht schlecht. Aber gerade in Situationen der Anspannung wird diese Stimme meist vorwurfsvoll!

Spürender Umgang mit sich selbst ist nicht-sprachlich. Die Wahrnehmung fokussiert nicht auf äußere Objekte, sondern auf den eigenen Körper. Diese Körperwahrnehmung kommt oft viel zu kurz. Dabei ist es eine wissenschaftlich gut belegte Theorie, dass Selbst-Erfahrungen nicht (nur) sprachlich abgespeichert werden, sondern auch im Körper. Unser Körper ist gewissermaßen geronnene Lebenserfahrung. Über den Körper gelingt uns weit schneller der Zugang zu uns selbst.

Und genau hier setzt die Achtsamkeit an!

Ich lade Dich ein: probiere es einmal aus und lasse Dich überraschen, was Du alles von Dir entdecken kannst.

Achtsamkeitsübungen öffnen das Selbst

Du kannst eigentlich den ganzen Tag nutzen, um mit Deinem Selbst mehr in Kontakt zu kommen. Ich mache Dir hier ein paar Vorschläge:

Achtsamkeit bei Routinen: Du führst den ganzen Tag viele routinierte Handlungsabläufe aus. Diese werden von einem Teil Deines Gehirns gesteuert, den man in der Psychologie als “intuitive Verhaltenssteuerung” bezeichnet. Wenn ein Psychologe das Wort “intuitiv” verwendet, dann meint man damit unbewusst. Tatsächlich ist ja so, dass Routinevorgänge wie: Zähneputzen, Hände waschen, Schuhe binden, Haustüre abschließen, gehen, Auto fahren etc. quasi “nebenbei” passieren.
Außer wenn etwas schiefläuft, dann nimmt man den Ablauf in den Blick. Etwa, wenn Deine Computertastatur plötzlich einen Buchstaben nicht mehr überträgt. Dann richtest Du Deine Aufmerksamkeit auf das Problem und Du versuchst es zu lösen.
Wenn Du Achtsamkeit üben möchtest, dann drehe jetzt den Prozess um: Du beobachtest einmal ganz genau, was Du bei einer Routinehandlung machst. Du schaust Dir also an, wie Du Dir z.B. die Hände wäschst. Dadurch richtest Du automatisch den Fokus vom “Da-und-Dort” auf das “Hier-und-Jetzt”. Und schon hast Du Dich zentriert!

Achtsamkeit durch Körperwahrnehmung: Hier geht es darum, den Fokus auf den Körper zu legen. In also durch Achtsamkeit mehr zu be-achten. Du fokussierst Dich auf Deinen Körper indem Du Dich fragst:

  • Wie sitze ich da?
  • Wie ist der Kontakt zur Sitzfläche?
  • Wo sind meine Hände?
  • Wie ist mein Atem?
  • Was machen meine Füße

Keinesfalls solltest Du aber Deine Entdeckungen bewerten. Es geht nur um die Stärkung der Selbstwahrnehmung – nicht um Verbesserung!

Achtsames Gehen: Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus – seinen eigenen “Beat”. Du kannst das am besten entdecken, wenn Du einen längeren Spaziergang unternimmst. Lass einmal die Kopfhörer weg und konzentriere Dich rein auf Deine Geschwindigkeit. Welches Tempo tut Dir gut? Wobei fühlst Du Dich wohl? Dann versuche wahrzunehmen, wie Du gehst. Und schließlich kannst Du noch das Tempo ändern – dabei empfehle ich Dir, einmal ganz langsam zu gehen. Du schärfst die Sinne beim Gehen!

Achtsamkeit auf die Gedanken: Dem griechischen Stoiker Epiktet wird der Satz zugeschrieben: “Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Vorstellung von den Dingen.” Das Ideal der Stoa war der Gleichmut der Welt gegenüber. Sozusagen einen permanenten Beobachterstatus zu erreichen. Auch wenn Du nicht nach diesem Ideal strebst: tatsächlich ist es so, dass Gedanken die ständig in Deinem Kopf herumschwirren Dich von Dir und Deinem Selbst mehr und mehr entfremden können. Nun kannst Du Gedanken nicht einfach abstellen. Das merkst Du vielleicht dann, wenn Du Sorgen hast, die Dich beschäftigen und Dich z.B. daran hindern, schlafen zu können.
Mit etwas Übung kannst Du es aber erreichen, dass Du den Gedanken mit mehr Abstand begegnen kannst. Dazu hilft die Vorstellung, sich Gedanken wie Wolken oder Autos auf einer Straße vorzustellen, die einfach vorüberziehen. Du lässt sie los und beobachtest ihr vorüberziehen.

Meditation: Damit sind wir schon bei der Meditation angelangt. Im Prinzip besteht Meditation aus folgenden Elementen:

  • entsprechende Körperhaltung (gerade sitzen)
  • ruhiges Ein- und Ausatmen
  • In-sich-Hineinhören
  • Gedanken ziehen lassen
  • Loslassen

Ganz wichtig:

  1. Meditation machst Du auf Deine Weise – es gibt kein “richtig” oder “falsch”
  2. Meditieren ist Übungssache. Der Geist muss es erst lernen, sich zu sammeln. Es wird Dir im Laufe der Zeit immer leichter fallen.
  3. Meditation ist klein Leistungssport. Es gibt nichts zu erreichen – aber viel zu gewinnen.

Probiere doch einmal ein paar der Achtsamkeitsübungen aus.

Schreibe Deine Erfahrungen in die Kommentare!

Teile mit anderen Deine besten Achtsamkeitsübungen – so können alle profitieren….

Du möchtest Dein Selbst und Deine Fähigkeiten näher erforschen? Dann lade ich Dich ein, einen kurzen psychologischen Test zu machen, der Dir sehr viee Ansatzpunkte zur Verbesserung Deiner Selbstwirksamkeit liefern kann. Hier klicken und dann gibt es alle nötigen Informationen.

Anmerkungen und Nachweise   [ + ]

1. VUCA ist eine Abkürzung und steht für: Volatil-Unsicherheit-Complexität-Ambiguität. Lies dazu auch meinen Beitrag “Entscheidungen treffen in der VUCA-Welt
2. Noch mehr Informationen zum Selbst findest Du in meinem Beitrag “Es ist Dein Selbst, dem Du folgen musst
Ich footnotes