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So gelingt dir der Wechsel in die Führungsposition

von | Apr 24, 2017

Glückwunsch!

Jetzt hast du es geschafft! Man hat dir eine Führungsposition angeboten…

Du stehst kurz davor, eine Führungsposition einzunehmen – oder wechselst in eine höhere Managementebene. Was von außen betrachtet vielleicht das Non-plus-Ultra darstellt, ist jedoch nicht ganz so einfach, wenn man einmal in dieser Situation ist.

Eine große Veränderung steht ins Haus!

Aber keine Angst: Du schaffst das!

Nach der Beförderung kommen ganz ordentliche Herausforderungen auf dich zu:

  • ein neues Arbeitsumfeld
  • mehr Druck
  • mehr Verantwortung
  • eine andere Rolle
  • Änderungen in den Sozialbeziehungen
  • höhere Belastungen

Viele neue Führungskräfte sind anfangs euphorisch – nach drei Jahren legt sich dieser Effekt und die zeitlichen und psychischen Belastungen überwiegen.

Damit du einige dieser Hürden gut umschiffen kannst, möchte ich dir ein paar Empfehlungen mit auf die Reise geben. Denn ich möchte, dass du als Führungskraft erfolgreich bist.

Startpositionen

Dein Erfolg hängt erheblich davon ab, wie du in die Führungsposition wechselst. Hier siehst du die 6 Möglichkeiten1)Hofbauer, Helmut; Kauer, Alois: Einstieg in die Führungsrolle, Hanser 2012.:

Führungsposition

1 – Von außen in das Unternehmen

Hier besetzt eine Person eine vom Unternehmen ausgeschriebene Führungsposition. Das kann bei den Mitarbeitern Vorsicht und Zurückhaltung auslösen. Möglich ist aber auch das Gegenteil. Vielleicht wurden die Mitarbeiter schlecht geführt und begegnen dem Neuen/der Neuen mit großen Erwartungen.

Es sind schon viele ambitionierte Führungskräfte daran gescheitert, dass sie die Erwartungen an die Führungsposition nicht ausreichend geklärt haben. Mache diesen Fehler nicht, sondern erkunde aktiv, welche Rolle du spielen sollst. Ziehe daraus dann die für dich notwendigen Schlussfolgerungen.

Deine Aufgaben

  • Nimm dir ausreichend Zeit für die Einarbeitung.
  • Mache dich mit den Spielregeln des Unternehmens vertraut.
  • Recherchiere zu den Themen: Leitbild, Unternehmenswerte, Führungsgrundsätze, Kennzahlen
  • Kläre die Erwartungen an deine Rolle (siehe auch diesen Beitrag zum Thema Rolle).
  • Stürze dich nicht gleich in Projekte, wenn du noch nicht die Rahmenbedingungen kennst (um nicht „Verlierer-Projekte“ zu erben)
  • Suche den Kontakt zur HR-Abteilung. Frage dort nach, ob es interne Bewerber gegeben hat und warum du den Vorzug bekommen hast.
  • Höre besonders in den ersten Tagen zu! Hole dir Informationen und schaffe Vertrauen.
  • Führe Veränderungen langsam und behutsam ein.
  • Kommuniziere und zeige deinen Führungsstil.
  • Schaffe dir ein Netzwerk.

2 – Wechsel innerhalb des Unternehmens

Weit verbreitet und oftmals unterschätzt!

Man wechselt ja nur die Abteilung und sonst bleibt alles gleich!?

Welch eine Fehleinschätzung!

Jeder Bereich und jede Abteilung besitzt eine ganz bestimmte Kultur. Bestimmt durch das Aufgabengebiet und die Mitarbeitenden. Du kennst das Unternehmen aus einem ganz bestimmten Blickwinkel. Wenn du deine Sichtweise auf diesen Bereich einfach überträgst, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.

Unterschätze niemals den Zeitaufwand, die Regeln und die Kultur im neuen Bereich zu erkennen und zu verstehen. Wende dich in der ersten Zeit vorrangig deinen Mitarbeitenden zu  – weniger den Sachaufgaben.

Deine Aufgaben

  • Informiere dich gründlich über das Team
  • Erkunde aktiv die Regeln der Zusammenarbeit und die Kultur in der Abteilung
  • Lege bewusst die Rolle aus deinem „alten“ Bereich ab
  • Gehe auf die Mitarbeitenden zu und respektiere deren Arbeitsstil und Gewohnheiten

3 – Vom Kollegen zum Vorgesetzten

Offenbar bist du im Team aufgefallen. Du hast Führungsqualitäten gezeigt. Jetzt bekommst du eine Führungsposition angeboten. Oder du merkst, dass du in die Leitung wechseln möchtest und bewirbst dich um eine Führungsposition.

In den meisten Fällen finden deine Mitarbeitenden diesen Wechsel gut. Sie kennen dich, euch verbindet eine gemeinsame Geschichte, vielleicht pflegt ihr auch Freundschaften. Dieser Startvorteil kann aber auch rasch zu einem Nachteil werden – nämlich wenn die Mitarbeitenden von dir Vorteile erwarten oder deine Führungsrolle nicht richtig akzeptieren.

Natürlich kann man auch mit weniger offenen Armen vom Team als neue Führungskraft empfangen werden. Wenn die einst kollegiale Atmosphäre dramatisch schlechter wird, wenn die offene Kommunikation ausbleibt, dann herrscht Handlungsbedarf!2)Sehr empfehlenswert auch der Artikel in der FAZ: „Gestern Kollege, heute Chef“ Nicht lange die Probleme anstehen lassen, sondern sich darum kümmern.

Spreche an, was du wahrnimmst und versuche, die Konflikte zu lösen. Ein paar Tipps findest du in dem Artikel „Wie werde ich zum Konfliktmeister – Deeskalation

Bei besonders schwierigen Konstellationen solltest du unbedingt externe Hilfe anfordern – z.B. ein Teamentwicklungstraining von Heisetraining.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Rollenklarheit und in der Fähigkeit, einen guten Rahmen für die Zusammenarbeit zu schaffen. Vermeide auch unbedingt, dich als Interessensvertreter deiner Mitarbeitenden zu verstehen. Entwickle rasch ein eigenes Profil und fange vom ersten Tag an, konsequent zu führen.

Höre zum Thema Rollenklarheit auch die Podcastfolge DMF 02.

Deine Aufgaben

  • Mache dir sehr rasch deine neue Rolle bewusst. Was musst du ändern? Was willst du beibehalten? Wie möchtest du auftreten?
  • Akzeptiere für dich, dass du dich von deinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen entfernst.
  • Verhalte dich als Chef – treffe Zielvereinbarungen und fälle Entscheidungen. Nicht erst später, sondern jetzt!
  • Mache dir bewusst, dass deine Mitarbeitenden Kontinuität schätzen. Führe daher Änderungen behutsam ein.

4 – Vom Stellvertreter zum Leiter

Bislang hast du die „zweite Geige“ gespielt. Die Letztverantwortung hatte dein Chef. Auch, wenn der Chef nicht anwesend war.

Mit dem Wechsel in die Führungsposition ändert sich das nun.

Dein Vorteil: wie Führung „funktioniert“ hast du erlebt. Du kennst auch einzelne Herausforderungen des Führungsgeschäftes. Das Team kennt dich und weiß um deine Stärken und Schwächen Bescheid.

Der Nachteil: das Image der „zweiten Geige“ kann an dir haften wie der sprichwörtliche Kaugummi!

Die größte Behinderung beim Wechsel der Führungsposition ist ein fließender Übergang. Das Team merkt schlimmstenfalls gar nicht, dass du eine neue Rolle einnimmst. Alles läuft so weiter wie bisher. Deine Führungsrolle wird nicht anerkannt und du bleibst ewig „der Zweite“.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der professionell gestalteten Übergabe! Lasse nicht zu, dass deine „Inthronisation“ beiläufig geschieht. Die Mitarbeiter sollen merken, dass du die Geschäfte übernimmst.

Deine Aufgaben

  • Kläre die Erwartungen deines Vorgesetzten. Soll etwas geändert werden oder alles gleich bleiben?
  • Überlege was dein Vorgänger/deine Vorgängerin gut gemacht und was möchtest du verändern?
  • Mache eine sichtbare Übergabe. Halte eine Antrittsrede und spreche davon, was du beibehalten oder ändern möchtest.
  • Setze Signale aus denen klar wird, dass du in die erste Reihe gewechselt hast. Ziehe in ein anderes Büro, gestalte es um, führe neue Abläufe ein. Strebe also einen behutsamen „Bruch mit der Vergangenheit“ an.

5 – Als High Potential in eine Führungspostion

Die Förderung potenzieller Führungskräfte im Rahmen von Entwicklungsprogrammen ist in vielen Unternehmen üblich.

Vielleicht bist auch du der Glückliche, der aus einem Pool von Kandidatinnen und Kandidaten ausgewählt wurde. Entsprechend motiviert und leistungsbereit bist du und kannst es kaum erwarten, deine Stelle anzutreten.

Sei dir jedoch bewusst, dass dir die anderen Mitarbeitenden mit Skepsis oder zumindest Vorsicht begegnen. Du bist in deren Augen nicht deshalb schon automatisch eine respektable Führungskraft, nur weil du ein entsprechendes Förderprogramm positiv abgeschlossen hast. Oft wirst du mit den Leistungen anderer verglichen. Deine mangelnde Erfahrung könnte dir negativ angerechnet werden.

Achte auf Signale des Misstrauens, die dir als neue Führungskraft eventuell entgegengebracht werden. Gehe mit den Vorbehalten gegenüber deiner Person offensiv um und suche den Dialog!

Deine Aufgaben

  • Baue gute Beziehungen zu deinen Mitarbeitenden auf.
  • Binde skeptische Mitarbeiter ein, indem du nach den Gründen für die Skepsis fragst.
  • Zeige, dass du an der Stelle Interesse hast und diese nicht nur als weiteren Karriereschritt siehst.
  • Begegne deinen Mitarbeitenden auf Augenhöhe. Suche den Dialog, Frage um Rat, gestehe eigene Unsicherheiten ein.

6 – Aufbau eines Teams oder einer Abteilung

Es kann auch sein, dass du das Angebot bekommst, eine komplette Abteilung oder ein Team neu aufzubauen. Diese Aufgabe bietet dir den größten Gestaltungsspielraum.

Allerdings musst du vorher erfragen, wie weit dein Gestaltungsspielraum geht (Abläufe, Strukturen, Mitarbeiterauswahl, Ressourcen etc.) und mit welchen Unternehmensbereichen du zusammenarbeiten musst.

Diese Aufgabe hat viel mit einer Unternehmensgründung gemein. Du musst am Anfang viel in die Idee investieren, um erfolgreich zu sein. Was sind deine Ziele? Was ist deine Vision? Welche Kernaufgaben soll dein Bereich erbringen? Wie stellst du dir die Zusammenarbeit vor? Nutze den Neuanfang und erkunde, was alles möglich ist!

Deine Aufgaben

  • Entwickle eine zugkräftige Vision und formuliere deine Mission (zum Nachhören im Podcast DMF 03). Lies dazu auch den Artikel: So entwirfst du eine unwiderstehliche Vision
  • Entwickle eine Fahrplan für die ersten 100 Tage.
  • Hole dir den Rat von Fachexperten und erfahrenen Kollegen. Nutze eventuell vorhandene Mentoringprogramme. Suche dir einen externen Coach.
  • Starte mit einem Teamentwicklungsworkshop unter professioneller Begleitung. Hier sollten sowohl soziale als auch operativ-strategische Fragestellungen behandelt werden.

Zusammenschau

Jetzt hast du einen guten Überblick über die möglichen Startpositionen erhalten. Du kannst das in der Tiefe in dem schon erwähnten Buch „Einstieg in die Führungsrolle“ von Hofbauer und Kauer nachlesen.

Wenn du am Startblock stehst – kurz vor dem Sprung ins Wasser – wird dir die Übersicht bestimmt gut helfen.

Vielleicht denkst du dir am Ende dieses Beitrags: „Schöne Gedanken – jedoch leider etwas zu spät. Ich bin ja schon in der Führungsrolle.“ Trotzdem können dir meine Ausführungen helfen. Gehe dann einfach gedanklich zurück.

  • Wie hast du damals angefangen?
  • Was waren damals deine ersten Schritte?
  • Was ist gut gelaufen?
  • Was würdest du heute anders machen?

Wenn du bestimmte aktuelle Probleme in deinem Team festgestellt hast, kannst du dich fragen, ob du nicht nachträglich einige der empfohlenen Punkte umsetzen möchtest. Natürlich kannst du auch mit mir Kontakt aufnehmen, und wir analysieren deine Situation und entwickeln eine Strategie.

Jetzt interessieren mich deine Erfahrungen!

  • Wo stehst du heute und welche Schritte wirst du gehen?
  • Welche Fragen stellen sich für dich?

Poste das jetzt in die Kommentare! Ich antworte gerne auf deine Fragen.

Anmerkungen und Nachweise   [ + ]

1. Hofbauer, Helmut; Kauer, Alois: Einstieg in die Führungsrolle, Hanser 2012.
2. Sehr empfehlenswert auch der Artikel in der FAZ: „Gestern Kollege, heute Chef“
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