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Es ist dein Selbst, dem du folgen musst…

von | Mai 31, 2017

Die Positionierung kommt aus dem Selbst

Die Einladung von Eva Laspas zur Blogparade „So heb ich mich ab – Was mir eine klare Positionierung gebracht hat“ regte mich an, darüber nachzudenken, wo ich jetzt als selbständiger Persönlichkeitsentwickler stehe. Seit dem Jahr 1990 bin ich als Trainer und Coach tätig. Das ist eine lange Zeit.

Wenn ich zurückdenke, dann haben sich die Schwerpunkte meiner Tätigkeit immer wieder verschoben. Anfangs war ich ein Spezialist für zwischenmenschliche Kommunikation, dann hatte ich mich auf das Thema Verhandeln spezialisiert. Und irgendwann begann die Entwicklung von Führungskräften in den Mittelpunkt zu kommen. Heute beschäftige ich mich mit Fragen der Selbstführung.

Ich erwähne meine unterschiedlichen Positionierungen deshalb, weil immer wieder die Angst besteht, dass man eine einmal gefundene Positionierung nicht mehr los wird. Das ist sicher eine unbegründete Angst! Zwar solltest du deine Positionierung nicht jeden Monat wechseln – aber deine Positionierung wird sich im Laufe deines Lebens ändern. Du änderst dich ja auch, deine Interessen verschieben sich. Da darf deine Positionierung auch gerne hinterfragt werden.

Wann ich begann, meine Positionierung zu prüfen

Ich kenne viele Kolleginnen und Kollegen aus der Beraterbranche, die einen mächtigen Bauchladen an Methoden vor sich her tragen.

Klar: jeder ist stolz darauf, welche Ausbildungen, Zertifikate, Methoden und Tools man beherrscht. Schließlich hat man eine Menge an Zeit und Geld investiert. Außerdem möchte man gerne als kompetent wahrgenommen werden. Ich war da gar keine Ausnahme. Auf meiner Website habe ich stolz davon berichtet! Klappern gehört zum Handwerk – so dachte ich. Genützt hat es mir wenig… Ich denke, es war Sonja Kreye, die den wichtigen Impuls gab. Keiner da draußen interessiert sich für Methoden. Kunden wollen Lösungen für ihre Probleme. Wie man die erreicht, ist zweitrangig.

Also musste bei mir ein Umdenken stattfinden.

Ein Schritt zur Positionierung war die Suche nach einer Antwort auf die Fragen:

  • was biete ich an?
  • welchen Nutzen schaffe ich damit?

Dieser Schritt war gar nicht so schwer. Ich nahm mir einfach meinen schon vor einiger Zeit entwickelten Seminarkatalog her und fand darin tolle Beschreibungen von meinem Angebot. Auch die Argumente für den Kundennutzen waren fein säuberlich aufgelistet.

Hatte ich nicht schon meine Positionierung gefunden?

Klar: ich war positioniert als „Generalist“! Nicht nur hatte ich einen Bauchladen an Methoden, sondern auch noch einen Bauchladen an Produkten. Cornelia Schiestek hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass eine Positionierung als Generalist gleichbedeutend ist mit einer Positionierung als kleiner Fisch in einem riesigen Teich. Solche Fische gehen in der Masse unter (oder enden als Fischfutter).

Ich war positioniert – aber nicht exponiert!

Da ich allerdings kein kleiner Fisch bleiben wollte, musste etwas geschehen.

Daher habe ich den Blick von den Produkten abgewandt und mich gefragt: Was treibt mich wirklich an, das zu tun, was ich tagtäglich tue? Und diese Antwort konnte ich kaum in den Produkten finden, sondern in meinem eigenen Selbst.

Wie ich mein Selbst befragte…

Herauszufinden, was einen wirklich antreibt, ist keine einfache Sache. Das setzt voraus, dass man sich selbst gut kennt. Natürlich weiß jeder von sich selbst eine ganze Menge: Einstellungen, Werthaltungen, Vorlieben, Ansichten usw.

Aber: was einen im Inneren ausmacht, das ist einem selbst dann doch oftmals unbekannt.

Dieses System, das unsere Persönlichkeit organisiert, das dafür sorgt, dass wir uns Tag für Tag als eine konsistente Person empfinden, ist das Selbst. Als neuronales Netzwerk organisiert, hat es die Fähigkeit, viele Informationen parallel zu verrechnen. Ein großer Vorteil, wenn es darauf ankommt, eine Situation ganzheitlich zu erfassen und zu bewerten. Nehmen wir nur einmal als Beispiel ein Treffen mit einem Kunden, den man zum ersten Mal sieht. Was strömt da nicht alles auf die Wahrnehmung ein… Wie die Person aussieht, wie sie sich gibt, meine eigenen Gefühle im Moment, der Raum, der Stimmklang bei der Begrüßung etc. Alles das wird in Bruchteilen von Sekunden aufgenommen. Wenn unser Gehirn nicht die Fähigkeit hätte, diese Eindrücke parallel zu verarbeiten sondern nur hintereinander, dann wären wir wohl rasch überfordert!

Das Selbst leistet aber noch etwas anderes. Die Begegnung mit dem Kunden wird nicht nur erfasst, sondern mit anderen Situationen aus der Vergangenheit abgeglichen. Dadurch findet eine Bewertung statt. Auch das geschieht zum großen Teil vollautomatisch. Unser weiteres Verhalten wird dann von dieser ganzheitlichen Situationsbewertung bestimmt.

Unser Selbst entwickelt sich im Laufe des Lebens anhand von vielen Erlebnissen. Freudige und unangenehme Situationen werden in das Selbst eingespeist und untereinander vernetzt. Diese Vernetzung wird durch den Hippocampus geleistet.Mit diesen für uns wichtigen Episoden finden sich im Selbst auch die zugehörigen Emotionen und körpernahen Empfindungen.  Das macht dann zu einem Großteil unsere Persönlichkeit aus.

Jeder kennt die Situation, dass eine Situation plötzlich einen Aspekt von uns selbst auf den Schirm bringen kann. Zum Beispiel hört man eine bestimmte Musik und es werden Emotionen, vielleicht auch Bilder wieder wach. Man nennt das auch das Pop-Up-Prinzip des Selbst. Es wird uns plötzlich etwas von uns bewusst. Allerdings hat man nur wenig Einfluss darauf, was sich da zeigt.

Du merkst schon: das Selbst – also unsere Persönlichkeit – lässt sich nicht so einfach auf einen Begriff bringen. Vieles vom Selbst ist unbewusst und kommt nur stückweise an die Oberfläche.

Welche Leitmotive sich durch mein Leben ziehen

Ich bekenne, dass ich ein großer Freund der Musik von Richard Wagner bin. Warum das so ist? Meiner Empfindung nach, schafft es kaum eine Musik, so viele Emotionen freizusetzen. Für mich ist dies auch ein wichtiger Zugang zu meinem Selbst.

Bei Wagner gibt es ja den Begriff der „Leitmotive„. Das sind immer wiederkehrende Themen, die ausdeutend, kommentierend, kontrastierend das Geschehen zwischen den handelnden Personen begleiten. Diese Leitmotive ziehen sich wie ein roter Faden durch durch die Musik.

Auf der Suche nach der Positionierung habe ich mich dann gefragt, was denn die Leitmotive meines Lebens sind. Ein wichtiges Leitmotiv ist, dass ich immer gerne mit Menschen zu tun gehabt habe. Ich habe mich gerne für andere eingesetzt und sie unterstützt. So habe ich gleich nach der Schule (auch schon während der Schulzeit) mit behinderten Menschen gearbeitet, später (und auch noch heute) als Seminarleiter, aber auch in Vereinen usw. Besonders freute und freue ich mich, wenn etwas gemeinsam geschafft werden konnte.

Ein erstes Resultat meiner Positionierung: mir ist es wichtig, bei anderen etwas zu bewegen. Ich freue mich, wenn etwas „in Gang kommt„, wenn meine Klientinnen und Klienten etwas erreichen. Das heißt für mich auch, dass ich in meiner Tätigkeit auch gerne Ergebnisse sehe.

Welche Werte mir Haltung geben

Unter einem Wert verstehe ich eine Eigenschaft, von der ich überzeugt bin, dass sie am besten zu meiner Arbeit passt. Ich habe einmal darüber reflektiert, welche Werte mir wichtig sind. Dazu habe ich mit den Handlungswerte-Karten gearbeitet und einfach die für mich wichtigsten herausgesucht. Dann habe ich überprüft, welche dieser Werte mich besonders berühren.

Das Ergebnis:

  • Geduld (Alles braucht seine Zeit. Es wird schon.)
  • Verlässlichkeit (Versprechen möchte ich einhalten.)
  • Humor (Vieles kann dadurch leichter werden.)
  • Besonnenheit (Wichtig vor allem für den sorgsamen Umgang mit anderen.)
  • Hingabe (Ich bin gerne Feuer und Flamme für etwas)
  • Inspiration (Ich möchte gerne Neues entdecken und andere daran teilhaben lassen)

Wenn man sich diese Werte so anschaut, dann sind die ersten vier offenbar vom Umgang mit anderen beeinflusst. Nur die letzten beiden gehen eher in Richtung Wissenserwerb. Das passt auch gut für mich, denn ich kann mich zwar sehr hingebungsvoll mit Theorien beschäftigen – zur Hochform laufe ich allerdings dann auf, wenn ich dieses Wissen für andere aufbereite und weitergeben kann. Ich gebe es ja zu: ich stehe dann schon gerne im Mittelpunkt! Aber: meine Botschaften sollen ankommen. Ich möchte gerne so kommunizieren, dass andere mich verstehen. Das gelingt mir durch eintauchen in die Lebenswelt des anderen. So habe ich eine große Fähigkeit darin, mich mit meinen Kunden zu identifizieren. Ein Beispiel: in Seminaren arbeite ich sehr häufig mit Rollenspielen. Ich kreiere dann für meine Kunden ganz konkrete Situationen, die direkt aus ihrer Praxis stammen.

Welche Motive mich antreiben

Nachdem ich mit der PSI-Theorie recht vertraut bin und auch die PSI-Diagnostik im Rahmen meiner Ausbildung gemacht habe, lag es nahe, sich einmal meine Motive anzusehen.

Motive helfen, das Verhalten auf ein bestimmtes Ziel hin auszurichten, Die notwendige Energie wird bereitgestellt. Sie treten dann auf den Plan, wenn ein Bedürfnis befriedigt werden soll oder wenn man sich eine Belohnung erwartet. Motive werden schon in frühester Kindheit angelegt. Sie helfen uns, im sozialen Raum Chancen zu entdecken, Bedürfnisse intelligent zu befriedigen.

Mit einem eigenen Testverfahren (dem MUT und dem OMT von Julius Kuhl entwickelt) kann man die Motive sehr differenziert messen. So kann man die Motivstärke bestimmen, ob man die Motive passend verfolgt usw. Dabei unterscheidet man zwischen unbewussten und bewussten Motiven.

Die unbewussten Motive energetisieren unser Verhalten. Die bewussten Motive geben dem Verhalten eine bestimmte Richtung vor. Gemessen werden die Motive: Anschluss (Beziehung) – Leistung – Macht (Durchsetzung)

Bei mir sieht die Stärke meiner unbewussten Motive folgendermaßen aus:

Unbewusste Motive sind ein Teil des Selbst

Ich bin also sehr stark durch das Beziehungsmotiv motiviert. Hier schließt sich auch der Kreis zu meinen Leitmotiven. Ich habe sicher nicht per Zufall einen Beruf gewählt, der mich mit anderen Menschen in Kontakt bringt. Mir sind Verständnis, Austausch und Begegnung wichtig. Auch gute Stimmung ist ein wichtiges Motiv für mich.

Fazit: ich fühle mich dann am wohlsten, wenn ich in Kontakt mit anderen bin.

Wie schaut nun die Positionierung aus?

Die Positionierungsspezialistin Cornelia Schiestek (mit der ich ein längeres Gespräch zu diesem Thema führte) meintet, dass eine Positionierung immer in Verbindung mit der eigenen Person stehen muss. Positionierung, die nicht aus einem selbst heraus kommt, ist eigentlich wertlos. Wenn ich die Ergebnisse meiner Reflexionen betrachte, dann wird für mich folgendes deutlich:

ich habe große Freude daran zu sehen, wie sich andere entwickeln. Es fühlt sich gut an, wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann. Im Hintergrund habe ich meine Instrumente (z.B. die PSI-Diagnostik, Übungssettings) die es meinen Klientinnen und Klienten einfacher machen, ihre Potenziale zu erkunden. Dabei kommt es mir darauf an, dem Selbst des anderen genügend Raum zu geben. Durch zuhören, still sein, Dialog, Arbeit mit Symbolen usw. Dieses neugierige, sorgfältige Erkunden hat viel mit der Arbeit von Archäologen zu tun: behutsam freilegen, was schon da ist.

Weiters ist es mir aber auch wichtig, dass die Klientinnen und Klienten aus ihren Entdeckungen etwas machen. Fragen wie: was bedeuten die Ergebnisse? Was sind die nächsten Schritte? Wie sieht ein Trainingsprogramm aus? sind mir wichtig. Ich habe es dann gerne auch konkret!

Ein weiterer Aspekt ist, dass ich anstrebe, dass die Klientinnen und Klienten sich selbst gut steuern können. Viele kommen ja zu mir, weil ihre Selbstführungsfähigkeiten nicht so gut ausgeprägt sind. Ich hätte gerne, dass sie zum Regisseur ihres eigenen Lebens werden. Dazu bietet die PSI-Theorie viele Ansatzpunkte. Selbstführungskompetenzen können gemessen und gestaltet werden.

Auf den Punkt gebrachtl:

Ich bin ein Katalysator für Selbstwirksamkeit und Selbstführung. Mein Ziel: Gemeinsam Potenziale entdecken und in wirksames Handeln transformieren.

Du möchtest selbst deine Motive mit einem wissenschaftlichen Test kennenlernen? Schreib mir eine Nachricht - ich mache dir ein Angebot!

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